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15. August 2008, 18:07 Uhr
Von Hans-Arthur Marsiske
RoboCup-Wettbewerb
Wenn Roboter Fußballprofis das Fürchten lehren
Sind die Spitzenfußballer in der Zukunft überflüssig? Bis zum Jahr 2050
sollen Fußballroboter gegen die amtierenden Weltmeister antreten und
gewinnen. Dann werden Maschinen ebenso beweglich, planvoll und
entscheidungsstark spielen wie Menschen, sagen Forscher voraus.
Bis
zum Jahr 2050 sollen autonom agierende humanoide Roboter besser Fußball
spielen können als Menschen. WELT ONLINE zeigt nachfolgend wie weit die
Entwicklung der Roboter generell bereits fortgeschritten ist...
Der RoboCup-Wettbewerb wurde lange Zeit als bloße Spielerei belächelt. Doch
Forscher aus anderen Sparten sehen in den kickenden Maschinen heute die hohe
Kunst der Robotik. Bis zum Jahr 2050 sollen autonom agierende humanoide
Roboter besser Fußball spielen können als Menschen. Genauer gesagt: Ein
Roboterteam soll nach den offiziellen Fifa-Regeln gegen den dann amtierenden
Weltmeister antreten und gewinnen. Das ist das erklärte Ziel der
internationalen RoboCup-Initiative, die im chinesischen Suzhou bei Shanghai
gerade ihr zwölftes jährliches WM-Turnier beendet hat. Das Vorhaben löst
wahlweise spontane Begeisterung, Befremden oder Ängste aus. Insbesondere
Fachleute reagieren aber auch heute noch gerne mit herablassendem
Naserümpfen. Roboterfußball sei ja keine ernsthafte Wissenschaft, heißt es
etwa. Das Fußballfeld sei viel zu einfach strukturiert, um an die
Orientierung der Roboter nennenswerte Anforderungen zu stellen. Als
didaktisches Hilfsmittel zur Motivation von Schülern und Studenten mag man
einen solchen Wettbewerb vielleicht noch gelten lassen.
Aber wirkliche Forschung und Entwicklung, so
eine verbreitete Meinung, fänden woanders statt. Zum Beispiel beim Militär.
Dort gibt es klare, quantitative Vorgaben: Bis zum Jahr 2015, so die
Forderung des US-Kongresses, soll ein Drittel der Bodenfahrzeuge im
Kampfeinsatz unbemannt fahren. Um diesem Ziel näher zu kommen, hat die
US-Militärforschungsbehörde Darpa (Defense Advanced Research Projects
Agency) seit 2004 „Grand Challenges“ veranstaltet, Wettbewerbe für autonome
Fahrzeuge, die zunächst eine einsame Wüstenstrecke bewältigen und vor knapp
einem Jahr bei der „Urban Challenge“ auch im simulierten Stadtverkehr
zurechtkommen mussten.
Unbefestigte Wüstenwege und ein komplexes
städtisches Straßensystem – das klingt erst einmal wirklichkeitsnäher als
Roboterfußball. Allerdings hat auch die Darpa ihre Teilnehmer nicht auf die
ungeschminkte Realität losgelassen. So wurde die Wüstenstrecke zuvor
planiert, um sie für die Sensoren der Fahrzeuge besser erkennbar zu machen.
Kurven waren durch GPS-Koordinaten recht präzise definiert. Und im
simulierten Stadtverkehr fehlten die Fußgänger und Zweiradfahrer
vollständig.
Wer beim Roboterfußball das einfach strukturierte Spielfeld bemängelt,
sollte zudem nicht vergessen, dass sich die Positionen der Spieler und des
Balles auf diesem Feld ständig verändern – mit Geschwindigkeiten, die im
Verhältnis zur Feldgröße um ein Vielfaches schneller sind als die der
Fahrzeuge bei der Urban Challenge. Vor diesem Hintergrund kann es dann kaum
noch überraschen, dass sich am RoboCup teilnehmende Forscherteams im
vergangenen Jahr auch bei der Urban Challenge bewährten. Die einst mit den
„FU Fighters“ auf dem Fußballfeld gesammelten Erfahrungen brachten das „Team
Berlin“ von der Freien Universität Berlin als eines von vier deutschen Teams
ins Halbfinale des Darpa-Wettbewerbs. Dabei mussten die Berliner mit weniger
als einem Zehntel des Budgets der späteren Siegerteams auskommen. Ihr
Fahrzeug, das sie für 25000 Dollar bei Ebay in Kanada ersteigert hatten,
dürfte das billigste im gesamten Wettbewerb gewesen sein.
