SPIEGEL ONLINE - 08. September 2003, 10:21
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Weltraum-Missionen
 
Metallspinnen auf dem Mars

Von Hans-Arthur Marsiske

Wenn alle Fahrzeuge auf dem Mars versagen, kommt "Toddler" zum Einsatz: Der spinnenartige Roboter klettert über Stock und Stein. So stellen sich Hamburger Studenten Forschung auf dem Mars vor und schafften es als einziges deutsches Team ins Finale eines Wettbewerbs der Weltraumorganisation Esa.

Mars-Schnappschuss: Unebenes Gelände
AP
GroßbildansichtMars-Schnappschuss: Unebenes Gelände
Ein Steinhaufen lässt die Marsforscher grübeln: Könnten die Farbschattierungen organischen Ursprungs sein, vielleicht sogar auf Leben hindeuten? Um die Steine genauer zu untersuchen, steuern die Wissenschaftler einen Rover dorthin. Doch schon deutlich vor dem Ziel geht es nicht mehr weiter, das Gelände ist für das radgetriebene Vehikel einfach zu uneben. Was nun?

Nach den Vorstellungen von sechs Studenten aus Hamburg und dem britischen Leicester könnte sich jetzt eine Klappe am Rover öffnen. Heraus krabbeln spinnenartige Roboter, überwinden mühelos die kantigen Steine, entnehmen an den gewünschten Stellen Proben und bringen sie zum Mutterfahrzeug zurück. Dort werden sie eingehend untersucht, während die Spinnenroboter ihre Batterien für weitere Einsätze aufladen.

Toddler-Entwurf: Im Finale
GroßbildansichtToddler-Entwurf: Im Finale
"Toddler" (The Observing Durable Dynamic Legged Exploration Robot) nennt sich das Konzept, das sich der Hamburger Physikstudent Wolf Behrenhoff und seine Mitstreiter ausgedacht haben. Damit haben sie es ins Finale eines europaweiten Wettbewerbs der europäischen Weltraumorganisation Esa geschafft und können ihren Toddler am Montag und Dienstag in Barcelona präsentieren.

Im Aurora-Programm arbeitet die Esa an einem langfristigen Plan zur Erkundung des Sonnensystems und rief Studenten aus Europa und Kanada auf, Ideen für Weltraummissionen zu entwickeln. Die Resonanz war beachtlich: Über 60 Teams skizzierten ihre Projekte; immerhin 39 davon gelang es, bis Ende Juli auch die geforderte 20-seitige Ausarbeitung einzureichen.

Beachtlicher Arbeitsaufwand

"Für einen europaweiten Wettbewerb dieser Art ist das eine hohe Beteiligung", sagt Piero Messina, Wettbewerbsleiter im Pariser Esa-Hauptquartier. Der Arbeitsaufwand könne durchaus dem einer Examensarbeit gleichkommen. Tatsächlich, so Messina, planen einige Teams, ihre Wettbewerbsbeiträge auch an ihren Universitäten als Diplomarbeiten einzureichen.

Von der Werkstatt in den Wettbewerb: Fertig wird der Roboter nicht mehr
GroßbildansichtVon der Werkstatt in den Wettbewerb: Fertig wird der Roboter nicht mehr
Die Chancen für gute Noten dürften dabei nicht schlecht stehen. Die Esa-Jury jedenfalls zeigte sich von der Qualität der Projekte sehr beeindruckt und tat sich schwer, in jeder der fünf Wettbewerbskategorien drei Teams fürs Finale auszuwählen. In der besonders umkämpften Kategorie "bemannte Missionen" musste die Zahl der Finalteilnehmer sogar auf fünf erhöht werden.

Zwar gab es keine kompletten Szenarien für Expeditionen zu anderen Planeten, aber sehr fundierte Ideen für einzelne Elemente: zum Beispiel eine Zentrifuge zur Erzeugung künstlicher Schwerkraft, Technologien zur Abwehr des aggressiven Marsstaubs oder das Konzept einer permanent bemannten Raumstation im Marsorbit.

Wettbewerb nur durch Glück entdeckt

Beim Finale in Barcelona haben nun 17 Studententeams jeweils 20 Minuten Zeit, um das Fachpublikum in einer mündlichen Präsentation von ihrem Konzept zu überzeugen. Wolf Behrenhoffs Team ist froh, wenn es bis dahin gelingt, ein Bein ihres Roboters zum reibungslosen Funktionieren zu bringen. "Den kompletten Roboter kriegen wir nicht mehr rechtzeitig fertig", sagt Behrenhoff. Dass sie überhaupt einen Prototyp bauen können, verdanken sie dem Sponsor Airbus. Das Unternehmen war von der Idee der Studenten so angetan, dass es ihnen bei der Beschaffung der Bauteile hilft.

Testmodell: Wenigstens ein Bein soll funktionieren
GroßbildansichtTestmodell: Wenigstens ein Bein soll funktionieren
Möglicherweise bringt die Einbindung eines Sponsors auch im Finale Pluspunkte. Wettbewerbsleiter Messina findet diesen Aspekt jedenfalls ebenso bemerkenswert wie die internationale Kooperation verschiedener Universitäten im Toddler-Team. "Wir haben in der Ausschreibung des Wettbewerbs die Studenten ausdrücklich zu solchen Kooperationen ermutigt", sagt er.

Die kam in diesem Fall allerdings durch einen Glücksfall zustande: Behrenhoffs Schulfreund Daniel Brand studiert an der University of Leicester, ein Professor machte ihn auf den Wettbewerb aufmerksam. "Hier in Deutschland", so Behrenhoff, "hätten wir überhaupt nichts davon erfahren."
 


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Im Internet:   
· Toddler-Homepage
http://www.hagenbeck.uni-hamburg.de/~wolf/physik/aurora/content_00_News_.php
· Aurora-Homepage
http://www.esa.int/export/SPECIALS/Aurora/