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Dieses Kerlchen aus dem japanischen "Institute of Physical and Chemical Research" heißt 'Ri-Man' und soll für Pflege- und Betreuungsaufgaben eingesetzt werden. Ri-Man ist 158 cm groß, bringt es auf 100 kg, und ist mit Antennen und Sensoren ausgestattet, die es ermöglichen, dass er dabei nicht umfällt.
Foto: afp
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Die Invasion der Roboter steht unmittelbar bevor. Getarnt als Fahrerassistenzsystem, Spülmaschine mit Sensorfunktion oder intelligentes Hörgerät hat sich ihre Vorhut längst unauffällig unter uns gemischt. Wann genau das Hauptkontingent nachrückt, lässt sich nicht sagen. Aber es ist höchstens eine Frage von Jahren, nicht Jahrzehnten. Bausätze für humanoide Roboter sind mittlerweile für weniger als 1000Euro erhältlich. Der weltweite Umsatz mit autonomen Staubsaugern, Rasenmähern und Spielzeugrobotern nähert sich der Milliarden-Dollar-Grenze. Hersteller von Servicerobotern, die als Bürobote, Nachtwächter oder Haushaltshilfe dienen sollen, erwarten für die nächsten drei Jahre eine Verdoppelung des Marktes.
Und das ist nur das Vorgeplänkel. Sobald die Kosten eine kritische Schwelle unterschreiten, deren genauen Wert allerdings niemand kennt, und die Funktionalität eine ebensolche überschreitet, dürfte alles sehr schnell gehen. Dann werden die mobilen, interaktionsfähigen Computer ähnlich massiv in unseren Alltag eindringen wie gerade erst die Mobiltelefone. Müssen wir uns davor fürchten? Ingenieure und Informatiker antworten je nach Temperament amüsiert, gelangweilt oder verärgert, wenn man sie nach der Plausibilität einer Rebellion der Maschinen fragt. So weit sei man noch lange nicht, lautet eine der gängigsten Beschwichtigungsformeln.
Und in der Tat: Wer kürzlich bei der militärischen Leistungsschau Elrob in Hammelburg gesehen hat, wie die Roboter durchs Gelände holperten, wenn sie sich denn überhaupt bewegten, wird den von Hollywood vorgegebenen Zeitplan sehr skeptisch einschätzen. Dass Maschinen innerhalb der nächsten 20Jahre einen Krieg gegen die Menschen anzetteln könnten, wie James Camerons Science-Fiction-Klassiker „Terminator“ behauptet, erscheint da extrem unwahrscheinlich. Aber wie lange es noch dauert ist ja nicht die zentrale Frage. Für eine nachhaltig orientierte Entwicklung macht es keinen großen Unterschied, ob die Maschinen in 50, 100 oder erst in 500Jahren eigener Wege gehen werden.
Denn die grundlegenden kognitiven Fähigkeiten, die ihnen das ermöglichen könnten, werden heute geschaffen. Mit Nachdruck wird in zahlreichen Labors weltweit daran gearbeitet, Roboter intelligenter und autonomer zu machen. Die mechanischen Helfer sollen menschliche Sprache und Gestik verstehen, möglichst vielfältig einsetzbar und vor allem lernfähig sein. Befehle wie „Mach den Hof sauber!“ sollen sie selbstständig in geeignete Aktionen umsetzen, ohne dass man ihnen erst eine Karte des Hofs und die zu absolvierenden Wege einprogrammieren muss. Die Devise lautet: Je mehr sie können, desto besser. Eine natürliche Grenze für Autonomie oder Intelligenz ist nicht zu erkennen.
Nur wenige Roboter werden ein menschliches Erscheinungsbild haben, die meisten werden in ihrer Gestalt ihrem jeweiligen Aufgabenfeld angepasst sein. Ein automatischer Fensterputzer braucht nicht unbedingt Arme, Rumpf und Beine, einem Roboter zur Inspektion von Pipelines wäre die menschliche Körperform sogar hinderlich. Gleichwohl ist der Mensch offensichtlich das der Robotik zugrunde liegende Ideal. Seine geistige und körperliche Fähigkeiten wollen die Ingenieure möglichst perfekt nachbilden, wenn nicht sogar übertreffen. Das Verhalten von Menschen aber ist nur begrenzt berechenbar. Warum sollte es bei Robotern auf Dauer anders sein? Die Grundlagen dafür, dass die intelligenten Maschinen dereinst einen eigenen Willen herausbilden, entstehen jetzt. Heute getroffene technologische Grundsatzentscheidungen werden zukünftige Generationen nur mit Mühe korrigieren können, wenn überhaupt.