Roboter bewachen Kasernen
Bei dem europäischen Gegenstück zu den Darpa-Wettbewerben in den USA, dem
„European Land-Robot Trial“ (Elrob), war es im Juli ähnlich. Zu den
verschiedenen militärischen Einsatzszenarien, die mithilfe von Robotern auf
dem Übungsgelände der Bundeswehr bei Hammelburg bewältigt werden sollten,
zählte auch die Bewachung eines Camps.
Während alle anderen Teams ferngesteuerte Roboter einsetzten, nahm lediglich
ein ehemaliger RoboCup-Teilnehmer den Wunsch der Veranstalter nach mehr
Autonomie ernst und schickte einen autonom agierenden Roboter aufs Gelände.
Dem gelang es auch tatsächlich, einen Eindringling zu identifizieren.
Alexander Kleiner von der Universität Freiburg, der es auch ins Finale der
TechX Challenge, einem Wettbewerb der Militärforschungsbehörde Singapur,
geschafft hat, dürfte diese Erfolge unter anderem der mehrmaligen Teilnahme
an den Wettbewerben der RoboCup Rescue League verdanken.
Vielleicht ist das der springende Punkt: Vielen, die ihr Urteil über den
RoboCup einmal gefällt und seitdem nicht mehr überprüft haben, scheint
entgangen zu sein, dass das Turnier weit mehr beinhaltet als Fußball. Auf
dem Spielfeld stellen sich zwar grundlegende Fragen – etwa zur
Selbstlokalisierung, Verhaltensauswahl, Kooperation oder zur Frage, wie man
Zweibeiner rennen und springen lässt –, deren Lösungen sind aber auch für
viele kommerziell interessante Anwendungen wichtig. Aber den
RoboCup-Initiatoren war von vornherein bewusst, dass sich solche Anwendungen
nicht immer von selbst entwickeln und häufig zusätzlicher
Forschungsanstrengungen bedürfen. Daher wurden und werden neben den
Fußballwettbewerben zusätzliche Wettbewerbe eingerichtet.
Der seit 2001 ausgetragene Wettbewerb für Rettungsroboter, RoboCup Rescue,
hat sich mittlerweile bereits als weltweit anerkannte, standardisierte
Testumgebung etabliert. Wer daran zweifelt, sollte einen Blick in das gerade
erschienene „Springer Handbook of Robotics“ werfen, ein 1600 Seiten starkes
Standardwerk, das den gegenwärtigen Stand der Robotik zusammenfasst. Mit
Satoshi Tadokoro, Daniele Nardi und Adam Jacoff zählen die maßgeblichen
Organisatoren von RoboCup Rescue zu den Autoren des Kapitels „Search and
Rescue Robotics“, das sich zudem mehrfach in Text und Bild auf den RoboCup
bezieht.
VIDEO
.
Eine ähnliche Entwicklung dürfte dem 2006
eingerichteten Wettbewerb RoboCup@Home für Serviceroboter im Haushalt
bevorstehen. Wer bei der RoboCup-WM in Suzhou zusah, wie sich Roboter in
einer nachgestellten Wohnumgebung orientierten, wie sie Gegenstände fanden
und transportierten, Gesichter wiedererkannten, dabei selbstverständlich nur
über Sprache oder Gesten gesteuert wurden und wie sie immer wieder auch auf
Schwierigkeiten stießen – wer all das mitverfolgte, musste sich
unwillkürlich fragen, wie viele der auf Messen und in Medienberichten oft
großspurig angepriesenen Roboter hier überhaupt mithalten könnten.
Als deutscher Zuschauer wüsste man zum Beispiel gern, wie sich die vom
Bundesforschungsministerium mit knapp sieben Millionen Euro geförderte
Deutsche Servicerobotikinitiative „Desire“ in der Arena von RoboCup@Home
bewähren würde oder der in den Medien sehr präsente „Care-O-Bot“ des
Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung
(IPA).
Schon in fünf Jahren könnte es so weit sein, dass niemand mehr ernst
genommen wird, der seine Robotikprodukte nicht dem unerbittlichen Test
dieses Wettbewerbs unterworfen hat. Wer immer noch hochnäsig auf den RoboCup
herabschaut, der sollte seine Haltung daher dringend einmal überdenken.
