"Der Shuttle ist geheilt"
Reparatur im All gegl¸ckt. US-Astronaut entfernte bei riskantem Auþeneinsatz herausstehendes F¸llmaterial am Hitzeschild.
Von Hans-Arthur Marsiske
 | ÑIch bin bereit zu fliegenì, sagte Astronaut Steve Robinson, als er im Zeitlupentempo mit dem Roboterarm an die Unterseite des Shuttles gef¸hrt wurde. Foto: AP
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Die Internationale Raumstation (ISS) ¸berquerte gerade die S¸dostk¸ste Australiens, als die beiden Astronauten Soichi Noguchi und Stephen Robinson um 10.48 Uhr mitteleurop”ischer Zeit ihren historischen Auþenbordeinsatz begannen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt sollte ein Raumfahrzeug im All repariert werden.
Am 1. Februar 2003 hatten Sch”den am Hitzeschild zum Absturz der Raumf”hre "Columbia" gef¸hrt, bei dem alle sieben Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Um ein ”hnliches Ungl¸ck nach M–glichkeit zu vermeiden, wurde die "Discovery", die gegenw”rtig an die ISS angedockt ist, mit Kameras eingehend inspiziert. Dabei entdeckten Techniker der amerikanischen Weltraumbeh–rde Nasa zwischen den Kacheln des Hitzeschildes zwei Streifen F¸llmaterial, die etwa zweieinhalb Zentimeter herausragten.
Das klingt zun”chst nicht dramatisch. Allerdings kann niemand zuverl”ssig einsch”tzen, welche Turbulenzen solche kleinen Unebenheiten hervorrufen, wenn die "Discovery" mit 28 000 Kilometern pro Stunde wieder in die Erdatmosph”re eintritt. Das F¸llmaterial soll in dieser kritischen Flugphase das Einstr–men heiþen Gases zwischen den Hitzeschutzkacheln verhindern. Die Sicherheitsstandards der Nasa erlauben, daþ es maximal 0,6 Zentimeter hervorstehen darf. Um ganz sicherzugehen, entschloþ sich die Missionsleitung daher zur Reparatur.
Das d¸rfte indessen nicht die einzige Ðberlegung gewesen sein. Immerhin ist es das erkl”rte Ziel dieser am 26. Juli gestarteten Mission STS-114, neue Sicherheitsverfahren zu erproben. Dazu geh–rt auch die Durchf¸hrung von Auþenbordreparaturen im All. Die Verantwortlichen bei der Nasa wollten sich die Gelegenheit, erste Erfahrungen bei einem vergleichsweise leichten Fall zu sammeln, wohl nicht entgehen lassen.
Ÿhnlich d¸rfte es die Besatzung der Discovery gesehen haben. "Die Stimmung wird gut sein, denn die Besatzung hat Gelegenheit, sich richtig zu bew”hren", vermutete Esa-Astronaut Ulf Merbold kurz vor Beginn des Auþenbordeinsatzes. "Das ist f¸r ein so eingespieltes Team immer etwas Besonderes, zu dem, was urspr¸nglich geplant war, noch was Ungeplantes, Herausforderndes hinzuf¸gen zu k–nnen." Auch Thomas Reiter, bislang der einzige deutsche Astronaut, der im freien Weltraum gearbeitet hat, ”uþerte sich zuversichtlich: "Die Astronauten haben diese Auþeneins”tze auf der Erde schon lange trainiert."
In der Regel sind solche Eins”tze aber lange im voraus bis ins kleinste Detail geplant. Bei Montagearbeiten an der ISS etwa machen die Astronauten sich mit den verwendeten Bauteilen vertraut, ¸ben jeden Handgriff, wissen, welche Werkzeuge sie in welcher Reihenfolge verwenden m¸ssen.
Das war in diesem Fall nur begrenzt m–glich, man wuþte ja nicht im voraus, was f¸r Reparaturen erforderlich werden w¸rden. F¸r die Entfernung des F¸llmaterials wollte Stephen Robinson zun”chst versuchen, es mit Daumen und Zeigefinger vorsichtig herauszuziehen. Sollte das nicht funktionieren, wollte er eine Zange und etwas mehr Kraft einsetzen. Falls auch das ohne Erfolg bliebe, sollte eine eigens daf¸r zusammengebaute S”ge zum Einsatz kommen.
Zun”chst aber befestigten Robinson und sein japanischer Kollege Noguchi eine externe Nutzlastpalette an der Auþenwand der ISS. Diese von EADS Space in Bremen entwickelte "Europalette f¸r den Weltraum" dient der Lagerung von Werkzeugen und Ersatzteilen f¸r den weiteren Ausbau der Raumstation und soll zuk¸nftige Auþeneins”tze erleichtern.
Nachdem sie sich so gleichsam "aufgew”rmt" hatten, wandten sich die Astronauten nun der Unterseite der Raumf”hre zu. Gut drei Stunden nach Verlassen der Raumstation befestigte sich Robinson am Roboterarm der ISS, der im Innern von seinem Kollegen James Kelly gesteuert wurde. Vorsichtig man–vrierte Kelly den Arm unter den Hitzeschild der Discovery, w”hrend Noguchi die Aktion aufmerksam beobachtete.
Um jeden Preis muþte verhindert werden, daþ die Reparatur wom–glich mehr Schaden anrichtete als behob. Robinsons gr–þte Sorge war, daþ er mit seinem Helm oder Rucksack an den Hitzeschild stoþen und dadurch besch”digen k–nnte.
Um 14.45 Uhr (MESZ) war Robinson nahe genug, um den ersten F¸llstreifen zu greifen. "Ich ziehe jetzt", meldete er ¸ber Funk. "Es geht sehr leicht." Den zweiten Streifen konnte er zehn Minuten sp”ter mit noch weniger Kraft herausziehen. "Es scheint, als w”re dieses groþe Raumschiff jetzt geheilt."
Kurz darauf bekamen die beiden Raumfahrer von der Bodenkontrolle die Anweisung, ihren Auþenbordeinsatz zu beenden, f¸r den eigentlich noch der Austausch eines fehlerhaften Motors an der ISS vorgesehen war. Doch das hatte nun Zeit f¸r sp”ter.
Es h”tte auch nicht gepaþt, wenn man nach der ersten erfolgreichen Raumschiffreparatur im Orbit zur Tagesordnung ¸bergegangen w”re. Um 16.49 Uhr waren Robinson und Noguchi wieder in der Raumf”hre. Man darf davon ausgehen, daþ jetzt erst einmal gefeiert wurde. Die kritischste Phase steht noch bevor: Am Montag soll die "Discovery" nach 13 Tagen im All wieder auf der Erde landen.
erschienen am 4. August 2005
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