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| Oskar von Stryk präsentiert einem kritischen Publikum seinen potenziellen Nachfolger für die Aibo-Liga. |
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Als Hiroaki Kitano Mitte der neunziger Jahre mit der Idee an die
Öffentlichkeit ging, mit Robotern die Fußballweltmeisterschaft zu
gewinnen, hatte er zunächst das Ende des 21. Jahrhunderts als Zieldatum
im Auge. Ein Journalist machte ihn aber darauf aufmerksam, dass
zwischen den ersten motorisierten Flügen der Gebrüder Wright und den
bemannten Mondlandungen nur 66 Jahre lagen. Da die Roboter nicht auf
dem Mond spielen müssten, sollten 50 Jahre ausreichen.
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| Vier Beine oder zwei? Das Team von Tribotix, der University of Newcastle und K-Team hat beides im Angebot. |
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Oder vielleicht doch auf dem Mond? Am gestrigen Samstag gab es auf
einem Beachvolleyballfeld erste Demonstrationen einer möglichen neuen
Liga, bei der Fähigkeiten von Robotern getestet werden, die auf anderen
Himmelskörpern zum Einsatz kommen sollen. Fußball werden sie im
simulierten Mondstaub aber wohl nicht spielen. Zunächst einmal fuhren
sie nur hin und her. "Im nächsten Jahr könnte die Aufgabe darin
bestehen, bestimmte Gegenstände zu erkennen und einzusammeln und dabei
gefährliches Terrain zu vermeiden", sagt Hans-Dieter Burkhard,
Vizepräsident der RoboCup Federation. Es gebe auch Kontakte zu
Raumfahrtagenturen wie der ESA, die daran interessiert seien, ihre
Roboter im Wettbewerb zu testen.
Ob RoboCup@Space wirklich eine neue Liga im Rahmen des RoboCup wird,
soll heute entschieden werden. Denkbar wäre es auch, dass ein solcher
Wettbewerb von Weltrauminstitutionen in Eigenregie durchgeführt wird.
Diese erste Demo wurde jedenfalls schon mal aufmerksam von Takashi
Kubota von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA verfolgt.
Große Aufmerksamkeit fand gestern auch die Vorstellung möglicher
Nachfolgeroboter für den vierbeinigen Aibo, dessen Produktion von Sony
eingestellt wurde und der daher in diesem Jahr voraussichtlich zum
letzten Mal um den RoboCup-Titel kickt. Sechs Modelle wurden
präsentiert, vier Vierbeiner, ein Zweibeiner und ein Vierbeiner, der
sich auf den Hinterbeinen aufrichten kann und dadurch die Option
bietet, auch den zweibeinigen Gang zu erforschen. Letzterer, entwickelt
von der australischen University of Newcastle und den Firmen Tribotix
(Australien) und K-Team (Schweiz), war mit einem Stückpreis von 6990
US-Dollar der teuerste im Rennen. Neben diesem Roboterbären stellte das
gleiche Team auch einen einfacheren Roboterhund vor, der 4990 US-Dollar
kosten soll.
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| Die Darmstädter freuen sich über ein Tor ihrer Dribblers. |
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Einen genauen Preis konnte Oskar von Stryk für den an der TU Darmstadt
gemeinsam mit dem japanischen Hajime Research Laboratory entwickelten
Vierbeiner noch nicht nennen. Ziel sei ein Preis unter 3000 Euro,
garantieren könne er derzeit aber nur, dass er unter 3500 Euro liege.
Das gelte für den Bausatz. Fertig montiert kämen noch einmal maximal
500 Euro hinzu.
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| Sandkastenspiele:
Der Roboter hinten rechts ist ein für den Weltraumeinsatz entwickelter
Forschungsroboter der japanischen Tohoku University, der vorne links
stammt vom Rescue Team der Jacobs University Bremen. |
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In vergleichbarer Höhe liegt der Preis für das vierbeinige Modell der
französischen Firma Robosoft, das aber technisch noch nicht sehr
ausgereift wirkte. Insbesondere der Umstand, dass die Kamera weniger
als 30 Bilder pro Sekunde liefert, sorgte für kritische Fragen von
Seiten des technischen Komitees, das die Vorschläge prüfen soll.
Den günstigsten Preis bot die ebenfalls französische Firma
Aldebaran, die ab 2010 humanoide Roboter als Massenprodukt anbieten
will. Weil sie am Feedback aus der RoboCup-Gemeinde interessiert, will
sie ihren Zweibeiner für 2750 Euro zur Verfügung stellen, allerdings
nur als Basisversion. Welche Ergänzungen möglicherweise erforderlich
sein könnten und was sie kosten würden, blieb zunächst offen. Auch
hierzu gab es kritische Nachfragen.
Kurzfristig hatte die japanische iXs Research Corporation noch einen
stark an den Aibo angelehnten Roboter mitgebracht. Er ist etwas größer
als das Vorbild und soll ungefähr 5000 Dollar kosten.
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| Nein, es klappt nicht. Der Freiburger Stürmer scheitert am Pfosten... |
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Der Preis ist ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung über das am
besten geeignete Modell, aber nicht der einzige. Es ist auch eine
Frage, wie es mit der Liga, in der ein Standardroboter verwendet wird,
überhaupt weitergehen soll. Kaum jemand sieht einen Sinn darin, mit
einem etwas leistungsfähigeren Roboter so weiterzumachen wie bisher. Es
muss auch eine neue Herausforderung geben, die neue Forschungen
inspiriert. Häufig ist der Vorschlag zu hören, mit den Robotern auf ein
größeres Feld zu gehen, etwa auf das Spielfeld der Middle Size League.
