So sieht die Suche nach Leben aus
Raumfahrt: Roboter aus den USA und Europa erforschen den Nachbarplaneten. Jetzt gibt es Belege f¸r Wasser - Puzzlest¸cke f¸r die Wissenschaft.
Von Hans-Arthur Marsiske
Die Hoffnung auf den ganz groþen Fund ist immer da. Eine eindeutig erkennbare Mikrobe auf der Mikroskopaufnahme eines Marsrovers, eine versteinerte Lebensform oder organische Materie als offensichtliches Abfallprodukt biologischer Prozesse - das w”re nicht nur f¸r die beteiligten Wissenschaftler ein Grund zum Jubeln.
Heiþt das umgekehrt, dass die laufenden Marsmissionen beim Ausbleiben solcher spektakul”ren Entdeckungen gescheitert w”ren? Nein, denn die gezielte Suche nach Lebensspuren ist gar nicht die Aufgabe der Weltraumroboter, die jetzt den Roten Planeten umkreisen oder ¸ber seine Oberfl”che fahren. Sie sollen vielmehr Mosaiksteine liefern zu dem groþen Puzzle, das die Urspr¸nge, die Entwicklung und die Zukunft des Lebens beschreibt.
Als wichtige, wenn nicht gar notwendige Voraussetzung f¸r die Entstehung von Leben gilt das Vorhandensein von Wasser. Die Rover der amerikanischen Weltraumbeh–rde NASA sind daher gezielt in Regionen abgesetzt worden, die Hinweise auf die Einwirkung fl¸ssigen Wassers zeigen. "Durch eine umfangreiche Instrumentierung der Rover soll bei einer Fahrtstrecke von maximal einigen Kilometern die Geologie und Mineralogie von Oberfl”chenmaterialien und Steinen charakterisiert werden, um die genaueren Umst”nde der Wechselwirkung des Gel”ndes mit Wasser zu untersuchen", sagt Lutz Richter vom Deutschen Zentrum f¸r Luft- und Raumfahrt (DLR), Mitglied im etwa 50-k–pfigen Wissenschaftlerteam der Mars-Rover.
Der US-Rover "Opportunity" hat bereits eine Felsformation fotografiert, deren Gesteinsschichten die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler erregt, weil solche Ablagerungen auf der Erde h”ufig durch Wasser angesp¸lt werden. Der Roboter "Spirit" hat einen Felsen angebohrt und damit Raumfahrtgeschichte geschrieben. Das Loch von 4,55 Zentimeter Durchmesser ist gerade einmal 2,65 Millimeter tief. Es war das erste Mal, dass auf dem Mars Gestein angebohrt wurde. "Opportunity" soll auch den rostfarbenen Boden unter seinen sechs R”dern untersuchen: Die Farbe deutet auf Roteisenerz (H”matit) hin - ein Mineral, das typischerweise in Gew”ssern entsteht.
Zwar hat die europ”ische Sonde "Mars-Express", die seit Weihnachten den Nachbarplaneten in knapp 300 Kilometer H–he umkreist und mit hochaufl–senden Spezialkameras fotografiert, bereits die Existenz von Wasser am S¸dpol nachgewiesen und damit fr¸here Daten der NASA-Sonde "Odyssey" erh”rtet. Doch dieses Wasser liegt in Form von Eis vor, viele Landschaftsformationen dagegen lassen vermuten, dass dort Wasser geflossen ist. Fl¸ssiges Wasser aber k–nnte bei dem geringen atmosph”rischen Druck auf dem Mars eigentlich gar nicht dauerhaft existieren, sondern m¸sste sofort verdampfen. Hier besteht also Kl”rungsbedarf. Die Geschichte des Wassers auf dem Mars wiederum d¸rfte neue Erkenntnisse ¸ber die Geschichte des Lebens erm–glichen - ob auf dem Planeten selbst nun Leben gefunden wird oder nicht.
Vor einer Verengung der Forschungsperspektive auf die ausschlieþliche Suche nach auþerirdischem Leben warnten schon vor zwei Jahren die Weltraumforscher Michael J. Drake von der University of Arizona und Bruce Jakosky, University of Colorado in Boulder. "Ja, wir m–chten wissen, ob wir allein im Universum sind", schrieben sie in einem Essay f¸r die Zeitschrift "Nature". "Aber daf¸r m¸ssen wir wissen, wie sich Planetensysteme formen, wie sich Planeten entwickeln, wie sie im Innern aussehen, wann und wie sich Ozeane und Atmosph”ren bilden, und wie und warum es zu lebensf–rdernden Umgebungen kommt." Sie pl”dierten daf¸r, auch die Venus, den anderen Nachbarplaneten der Erde, intensiver zu untersuchen. "Was", fragten sie, "k–nnte wichtiger sein als die Antwort auf die Frage, warum die der Erde ”hnliche Venus so unbewohnbar ist?"
Die Mahnungen hatten Erfolg: Im November 2005 will die ESA die Sonde "Venus-Express" starten, die den Planeten umkreisen und die Atmosph”re untersuchen soll. Vielleicht verstehen wir so besser, wie sich auf der Venus ein Treibhauseffekt mit Temperaturen von 470 Grad Celsius entwickeln konnte - Erkenntnisse, die f¸r die Zukunft des Lebens auf der Erde von Bedeutung sein k–nnen.
Andere Missionen versuchen, das Puzzle des Lebens durch den Blick in die Vergangenheit zu vervollst”ndigen. Im Januar 2005 soll die ESA-Sonde "Huygens" am Fallschirm auf den Saturnmond Titan herabsinken und Daten ¸ber dessen Atmosph”re senden. Dies k–nnte Aufschluss ¸ber die Entstehung des Lebens auf der Erde geben, da die Titan-Atmosph”re vermutlich ”hnlich zusammengesetzt ist wie die der jungen Erde, bevor sich hier Leben entwickelte. Auch wenn jede einzelne Mission nur ein Steinchen im groþen Lebenspuzzle ist: Die Hoffnung auf den einen, alles entscheidenden Fund bleibt.
Informationen im Internet:
www.dlr.de/mars-express/
http://marsrovers.jpl.nasa.gov/
erschienen am 11. Feb 2004
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