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URL: http://www.welt.de/wissenschaft/article1439767/Welche_Sprache_sprechen_Ausserirdische.html
9. Dezember 2007, 12:49 Uhr
Von Hans-Arthur Marsiske
Kommunikation

Welche Sprache sprechen Außerirdische?

Seitdem es Science-Fiction gibt, warten Menschen auf den ersten Kontakt mit Aliens. In den USA versuchen Wissenschaftler, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. WELT ONLINE traf Douglas Vakoch vom Seti-Institut, um mit ihm über die Kommunikation quer durchs All zu sprechen.
So einfach ist die Kommunikation mit Aliens leider nicht. Zumindest noch nicht.
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UMFRAGE
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Glauben Sie an die Existenz außerirdischer Wesen?
Der amerikanische Forscher Douglas Vakoch beschreibt Methoden zur Kommunikation mit Außerirdischen. Sollte es im All intelligentes Leben gibt, macht es sich durch elektromagnetische Signale bemerkbar: Unter dieser Prämisse wurde 1984 das Seti-Institut („Search for Extraterrestrial Intelligence“) in Mountain View bei San Francisco gegründet. Seit wenigen Wochen ist auch das hauseigene „Allen Telescope Array“ in Betrieb. Es ist das erste Observatorium, das einzig dafür gebaut wurde, um Signale extraterrestrischer Intelligenzen zu finden.
Hier ist Douglas Vakoch als Religionswissenschaftler, Historiker, Wissenschaftsphilosoph und Psychologe ein Exot. Die Sichtweise seiner naturwissenschaftlich orientierten Kollegen ergänzt er um philosophische und kommunikationstheoretische Aspekte.
WELT ONLINE: Herr Vakoch, Ihnen fehlt bislang ein klarer Adressat für Ihre Botschaften. Wie sieht da Ihr Arbeitsalltag aus?
Douglas Vakoch: Der größte Teil meiner Aktivitäten besteht darin, andere Menschen einzubeziehen. Ich möchte, dass wir ernsthafter darüber nachdenken, was passiert, wenn wir Leben außerhalb der Erde entdecken. Was sollen wir tun, wenn wir ein Signal einer intelligenten Spezies empfangen? Sollen wir antworten? Wer soll über den Inhalt der Antwort entscheiden? Um Hypothesen formulieren zu können, ist auch die Suche nach geeigneten Analogien zu interstellarer Kommunikation wichtig.
Vakoch: Die Übermittlung von Informationen über mehrere Generationen. Im interstellaren Dialog können zwischen Frage und Antwort mehrere hundert oder tausend Jahre liegen. Wenn wir Schriften Platons lesen, empfangen wir Botschaften, die ähnlich lang zu uns unterwegs waren. Diese Erfahrungen könnten sich als hilfreich erweisen. Oder nehmen Sie die Entschlüsselung der ägyptischen Hieroglyphen: Es schien offensichtlich, dass jedes dieser Zeichen für ein Konzept stand. Erst nachdem Jean-François Champollion nachwies, dass es phonetische Zeichen gibt, die für Laute stehen, gelang der Durchbruch. Das mahnt uns, bei der Entschlüsselung einer Botschaft aus dem All genau auf unsere ersten, spontanen Annahmen zu achten und sie immer wieder in Frage zu stellen. Gerade die frühen Interpretationen werden mehr über uns aussagen als über die Sender der Nachricht. Es ist wie ein kosmischer Rorschach-Test.
WELT ONLINE: Wie kann man mit Zivilisationen kommunizieren, die sich vermutlich komplett anders entwickelt haben?
Vakoch: Für die Entwicklung einer interstellaren Sprache müssen wir etwas finden, das wir mit unseren potenziellen Gesprächspartnern gemeinsam haben. Das ist auf jeden Fall die Kommunikationstechnologie. Damit zwei Zivilisationen überhaupt in Kontakt treten können, müssen beide die Modulation von Radiosignalen beherrschen. Die Entwicklung einer solchen Technologie ohne Mathematik und Wissenschaft ist kaum vorstellbar. Hier liegen die Ansatzpunkte für die Kodierung einer interstellaren Botschaft.
Welt Online: Ist die Mathematik universell?
Vakoch: Selbst wenn die grundlegende Idee von Mathematik im gesamten Universum verbreitet sein sollte, könnten sich daraus unterschiedliche Systeme entwickelt haben, die nicht ohne weiteres ineinander übersetzbar sind. Damit stellt sich die Frage nach den universellen Grundlagen der Mathematik. Falls die Vorliebe fürs Rechnen eine menschliche Eigenart sein sollte, könnte sie aber trotzdem als Grundlage der Verständigung dienen, sofern wir einer fremden Zivilisation unsere Mathematik beibringen können. Möglicherweise ist das Zählen bei allen intelligenten Spezies üblich, dann könnten wir daran anknüpfen.
WELT ONLINE: Rhythmus könnte eine noch grundlegendere Form sein, in der Zahlenverhältnisse erfahren werden. In Gestalt von kreisenden Planeten sind Rhythmen verbreitet.
Vakoch: Rhythmus ist ein großartiges Beispiel für Muster, von denen wir annehmen können, dass sie universell sind. Das Schöne am Rhythmus oder an Musik allgemein ist zudem, dass sich damit nicht nur Zahlenverhältnisse ausdrücken lassen, sondern auch unser ästhetisches Empfinden. Ich wäre dafür, Nachrichten zu senden, die nach dem Beispiel der Musik modelliert sind. Wenn wir Bilder übermitteln wollten, müssten die Empfänger wissen, wie sie diese Bilder aus den Signalen rekonstruieren sollen.
