Unschlagbare Vierbeiner

Roboter-WM: Beim RoboCup in Osaka verteidigte das "German Team" seinen Titel. Ğber alle Disziplinen waren insgesamt 330 Teams am Start - ein Rekord.

Von Hans-Arthur Marsiske

Die ÑAibosì, vierbeinige Fuşball-Roboter, zeigten vollen Einsatz beim Kampf um den Ball.

Die ÑAibosì, vierbeinige Fuşball-Roboter, zeigten vollen Einsatz beim Kampf um den Ball. Foto: RTR

Das letzte St¸ck zum RoboCup in Osaka fahren Teilnehmer und Besucher ganz stilecht mit einem Roboter. Zwischen den U-Bahn-Haltestellen Cosmosquare und Nakafuto verkehren vollautomatische, fahrerlose Z¸ge, die zentimetergenau an den Bahnsteigen halten. So sind die Fahrg”ste schon ein wenig auf die Welt der Robotik eingestimmt, wenn sie das Messegel”nde Intex betreten, wo in diesem Jahr die neunte RoboCup-Weltmeisterschaft im Roboterfuşball ausgetragen wird. Insgesamt 182 000 Zuschauer haben die Organisatoren der f¸nft”gigen Veranstaltung gez”hlt, die am Sonntag zu Ende gegangen ist, ein neuer Rekord.

Auch die Zahl der Aktiven war hoch wie nie: Mehr als 1700 Teilnehmer in 330 Teams aus 31 L”ndern sind nach Osaka gekommen, um ihre Roboter und Computerprogramme miteinander zu messen. Damit etabliert sich der RoboCup mehr und mehr als der wichtigste Roboterwettbewerb der Welt.

Die wohl rasanteste Entwicklung findet beim RoboCup gegenw”rtig bei den humanoiden, zweibeinigen Robotern statt. 20 Teams hatten sich f¸r die Humanoid League angemeldet, darunter erstmals eins aus Thailand. Und sogar beim Tanzwettbewerb der Junioren beeindruckte ein Sch¸lerteam aus China das Publikum mit einem selbst gebauten, erstaunlich beweglichen humanoiden Roboter.

Diese Technologie ist keine Dom”ne teuer ausgestatteter Hightech-Labors mehr. Hier ist eine Evolution in Gang gekommen, die in den n”chsten Jahren f¸r manche Ğberraschung sorgen d¸rfte. Einen bemerkenswerten Erfolg feierte das Team NimbRo aus Freiburg, das es mit seinen beiden knapp 60 Zentimetern groşen Robotern Jupp und Sepp bei den erstmals veranstalteten Teamspielen (zwei gegen zwei) auf Anhieb ins Finale schaffte. Dort trafen sie auf den haushohen Favoriten Vision Nexta vom Team Osaka.

Vision Nexta ist ein knapp 48 Zentimeter groşer humanoider Roboter mit ausgefeiltem Design und ¸berragenden motorischen F”higkeiten. Ausgestattet mit Rundumsicht ist er offenbar in der Lage, nicht nur Ball und Tore, sondern auch den Gegner zu erkennen. Im Halbfinalspiel gegen das Team Rope aus Singapur st¸tzte sich der Roboter einmal mit den Armen auf den Boden und kickte mit einer Art Gr”tsche den Ball von den F¸şen des Gegners weg. Gegen einen solchen Gegner konnten die Freiburger nicht erwarten zu gewinnen. Aber die von einem Pocket-PC und einer Flash-Kamera gesteuerten Roboter machten es Vision Nexta ganz sch–n schwer und waren trotz einer Bildverarbeitungsrate von nur zwei bis drei Bildern pro Sekunde meist genauso schnell am Ball. Nach h”ufig vorkommenden St¸rzen richteten sie sich rasch wieder auf und trafen sogar einmal das gegnerische Tor. Das Team Osaka schoş zwei Tore und wurde wie erwartet Weltmeister.

Die Spiele der Humanoiden erinnerten ein wenig an die tapsigen Bewegungen der vierbeinigen Aibos bei ihren ersten RoboCup-Begegnungen vor einigen Jahren. Insofern lassen die Vierbeiner ahnen, was von den Zweibeinern in der nahen Zukunft zu erwarten ist. Im Endspiel der Aibos lieferte sich der Titelverteidiger German Team (ein gemeinsames Team der Universit”ten Bremen, Darmstadt, Dortmund und Humboldt-Universit”t) ein ungemein rasantes Match mit den NUBots aus dem australischen Newcastle, das erst durch einen Elfmeterkrimi entschieden werden konnte.

Alles hing vom letzten Strafstoş der Australier ab. Eine Minute hatte der Angreifer Zeit, den Ball ins Tor zu bringen, der nach der Abwehr durch den Torwart in die andere H”lfte gerollt war. Der Roboter der NUBots gewann das Duell, kickte aufs Tor. Der Ball rollte parallel zur Torlinie dicht vor dem Tor entlang - und ging ins Aus.

Die Anspannung beim GermanTeam und beim Publikum entlud sich in lautem Jubel. Die Zahl der Zweifler am langfristigen Ziel des RoboCup, den Gewinn der Fuşballweltmeisterschaft durch humanoide Roboter bis zum Jahr 2050, d¸rfte nach dieser WM wieder etwas geringer geworden sein.

erschienen am 19. Juli 2005

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