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RoboCup-Vorbereitungen
Vor dem Spiel: Aibo-Team in Bremen

Per Doppelpass
in die Zukunft

In Bremen startet
der RoboCup 2006

Ein Teilnehmer der militärischen Roboterleistungsschau Elrob Mitte Mai in Hammelburg brachte es auf den Punkt. "Das ist doch nur Spielerei", sagte der Informatikprofessor, als das Gespräch auf den RoboCup kam. "Daraus ist noch keine einzige Anwendung hervorgegangen." Der Mann hat Recht. Beim Roboterfußball geht es ums Spiel. Das macht ihn so anders.

von Hans-Arthur Marsiske, 14.06.2006

 

Während Politikern und Industriekapitänen zur Förderung von Wissenschaft und Technologie oft nichts anderes einfällt, als an der Effizienzschraube zu drehen und auf immer schnellere Umsetzung von Forschung in kommerzielle Produkte drängen, wirkt die Zielsetzung des RoboCup wie ein Befreiungsschlag aus diesem Verwertungssog. Wir wollen bis zum Jahr 2050 mit einer Robotermannschaft Fußballweltmeister werden, rief ein Häuflein Verwegener Mitte der neunziger Jahre. Es ist ein völlig nutzloses Ziel, aber Forscher rund um den Erdball antworteten umgehend: Da machen wir mit.

Große Resonanz bei Jugendlichen

Inzwischen ist die internationale RoboCup-Gemeinde auf etwa 4000 Forscher und bis zu zehn Mal so viele Kinder und Jugendliche angewachsen, die sehr viel Energie darin investieren, Robotern das Kicken beizubringen. Insbesondere die große Resonanz bei den Junioren hat selbst Optimisten wie den RoboCup-Initiator Hiroaki Kitano überrascht. Dieser Erfolg dürfte entscheidend mit der klaren Zielsetzung zu tun haben.

 

Das Runde muss ins Eckige - das versteht jeder. Aber auch die zeitliche Dimension übt eine große Faszination aus. Ein über mehrere Generationen angelegtes Forschungsprojekt, das weder von der üblichen Profitlogik noch von militärischen Erwägungen getrieben wird - jedenfalls derzeit.

 

Ohne erkennbaren Nutzen

Fußball spielende Roboter mögen für sich gesehen ohne erkennbaren Nutzen sein. Die Technologien, die auf dem Weg zu ihrer Realisierung entwickelt werden müssen, sind es gewiss nicht. Roboter, die kicken - und sei es auch nur auf Bezirksliganiveau - können noch ganz andere Dinge. Mit der Beweglichkeit, dem Orientierungsvermögen und der Fähigkeit zur Kooperation, die sie auf dem Spielfeld unter Beweis stellen, lassen sie sich für eine Vielzahl von Aufgaben einsetzen, mit denen sich dann auch Geld verdienen lässt.

 
Infobox

Der RoboCup 2006

Vom 14. Juni an wetteifern rund 2500 Teilnehmer in der Messe Bremen um den RoboCup 2006. Erstmals findet diese Weltmeisterschaft der Fußball-Roboter in Deutschland statt. Die Veranstaltung wurde vor zehn Jahren zum ersten Mal ausgetragen. Die Initiatoren haben sich zum Ziel gesetzt, die Forschung in den Bereichen "Künstliche Intelligenz" und "autonome mobile Roboter" gezielt zu fördern. Deutsche Universitäten spielen mit ihren Roboter-Teams seit vielen Jahren auf Weltniveau und stellen mehrere Weltmeister.

Aber das steht eben nicht an erster Stelle. Denn wir müssen davon ausgehen, dass die Technologien der Robotik und Künstlichen Intelligenz, die wir heute und in der nahen Zukunft entwickeln, die Gesellschaft auf Generationen hinaus prägen werden. Die jetzt geschaffenen Grundlagen werden sich später, wenn überhaupt, nur mit großer Mühe wieder ändern lassen. Umso wichtiger erscheint es jetzt, sich in Ruhe zu überlegen, wie die Roboter aussehen sollen, mit denen unsere Enkel eines Tages zusammenleben werden.

 

Kommerz nicht ausgeschlossen

Da bietet der RoboCup das derzeit konsequenteste Szenario. Mit Maschinen, mit denen wir Fußball spielen können, dürfte auch sonst gut auszukommen sein. Schließlich üben auch Menschen auf dem Bolzplatz Grundlagen des sozialen Miteinander ein.

 
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RoboCup im ZDF

Das ZDF ist Medienpartner des RoboCups 2006 und berichtet vom 14. bis 18. Juni 2006 jeweils in einer halbstündigen Sendung nach "heute nacht" über die Ereignisse des Tages. Das vom ZDF-Wissenschaftsexperten Karsten Schwanke moderierte Magazin "RoboCup 2006" fasst an den fünf Wettkampftagen das Geschehen in der Messe Bremen zusammen. Im Mittelpunkt steht das "Spiel des Tages". Interviews mit den Wissenschaftlern und Hintergrund-Berichte bilden weitere Schwerpunkte.

Die Sendetermine des RoboCup-Magazins
Mittwoch, 14. Juni 2006, 0.40 - 1.10 Uhr
Donnerstag, 15. Juni 2006, 0.25 - 0.55 Uhr
Freitag, 16. Juni 2006, 0.35 - 1.05 Uhr
Samstag, 17. Juni 2006, 0.15 - 0.45 Uhr
Sonntag, 18. Juni 2006, 0.30 - 1.00 Uhr

Livestreams
Täglich zwischen 11 und 17 Uhr.

 

Natürlich wird der RoboCup auf Dauer kaum Bestand haben können, wenn nicht irgendwann auch kommerziell interessante Anwendungen aus dem Wettbewerb hervorgehen. Das war den Organisatoren von Anfang an bewusst, auch, dass diese Anwendungen nicht von selbst kommen. Daher gibt es parallel zum Fußballturnier seit 2001 einen Wettbewerb für Rettungsroboter.

 

Spiel hat Priorität

Und in diesem Jahr wird erstmals die neue Liga RoboCup@home eingerichtet, bei der sich Roboter in einer häuslichen Wohnumgebung bewähren müssen. Aber diese anwendungsbezogenen Ergänzungen kommen eben erst jetzt, nachdem mit dem Fußballwettbewerb bereits eine solide Basis geschaffen wurde. Der Erforschung der Grundlagen im spielerischen Kontext wird klare Priorität eingeräumt.

 

Der RoboCup ist daher eins der wenigen Beispiele langfristig angelegter Zukunftsplanung, die nicht von der Not getrieben ist, sondern von einem Wunschbild, das im Jahr 2050 Realität werden soll. Und schon weiter vorher viele Erkenntnisse liefert.