Manche sind auch der Meinung, dass Vierbeiner grundsätzlich
uninteressant seien. Die Entscheidung zu diesen Fragen soll in den
nächsten Wochen fallen. Pedro Limar, der die Veranstaltung leitete,
forderte alle RoboCup-Teilnehmer auf, ihre Fragen und Anregungen der
RoboCup Federation mitzuteilen.
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| ...und prompt liegt der Ball vor dem eigenen Tor. Ein Darmstädter Roboter stürmt heran... |
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Neben diesen Sonderveranstaltungen liefen die Fußballspiele fast
nebenbei und unbemerkt ab. Während etwa draußen bei RoboCup@Space die
Roboter durch die Sandkiste fuhren, lieferten sich in der Halle im
Halbfinale der Middle Size League die Teams CoPS (Universität
Stuttgart) und Eigen (Keio University) einen Fußballkrimi, der nach
Elfmeterschießen für Eigen entschieden wurde. Im heutigen Finale trifft
das japanische Team, das 2005 in Osaka Weltmeister wurde, auf den
Weltmeister von 2006, die Brainstormers Tribots. Ihnen gelang ein
relativ sicheres 1:0 gegen Hibikino-Musashi aus Japan.
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| ...weiß aber mit diesem Geschenk nicht recht was anzufangen... |
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Die dramatischste Begegnung aber fand in der Humanoid League statt. Im
Viertelfinale gingen die Darmstadt Dribblers von der TU Darmstadt gegen
NimbRo (Uni Freiburg) zunächst in Führung, doch die Freiburger
wechselten einen Spieler aus und zogen dann bald nach. Kurz vor Ende
der zweiten Halbzeit stand es 5:4 für NimbRo. Dann rollt der Ball aufs
Darmstädter Tor zu und bleibt unmittelbar neben dem Pfosten auf der
Torlinie liegen. Ein Freiburger Spieler setzt nach, findet aber keine
geeignete Schussposition, der Pfosten behindert ihn. Inzwischen ist ein
Dribbler hinzugekommen -- und tatsächlich gelingt es ihm, die Situation
mit einem beherzten Kick zu klären. Nunmehr rollt der Ball auf das
verwaiste Freiburger Tor zu -- und bleibt wenige Zentimeter davor
liegen. Während die Uhr unerbittlich weiter tickt, tippelt der
Darmstädter nervenzehrende Sekunden lang um den Ball herum, bis er ihn
endlich über die Linie schiebt -- Verlängerung!
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| ...bis er sich dann doch entschließt, den Ball über die Linie zu schieben. Der Freiburger Spieler kommt zu spät. |
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In der ersten Hälfte der Verlängerung geht NimbRo zunächst mit 6:5 in
Führung. Kurz vor dem Halbzeitpfiff gelingt den Darmstadt Dribblers der
Ausgleich. In der zweiten Hälfte ist es zunächst ausgeglichen, doch
dann erzielen die Freiburger das 7:6. Als sie eine Minute vor Schluss
auf 8:6 erhöhen, ist die Begegnung entschieden.
Das Freiburger Team war sichtlich erleichtert, die Darmstädter
wirkten aber auch nicht allzu niedergeschlagen. Müssen sie auch nicht
sein: Sie haben großartig gekämpft und bei einem ansonsten bislang,
jedenfalls in den Seniorligen, eher ereignisarmen RoboCup-Turnier für
einen spektakulären Höhepunkt gesorgt.
Später am Nachmittag traf NimbRo auf das Team Fumanoid von der
Freien Universität Berlin und hatte diesmal weniger Mühe, sich zu
behaupten. Für Fumanoid ist es gleichwohl ein großer Erfolg. Als
Neuling in der Humanoids League hat dieses Team nun die Chance, auf
Anhieb den dritten Platz zu erreichen.
Man kann sich weiterhin darauf verlassen: Zum Ende hin wird es beim RoboCup richtig spannend.
Zur RoboCup-WM 2007 siehe auch:
- Es geht nicht nur um Fußball[1]
- Wettbewerb ist nicht alles[2]
- Wer sprintet am schnellsten die zwei Millimeter?[3]
- Abschied vom Aibo[4]
- Entscheidend ist auf'm Platz[5]
- Guter Auftakt bei den Junioren[6]
- Wettkampf der Ligen[7]
- Der Nachwuchs hat den ersten Anstoß[8]
Siehe zu dem Thema Robotik auch das c't-Roboterprojekt:
Zu den Roboterfußball-Wettbewerben und der Robotik-Forschung siehe auch:
- An der langen Leine[10], Roboter im Sicherheitsdienst, c't 9/07, S. 82
- Mobile Maschinen[11], Robotik und Nachwuchsförderung auf der Hannover Messe, c't 9/07, S. 30
- Mehr als nur Fußball[12], RoboCup-WM wird erstmals in Deutschland ausgetragen, c't 13/06, S. 98
- KI auf dem Fußballfeld[13], Praktische Forschung bei der RoboCup-Weltmeisterschaft, c't 13/06, S. 102
(Hans-Arthur Marsiske)/
(
axv[14]/c't)
(
axv/c't)