[DIE WELT.de] [Image] Sonnenlicht drängt Asteroiden aus ihrer Flugbahn von Hans-Arthur Marsiske Pasadena -  Am 16. März 2880, so viel lässt sich heute schon sagen, wird es spannend. Denn dann erreicht der Asteroid 1950 DA den Punkt der größten Nähe zur Erde. Und heute lässt sich noch nicht sagen, ob der Himmelskörper in einer Entfernung von sechs Millionen Kilometern an unserem Heimatplaneten vorbeirauscht. Oder ob der etwa einen Kilometer durchmessende Gesteinsbrocken mit einer Geschwindigkeit von 14,2 Kilometern pro Sekunde auf der Erde einschlägt und mit seiner Wucht eine globale Katastrophe verursacht. 1950 DA entstammt einem Gürtel von Tausenden Asteroiden, die normalerweise zwischen Mars und Jupiter ihre Bahnen um die Sonne ziehen. Ceres mit knapp 1000 Kilometer Durchmesser ist der größte unter ihnen, nach unten gibt es keine Größengrenze. Ab und zu schert einer der Kleinstplaneten aus und bewegt sich in Richtung des Zentralgestirns Sonne. Dabei passiert er die Bahn der Erde und kann dieser gefährlich nahe kommen. Eine genaue Vorhersage ist auf Grund einer Unbekannten aber nicht möglich. Die Astronomen wissen nicht, wie stark die Bahn des Asteroiden durch den so genannten Yarkovsky-Effekt beeinflusst wird. Damit wird die Beeinflussung der Umlaufbahn kleiner Himmelsobjekte durch die unregelmäßige Ein- und Abstrahlung von Sonnenlicht bezeichnet. Sonnenenergie, die das Objekt morgens aufnimmt, wird nachmittags als Wärmeenergie wieder abgestrahlt und wirkt wie ein extrem schwacher Raketenantrieb. Je nach Rotationsrichtung des Asteroiden wirkt die Kraft beschleunigend oder bremsend. Bei künstlichen Satelliten konnte dieser zunächst nur theoretisch hergeleitete Effekt bereits beobachtet werden. Für natürliche Objekte ist das erst jetzt gelungen. In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science" berichtet ein amerikanisch-tschechisches Forschungsteam unter Leitung von Steven R. Chesley von Beobachtungen des erdnahen Asteroiden 6489 Golevka, die im vergangenen Mai mit dem Radioteleskop in Arecibo durchgeführt wurden. Auf der Basis früherer Radarabtastungen hatten die Wissenschaftler vom Jet Propulsion Laboratory der Raumfahrtagentur Nasa im kalifornischen Pasadena den erwarteten Yarkovsky-Effekt modelliert und konnten damit die tatsächlich gemessene Position erheblich besser voraussagen als ohne dessen Berücksichtigung. Die Abweichung zur berechneten Bahn ohne Yarkovsky-Effekt lag bei etwa 15 Kilometern. Der Yarkovsky-Effekt hängt stark von der Wärmeleitfähigkeit und der Dichte der Asteroidenoberfläche ab. Seine Messung erschließt den Astronomen daher auch neue Möglichkeiten, die physische Beschaffenheit erdnaher Asteroiden von der Erde aus zu bestimmen. Vor allem aber für die präzise Vorhersage der Bahnen kleiner Asteroiden, schreiben die Autoren der Studie, wird der Effekt eine "entscheidende Komponente" werden. Artikel erschienen am 6. Dez 2003 Artikel drucken   © WELT.de 1995 - 2003