Staub Sammeln im All Hans-Arthur Marsiske 31.12.2003 Die US-Sonde "Stardust" erreicht ihr Ziel: den Kometen Wild-2 Der Raumfahrt steht mit 2004 ein ereignisreiches Jahr bevor. Am 3. und 24. Januar wird die Landung der Nasa-Rover [1] Spirit und Opportunity auf dem Mars erwartet. Am 1. Juli soll die Sonde Cassini [2] nach fast siebenjähriger Reise den Saturnorbit erreichen, von wo aus sie den europäischen Lander Huygens [3] auf dem Mond Titan absetzen soll. Als erstes steht aber am 2. Januar die Begegnung der Stardust-Sonde [4] mit dem Kometen Wild-2 bevor. [Image] Stardust im Anflug auf Wild-2. Bild: Nasa In einer Entfernung von nur 150 Kilometern soll die am 7. Februar 1999 gestartete Nasa-Sonde gegen 20:18 Uhr deutscher Zeit den Kern des Kometen passieren. Das ist ungefähr ein Viertel des Abstandes, den die europäische Sonde Giotto [5] - die erste Kometensonde überhaupt - im Jahr 1986 zum Kometen Halley eingehalten hat. Vor allem aber wird Stardusts relative Geschwindigkeit zu Wild-2 mit 6,2 Kilometern pro Sekunde nur etwa ein Zehntel von der Giottos betragen. Der langsamere Vorbeiflug lässt zum einen auf schärfere Bilder des Kometenkerns hoffen. Noch wichtiger aber ist, dass sich dadurch die Chancen erhöhen, Materie aus dessen Gas- und Staubhülle weitgehend unbeschädigt einsammeln zu können. Denn Stardust soll diese Staubproben nicht nur wie Giotto vor Ort automatisch analysieren, sondern auch zur Erde zurück transportieren. Auf dem Weg zum Kometen hat Stardust auch schon Proben interstellaren Staubs gesammelt. Wenn alles gut geht, könnte die Kapsel mit diesen Staubproben am frühen Morgen des 15. Januar 2006 in einem Wüstengebiet südwestlich von Salt Lake City am Fallschirm herab schweben. Erstmals hätten Wissenschaftler dann die Möglichkeit, Kometenmaterie nicht nur per Fernerkundung, sondern mit den leistungsfähigsten verfügbaren Analyseinstrumenten zu untersuchen. Die Forscher erhoffen sich davon nicht nur neue Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems, sondern auch über die Entstehung des Lebens. Kometen gelten als kosmische Tiefkühltruhen, in denen die Ur-Materie des Sonnensystems weitgehend unverändert erhalten geblieben ist. Neben ungefähr 90 Prozent Wasser bestehen sie aus einer Vielzahl organischer Verbindungen, die als Grundbausteine des Lebens fungiert haben könnten. Manche Wissenschaftler, wie der britische Astronom Chandra Wickramasinghe, erwarten sogar, auf Kometen mikrobielles Leben zu finden ( Lebendige Bakterien im Weltall). [Image] Comet 81P/Wild 2. Foto: K. Meech, 17.12.1990, an der IFA University of Hawaii Zunächst aber muss Stardust der Vorbeiflug an Wild-2 gelingen. Das ist alles andere als Routine. Man könne es sich wie eine Fahrt durch eine unbekannte Gegend im dichten Nebel vorstellen, bei der die verschwommen sichtbaren Rücklichter eines weiter vorne fahrenden Fahrzeugs die einzige Orientierung bieten, sagt Shyam Bhaskaran, der sich beim Jet Propulsion Laboratory der Nasa um die Navigation der Sonde kümmert: Beim Mars und anderen Planeten wissen wir recht gut, wo sie sind. Bei Kometen ist das anders. Sie sind nicht so leicht zu beobachten, weil es sich um kleine Objekte handelt, aus denen Gas austritt. Ihre Bahnen sind sehr viel schwieriger vorherzusehen. Aus diesem Grund wurden in der Schlussphase der Annäherung an Wild-2 die Bilder der Bordkamera in immer kürzeren Abständen zur Erde übermittelt, um Kurskorrekturen vornehmen zu können. Zehn Tage vor dem Rendezvous wurde die Rate von etwa zwei Bildern pro Woche auf drei Bilder täglich erhöht, in den letzten 72 Stunden sogar auf ein Bild pro Stunde. Für den Fall, dass es mit dem Rücktransport der Staubproben nicht klappt, hat Stardust den aus Deutschland stammenden Staubanalysator CIDA [6] an Bord, der bereits auf Giotto mit geflogen ist und die Teilchen vor Ort untersucht. Die ersten von Stardust gefangenen und von CIDA analysierten interstellaren Staubpartikel hatten ergeben, dass sie aus teerähnlichen Molekülen bestehen, die für den Start des Lebens auf der Erde oder möglicherweise auch auf anderen Planeten eine entscheidende Rolle gespielt haben können ( Organische Riesenmoleküle im Weltraumstaub gefunden). Und falls sich zeigen sollte, dass die Staubteilchen noch nicht aussagekräftig genug oder vielleicht durch Strahlungseinwirkung schon zu stark verändert sind, um noch als "Urmaterie" gelten zu können, steht die nächste Kometenmission schon bereit: Am 26. Februar soll endlich die bereits einmal verschobene europäische Mission Rosetta [7] starten, um den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko bei seiner Annäherung an die Sonne ab August 2014 für 16 Monate zu begleiten und einen Lander auf seiner Oberfläche abzusetzen. Dieses Landegerät ist mit einem Bohrer ausgestattet, der Proben aus einer Tiefe bis zu 20 Zentimetern entnehmen kann. Links [1] http://marsrovers.jpl.nasa.gov/home/index.html [2] http://saturn.jpl.nasa.gov/index.cfm [3] http://sci.esa.int/science-e/www/area/index.cfm?fareaid=12 [4] http://stardust.jpl.nasa.gov/index.html [5] http://sci.esa.int/science-e/www/area/index.cfm?fareaid=15 [6] http://www.vh-s.de/projects/cida-stardust/press/cida-031225-de.html [7] http://sci.esa.int/science-e/www/area/index.cfm?fareaid=13 Telepolis Artikel-URL: http://www.telepolis.de/deutsch/special/raum/16427/1.html ------------------------------------------------------------------------ Copyright © 1996-2003. All Rights Reserved. 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