[Hamburger Abendblatt] [Image] [Image] [Image] [Image] [Image] [Image] [Image] Aus aller Welt Rendezvous mit dem Titan Raumsonde "Cassini" fliegt hautnah am größten Mond des Saturns vorbei Von Hans-Arthur Marsiske [Landung auf dem Saturnmond Titan: Die Grafik zeigt die Raumsonde "Cassini" (r.) und Tochterschiff "Huygens", das am Fallschirm zu Boden gleitet]Berlin Landung auf dem Saturnmond Titan: Die Grafik zeigt die Raumsonde "Cassini" (r.) und Tochterschiff "Huygens", das am Fallschirm zu Boden gleitet - Foto: dpa Fast 350 Jahre hat dieser Himmelskörper seine Geheimnisse hinter einer dichten Gashülle vor den Blicken der Menschen bewahrt. Seit der niederländische Astronom Christiaan Huygens 1656 mit einem sieben Meter langen Fernrohr den Saturnmond Titan entdeckt hat, rätselten die Himmelskundler, wie seine Oberfläche beschaffen sein mag. Jetzt ist erstmals eine Sonde in einer Entfernung von nur 1200 Kilometern an dem zweitgrößten Mond des Sonnensystems vorbeigeflogen - und bei einem Tempo von 21 600 km/h sendete die europäisch-amerikanische Doppelsonde "Cassini-Huygens" erste Bilder zur Erde. Der Titan ist für die Planetenforscher von besonderem Interesse, weil er als einziger Mond im Sonnensystem eine dichte Atmosphäre besitzt. Sie ist zudem neben der Erdatmosphäre die einzige, deren Hauptbestandteil Stickstoff ist. Daneben finden sich größere Mengen an Methan und anderen, teilweise komplexen Kohlenwasserstoffen. Nach Auffassung vieler Wissenschaftler entspricht diese atmosphärische Mixtur derjenigen, die auf der Erde herrschte, bevor hier das Leben entstand. Das macht Titan zu einem außergewöhnlichen Labor zur Erforschung der erdgeschichtlichen Frühzeit. Die von "Cassini" geschossenen Fotos sind nur der Auftakt zu einer noch aufregenderen Mission: Die bei dem Vorbeiflug gewonnenen Daten dienen auch der Feinjustierung für den Abwurf der nach dem Titan-Entdecker benannten Sonde "Huygens" auf den Saturnmond. Am 25. Dezember soll sie sich vom Mutterschiff "Cassini" (benannt nach Huygens Zeitgenossen, dem französischen Astronom Giovanni Cassini) lösen und am 14. Januar an einem Fallschirm durch die Titan-Atmosphäre herabsinken. ESA-Experte Michael Khan aus Darmstadt: "Noch ist unklar, ob sich am angepeilten Landeplatz ein Meer, Gebirge oder eine Ebene befinden." Möglicherweise erleben wir auch den ersten außerirdischen Regenschauer, wenn flüssiges Methan in dicken Tropfen auf die Sonde prasselt. Vielleicht übertragen die Mikrofone den Gewitterdonner einer fremden Welt. Und auch eine andere Frage, die die an "Huygens" beteiligten Wissenschaftler seit Beginn der Mission beschäftigt, könnte dann endlich geklärt sein: Wird die Sonde mit einem Krachen auf eine feste Oberfläche auftreffen oder mit einem "Platsch" in einen Methan-Ozean einsinken? "Zusammen mit den Kamerabildern, Temperatur- und Druckprofilen sowie den Höhendaten wird dieser Soundtrack einen faszinierenden Blick auf die Details des Abstiegs der Sonde ermöglichen", sagt Marcello Fulchignoni von der Pariser Universität Denis Diderot. "Wir werden hart daran arbeiten, die Stimme von ,Huygens' so bald wie möglich der Öffentlichkeit zu präsentieren." erschienen am 27. Oktober 2004 in Aus aller Welt [Image] zurück weitere Artikel zum Thema: Heute Nacht, 3.14 Uhr: der Mond wird rot vom 27. Oktober 2004 (Aus aller Welt)