WELT ONLINE: Dafür wurden Primzahlkodierungen vorgeschlagen. Eine hoch entwickelte Zivilisation könnte eine wiederholte Zahl von Signalen als Primzahlprodukt erkennen und die Signalfolge grafisch abbilden.
Vakoch: Es ist ein vernünftiger Ansatz, aber ohne Garantie, dass er von den Adressaten tatsächlich mühelos verstanden würde. Andere frühere Botschaften haben ein Konzept von Unendlichkeit zugrunde gelegt. Dagegen wurde eingewandt, dass außerirdische Mathematik möglicherweise mit einem endlichen Vorrat an Zahlen die für die Übermittlung von Radiobotschaften erforderliche Technologie schaffen könnte. Die Idee der Unendlichkeit, die ein so offensichtlicher Bestandteil unserer Mathematik ist, muss diese Bedeutung nicht überall im Universum haben.
WELT ONLINE: Es gibt Versuche, mit Walen musikalisch zu kommunizieren, um deren Gefühlswelt zu verstehen. Lässt sich daraus etwas lernen?
Vakoch: In gewisser Weise sind Wale Außerirdische, denn sie leben im Ozean. Sie bieten einen Ausgangspunkt, um über unsere menschlichen Konzepte von Kommunikation hinaus zu denken. Nehmen Sie unsere Vorstellung von Zeit und Raum: In unserem Alltag haben beide für uns eine klar definierte Bedeutung. Das hängt wesentlich mit unseren Sinnen zusammen. Wir orientieren uns vornehmlich über unsere Augen und Ohren, die es erlauben, Objekte räumlich und zeitlich zu lokalisieren. Würden wir uns stärker auf andere Sinne stützen, etwa den Geruch, wäre unser Verständnis von Zeit und Raum wahrscheinlich völlig anders. Wir könnten auch eine ganz andere Mathematik entwickelt haben, die stärker mit Wahrscheinlichkeiten als exakten Zahlenwerten arbeitet.
WELT ONLINE: Wird der intelligente Ursprung von Signalen aus dem All ohne jeden Zweifel erkannt werden?
Vakoch: Ich wäre schockiert, wenn wir eine Nachricht empfangen würden, die als Serie von Primzahlen oder als einfach zu dekodierendes Bild zu uns käme. Wonach wir bei Seti suchen ist ein extrem schmalbandiges Signal, das nur auf einem Punkt der Radioskala zu empfangen ist. Das könnte ein Hinweis auf einen künstlichen Ursprung sein.
WELT ONLINE: Welches war für Sie das bislang vielversprechendste Signal?
Vakoch: Ich glaube, es hat noch keins gegeben. Manche verweisen auf das „Wow!-Signal“, ein wirklich ungewöhnliches Signal. Ein Wissenschaftler markierte die Stelle auf dem Ausdruck mit „WOW!“, es wurde aber eben nur einmal beobachtet. Wir empfangen ständig interessante Signale, die sich bei näherer Prüfung als irdisch erweisen. Ein einmaliges Signal sagt daher nichts aus. Wir müssen auch ausschließen, dass sich jemand in unser Computersystem gehackt hat.
WELT ONLINE: Können wir Aliens eine freundliche Gesinnung unterstellen?
Vakoch: Wenn wir uns die Evolution von Intelligenz auf der Erde ansehen, so hat sie sich zu weiten Teilen in Jäger-Beute-Beziehungen entwickelt. Es mag evolutionäre Prozesse geben, bei denen die Entwicklung von Intelligenz an Aggression geknüpft ist. In meinen eigenen Forschungen habe ich mich mit der Frage beschäftigt, ob Altruismus universell ist. Es gibt biologische Modelle, die zeigen, dass Altruismus innerhalb der Evolution konkurrenzfähig ist. Aber wir können keinen auf Verwandtschaftsbeziehungen beruhenden Altruismus erwarten.
WELT ONLINE: Könnten uns Außerirdische gefährlich werden, wenn wir lediglich Radiokontakt haben?
Vakoch: Eine mögliche Gefahr hat der australische Astronom Ray Norris beschrieben: Die Entdeckung einer weit fortgeschrittenen Zivilisation könnte auch ohne negative Intentionen demoralisierend auf uns wirken, weil alle wissenschaftlichen Rätsel von den anderen schon gelöst worden wären. Ich mache mir aber deswegen keine großen Sorgen, weil ich davon ausgehe, dass jede Spezies ihren speziellen Zugang zur Realität hat, der den kulturellen Austausch immer interessant machen wird.
WELT ONLINE: Können wir uns auf Kontakte mit Außerirdischen vorbereiten?
Vakoch: Das Wichtigste wäre, sich sehr genau zu überlegen, was wir über uns selbst mitteilen wollen. Und es ist ratsam, das zu tun, bevor ein Kontakt zustande gekommen ist. Denn jetzt können wir uns noch auf eine breite Diskussion einlassen. Die Botschaften, die den Pioneer-Sonden mitgegeben wurden, hatten den positiven Effekt, uns zum Nachdenken darüber zu zwingen, wie wir uns darstellen. Es gab Diskussionen, ob wir die Abbildung eines Atompilzes hinzufügen sollten, um zu zeigen, dass wir fähig sind, uns selbst zu vernichten. Aber wir wollten nicht riskieren, dass dies als Bedrohung verstanden wird.
WELT ONLINE: Hoffen Sie auf einen Rat für eine bessere Gesellschaft aus dem All?
Vakoch: Nein. Wir verfügen bereits über viel Weisheit hier auf der Erde. Wenn wir unsere Welt verbessern wollen, müssen wir besser auf uns selbst hören. Gleichwohl denke ich, dass wir durch den Versuch, mit anderen Zivilisationen zu kommunizieren, bessere Menschen werden können, weil wir uns mit unseren tiefsten Werten auseinandersetzen müssen. Es ist manchmal die Rede von der Angst, nicht mehr die einzige intelligente Spezies im All zu sein, aber die teile ich nicht. Das Gefühl für unsere Einzigartigkeit kann sich gerade im Austausch mit anderen Zivilisationen entwickeln.
 
