Die Maschine versprüht keine Tinte auf Papier wie bei herkömmlichen Modellen, sondern trägt flüssiges Plastik in 0,1 bis 0,2 Millimeter dünnen Schichten auf. Nach dem Drucken einer Schicht wird per Laser gehärtet, dann kommt die nächste Lage Plastik. In etwa zwei Stunden entsteht im so genannten Laser-Sintering-Verfahren ein halber Schuh - ganz individuell, angepasst an die vorher gespeicherten Fußmaße.
3D-Drucker waren bislang etwas für Produktdesigner, die das am Bildschirm skizzierte Telefon als Prototyp schon mal in der Hand halten wollten. Prior 2 Lever (P2L), eine kleine britische Firma, die vor wenigen Wochen einen kleinen Laden in London eröffnet hat, versucht sich nun an der Nutzung der Technik in der Schuhbranche.
In Zukunft, so die Hoffnung, könnte die Kombination aus individueller Maßanfertigung und Massenproduktionstechnik zu ganz neuen Geschäftsmodellen führen. Ein Anfang ist gemacht: Die P2L-Schuhe gibt es nur im Jahresabo, das mit 7000 £ allerdings in Sachen Preis noch nicht massenkompatibel ist. Inklusive ist allerdings die präzise Vermessung der Füße mit Hilfe eines Laserscanners und eine Druckverteilungsanalyse während des Gehens. "Die Analyse wird jährlich aktualisiert", sagt Volker Junior, der deutsche Repräsentant von P2L. Zum Beispiel auf Grund von Verletzungen könne es hier immer zu Veränderungen kommen.
Bislang ist Laser Sintering allerdings nur für die Herstellung von sehr wenigen Schuhtypen geeignet. "Die erforderlichen atmungsaktiven und biegsamen Materialien sind noch nicht verfügbar", sagt Claudia Kieserling. Ihre Schuhfirma Selve macht es sich etwas einfacher mit der Maßanfertigung: Auf Grundlage der eingescannten Fußdaten und einer selbst entwickelten Fußtypologie sucht ein Computer die passenden Modelle aus. Die Schuhe werden in Italien gefertigt, ganz traditionell.
Die Technologie, mit der der gesamte Prozess vom Scannen der Füße bis zum Drucken der Schuhkomponenten zu vertretbaren Kosten komplett automatisiert abläuft, könnte schon in zwei bis drei Jahren zur Verfügung stehen, schätzt die Unternehmerin. Dennoch rechnet Kieserling in Europa auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit keinem Durchbruch. Die Hersteller seien zu zögerlich, die Strukturen zu verhärtet. Schuhe aus dem Drucker werden als Massenprodukt von woanders her den Markt erobern. "Wahrscheinlich", vermutet sie, "geht's in Asien los."
Aus der FTD vom 18.05.2006
© 2006 Financial Times Deutschland, © Illustration: Prior 2 Lever
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