Derzeit werden neu entwickelte Roboter zumeist
in den hauseigenen Labors oder auf Messeständen vorgeführt, jedenfalls unter
Bedingungen, die von den Entwicklern selbst entworfen und kontrolliert
werden. Wie viel aussagekräftiger ist da eine Testumgebung, die für alle
gleich ist und in gemeinschaftlicher Diskussion von Jahr zu Jahr dem Stand
der Technik entsprechend weiterentwickelt wird. Technologien, die den Alltag
zukünftiger Generationen prägen werden, sollten im breitestmöglichen
Wettbewerb der Ideen und in aller Öffentlichkeit entwickelt werden. Dafür
steht der RoboCup und dafür verdient er jede Unterstützung. Im Jahr 2050
sollen Roboter gegen Spitzenfußballer antreten. Dann werden Maschinen ebenso
beweglich, planvoll und entscheidungsstark spielen wie Menschen, sagen
Forscher voraus
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Wenn Roboter Fußballprofis das Fürchten lehren
Sind
die Spitzenfußballer in der Zukunft überflüssig? Bis zum Jahr 2050
sollen Fußballroboter gegen die amtierenden Weltmeister antreten und
gewinnen. Dann werden Maschinen ebenso beweglich, planvoll und
entscheidungsstark spielen wie Menschen, sagen Forscher voraus.
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Sind
die Spitzenfußballer in der Zukunft überflüssig? Bis zum Jahr 2050
sollen Fußballroboter gegen die amtierenden Weltmeister antreten und
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entscheidungsstark spielen wie Menschen, sagen Forscher voraus.
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Wenn Roboter Fußballprofis das Fürchten lehren
Sind die Spitzenfußballer in der Zukunft überflüssig? Bis zum Jahr 2050
sollen Fußballroboter gegen die amtierenden Weltmeister antreten und
gewinnen. Dann werden Maschinen ebenso beweglich, planvoll und
entscheidungsstark spielen wie Menschen, sagen Forscher voraus.
KOMMENTARE
Robi
meint:
17.08.2008, 11:54 Uhr
Roboter an die Macht
Zukunft
meint:
16.08.2008, 21:58 Uhr
Der Spruch, dass der aktuelle Roboter Weltmeister gegen den amtierenden
Weltmeister der Herren gewinnt was mehr als Werbeslogan gedacht...
...dennoch scheint es durchaus sehr realistisch zu sein. Wer die
jähliche Robotik Weltmeisterschaft mitverfolgt, der kann bestätigen,
dass es von jahr zu Jahr immer mehr Fortschritte gibt.
Benötigten dei Roboter zu Anfang noch eine Bande, damit sie nicht vom Spieltisch fielen, erkennen sie nun dir Grundlinie.
Gab es am Anfang starke Probleme mit dem Torhüter, der den aufprall
oftmals nicht überstand, wenn er sich hinschmiss kann heute sehen, wie
der Torhüter fällt und wieder aufsteht, der sieht die Tendenz.
Und dir Robotertechnik steckt noch in den Kinderschuhen. Die
Sensoren zur Erkennung von Unterschieden wird immer mehr besser und
arbeitet mit immer mehr Systemen. Laserabtastung, Videokamera...etc.
Und ein anderes großes Problem wird sich auch in den nächsten 5 Jahren mehr und mehr lösen: Die Batterietechnik:
Allein wenn man sieht, wie stark mittlerweile die Autoindustrie daran forscht....
R2D2
meint:
16.08.2008, 15:25 Uhr
Wird nicht passieren
Das Elektrohirn
meint:
16.08.2008, 09:57 Uhr
Dann werden die Roboter aufbegehren und die Macht übernehmen.
Die Menschen werden dann einfachste Aufgaben für die Roboter ausführen und ihnen dienen!
paukerNRW
meint:
16.08.2008, 08:21 Uhr
Im Schach sind die besten Schachprogramme ja den weltbesten
Schachspielern inzwischen leicht überlegen, weil in diesem Spiel
Gedächnisleistung eine wesentliche Grundlage des Erfolges ist. Dies war
vorhersehbar, ist aber ein ganz anderes Feld. Sollte wirklich Forscher
-welche bitte!?- eine Roboterüberlegenheit im Fußballspiel für 2050
prognostizieren, so ist das ein durch nichts zu rechtferigender
Zweckoptimismus, es sei denn, man erlaubt für Robotern eine
Antriebsart, die Ihre Schnelligkeit und Ballführung denen menschlicher
Spieler entscheidend überlegen macht. Dann ist die Sache aber witzlos;
ein Auto mit einem von der Stoßstinge geführten Ball ist auch jetzt
schon schneller als ein Mensch. Spielwitz, Intuition, Ballführung und
mannschaftliche Geschlossenheit, die bei gleichwertiger Kondition
Überlegenheit generieren sind nur sehr schwer programmtechnisch zu
erfassen und die Robotermechanik die zur Ausführung der Bewegungen
erforderlich ist, existiert auch noch nicht. Wenn man sich den
Istzustand ansieht, sind solche Prognosen nicht sonderlich realistisch
sondern wahrscheinlich interessengeleitet.
Nicht nur Deutschland hat ein Problem mit der Überalterung. Neueste
demografische Prognosen zeigen: In den kommenden zwei Jahrzehnten wird
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