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woodyspruce meint:
10.12.2007, 22:17 Uhr
@manok
"Eigentlich noch Primaten"
Wieso "noch"?
Primaten=Herrentiere, von lat. Primus=der Erste.
Also stellen Primaten die höchste Stufe dar.
Und wieso "Eigentlich"? Laut Biologie sind Menschen und (andere) Menschenaffen Primaten, nicht nur eigentlich.
Nanu meint:
10.12.2007, 11:56 Uhr
Es ist auch moeglich das wir uns wie eine Zivilisation auf einer Insel verhalten das immer groessere und lautere Trommeln verwenden um mit moegliche Fremde zu kommunizieren. Waerenddessen kreuzen Radiowellen unsere Koerper.
Tom meint:
10.12.2007, 10:05 Uhr
THOMMY hat wohl recht.

Ganz abgesehen davon, dass ich dest davon überzeugt bin, dass es dort draußen weiteres Leben gibt, glaube ich nicht, dass die Zivilisationen untereinander jemals in Kontakt miteinander treten werden.

Raum- und Zeitdistanz sind einfach zu groß. Und vielleicht ist das auch gut so...
thommy meint:
10.12.2007, 09:01 Uhr
Das Problem ist doch wohl die Zeitdistanz.Wir können doch von Glück sagen noch Leute zu kennen,die das große Diskettenlaufwerk (5,25 ")gesehen haben.Seine Markteinführung war 1978.
Wenn wir heute Signale aussenden erreichen die vielleicht in 25000 Jahren vielleicht auch erst in 2 Mio. Jahren irgendwelche Intelligenzien.Die müssen genau zu diesem Zeitpunkt in der Lage sein unsere vor entsprechender Zeit ausgesandten Signale zu entschlüsseln.Das ist schon fast ausgeschlossen genau den Entwicklungsstand einer außerirdischen Zivilisation zu treffen.Das wir aber nach entsprechend 50000 bzw. vielleicht 4 Mio jahren noch in der Lage sind, entweder unsere vor Äonen angewandte Technik selbst entschlüsseln zu können, oder zufälligerweise dann die Kommunikationstechnik anderer Zivilisationen lesen zu können halte ich für praktisch ausgeschlossen.
Schade eigentlich
Manok meint:
10.12.2007, 07:30 Uhr
Könnten wir das Universum mit einem Blick erfassen
würden die Menschheit vor Erfurcht in den Boden versinken.

Es gibt 5 Stufen der Intelligenz im Kosmos, ihr Menschen seit auf der 2 Stufe angelangt.

Eigentlich noch Primaten.

Nokus nabum setlar.
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