Hamburger Abendblatt


Wissenschaft

Rekord mit der Sonne
Energie: Ein neuer Antrieb für den Sieg beim Formel-1-Rennen der Solarfahrzeuge. Die Idee kommt aus Wedel.

Von Hans-Arthur Marsiske

Es ist das leiseste Autorennen der Welt. Wenn am 18. Oktober das Startsignal ertönt, wird kein Motorengeheul antworten. Mit leisem Summen und verhaltener Beschleunigung setzen sich die Fahrzeuge in Bewegung, um 3010 Kilometer quer durch Australien zu bewältigen. Denn an der WorldSolar Challenge dürfen nur Autos teilnehmen, die ausschließlich mit Sonnenenergie fahren. Deutsche Teams hatten bisher eher mittelmäßig abgeschnitten. Das soll sich jetzt ändern: Die Fachhochschule Bochum präsentiert heute mit "HansGo!" einen Sonnenflitzer, von dem sich das 18-köpfige Konstruktionsteam endlich Siegchancen erhofft.

Benannt ist der Rennwagen nach dem Ingenieur Hans Gochermann, der in Wedel eine Firma für hoch effiziente Solaranlagen betreibt. Er hat den Bochumern nach eigenen Angaben den leistungsstärksten Solargenerator, der je gebaut wurde, zur Verfügung gestellt.

Bis zu 2,3 Kilowatt elektrischen Strom produzieren die Solarzellen, die jeden verfügbaren Platz auf der Karosserie bedecken. Von besonderer Bedeutung sind dabei Gochermanns Kenntnisse bei der Fertigung biegsamer Module, die sich den aerodynamischen Formen des Fahrzeugs anpassen lassen. Dadurch lässt sich wirklich nahezu jeder Quadratzentimeter zum Einfangen der wertvollen Sonnenenergie nutzen, ohne die Windschnittigkeit zu beeinträchtigen. Denn so viel sind 2,3 Kilowatt dann auch wieder nicht. Das reicht gerade für den Betrieb eines Toasters.

Um damit ein Auto auf bis zu 120 Stundenkilometer beschleunigen zu können, müssen Gewicht und Reibungsverluste daher auf ein Minimum beschränkt werden. Die Entwicklung und Konstruktion eines solchen Fahrzeugs ist eine sehr komplexe Herausforderung.

An der FH Bochum sind gleich mehrere Studiengänge an dem Projekt beteiligt: Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau und Mechatronik. Der Mechatronik, die von der FH Bochum 1993 als erster deutscher Hochschule angeboten wurde, kommt dabei eine besondere Rolle zu. Mechatronik, erläutert Prof. Friedbert Pautzke, der das Solarcar-Projekt vorangetrieben hat, ist ein Fach, das eine ganzheitliche Betrachtung technischer Systeme fördert.

HansGo!, bei dessen Entwicklung sich das Bochumer Team auf Erfahrungen mit dem britischen Fahrzeug Mad Dog III stützen konnte, hat mit Fahrer ein Gewicht von etwa 280 Kilogramm. Angetrieben wird es durch einen Elektromotor, der direkt in der Radnabe sitzt und einen fantastischen Wirkungsgrad von 96 Prozent hat. Das heißt, nahezu die gesamte elektrische Energie wird in Bewegungsenergie umgesetzt.

Auch die letzten Tests im Windkanal haben exzellente Werte ergeben. Energieeffizienz allein reicht aber nicht aus, um die Solarrallye in Australien zu gewinnen. Denn dieser Formel-1-Wettbewerb für Solarfahrzeuge wird nur zum Teil über die Geschwindigkeit entschieden.

Mindestens ebenso wichtig ist eine ausgefeilte Fahrstrategie, bei der sich das Team angesichts der Straßen- und Wetterverhältnisse immer wieder neu entscheiden muss, wie es mit der knappen Energie umgeht. Hierfür werden Daten über den Ladungszustand der Batterien oder die Leistung des Generators an Begleitfahrzeuge übertragen, wo geklärt wird, ob es etwa sinnvoller ist, eine Schlechtwetterfront mit Höchsttempo zu durchqueren oder die Akkus zu schonen.

Informationen im Internet:
www.fh-bochum.de/solarcar/projekt.html

erschienen am 12. Aug 2003 in Wissenschaft

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weitere Artikel zum Thema:

Lexikon: Solarzelle vom 12. Aug 2003 (Umwelt)

Links im WWW:

www.fh-bochum.de/solarcar/projekt.html