Industrielle Entwicklungsprogramme bewegen sich jedoch üblicherweise in einem Zeitrahmen von wenigen Jahren. Das im Sommer 2005 gestartete EU-Projekt „SMErobot“ etwa hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2009 Roboter zu entwickeln, die einfache Befehle verstehen, sicher genug sind, dass ein menschlicher Kollege den Arbeitsplatz mit ihnen teilten kann, und innerhalb von drei Tagen in Betrieb genommen werden können. Außerdem sollen die Kosten auf ein Drittel gesenkt werden, so dass der Einsatz von Robotern auch für kleine und mittlere Unternehmen interessant wird.
Weiter als vier Jahre in die Zukunft mochte auch ein im September 2004 in Bonn veranstalteter Workshop der Nato nicht schauen. Ziel war es, den technologischen Entwicklungsbedarf zu ermitteln, um bis zum Jahr 2008 den Prototyp eines Militärroboters erfolgreich demonstrieren zu können. Ein als Resultat dieses Workshops erstelltes „White Paper“ beklagt ausdrücklich, dass die meisten Robotikprojekte maßgeblich von den Fähigkeiten und Ideen der Industrie geprägt seien und das Militär hier noch zu wenig Einfluss habe. Die Roboterleistungsschau Elrob vor einem Monat war ein erster energischer Schritt, diesen Zustand zu ändern.
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Angesichts der erdrückenden Dominanz kurzfristig orientierter Programme, die nicht nur die Robotik, sondern die Forschung insgesamt prägen, ist der Erfolg der RoboCup-Initiative, die in der Messe Bremen gerade ihre zehnte Weltmeisterschaft veranstaltet, umso bemerkenswerter. Wir wollen bis zum Jahr 2050 mit einer Robotermannschaft Fußballweltmeister werden, rief Mitte der neunziger Jahre ein Häuflein Verwegener – ein Ziel, so nutzlos wie die Landung von Menschen auf dem Mond und weder betriebswirtschaftlich noch militärstrategisch auch nur annäherungsweise kalkulierbar. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen antworteten Forscher rund um den Erdball umgehend: Klasse, da machen wir mit! Inzwischen ist die internationale RoboCup-Gemeinde auf etwa 4000Forscher und bis zu zehnmal so viele Kinder und Jugendliche angewachsen, die sehr viel Energie investieren, um Robotern das Kicken beizubringen. An australischen Schulen gehört der RoboCup bereits zum Lehrplan.
Insbesondere die große Resonanz bei den Junioren hat selbst Optimisten wie den RoboCup-Initiator Hiroaki Kitano überrascht. Der Erfolg dürfte entscheidend mit der klaren Zielsetzung zu tun haben. Das Runde muss ins Eckige – das versteht jeder. Und dass Roboter, die kicken können, und sei es auch nur auf Bezirksliganiveau, noch eine Vielzahl von anderen Aufgaben bewältigen können, leuchtet ebenfalls ein. Mindestens ebenso ausschlaggebend ist die zeitliche Dimension. Ein über mehrere Generationen angelegtes Technologieprojekt, das weder von der Profitlogik noch von militärischen Erwägungen getrieben wird – wann hätte es das je zuvor gegeben? Üblicherweise wird bei groß angelegten Unternehmungen, etwa interplanetaren Raumsondenmissionen, darauf geachtet, dass eben jene Wissenschaftler, die sie anschieben, später auch die Früchte ernten können. Doch die Roboter, die der RoboCup antizipiert, werden erst unsere Enkel erleben können.
Wie sonst könnte nachhaltige Technologieentwicklung aussehen, wenn nicht so? Mit Maschinen, mit denen wir Fußball spielen können, dürfte auch sonst gut auszukommen sein. Schließlich üben auch Menschen auf dem Bolzplatz Grundlagen des sozialen Miteinanders ein, lernen, sich an Regeln zu halten. Wenn diese Maschinen dann eines Tages wirklich so etwas wie einen eigenen Willen entwickeln, können wir jedenfalls hoffen, dass sie ihre Entscheidungen nicht nach den unerbittlichen Gesetzen der Profitlogik oder Militärstrategie treffen, sondern sich weiterhin sportlich verhalten. Roboter sind Werkzeuge, aber wir sollten nicht davon ausgehen, dass wir sie immer und für alle Zeit so kontrollieren können wie einen Hammer. Wir sollten sie von vornherein nicht als Sklaven oder Dienstboten betrachten, sondern als Gefährten und Freunde. Wenn wir sie gut erziehen, müssen wir sie ebenso wenig fürchten wie unsere Kinder.
SZ v. 13.06.2005
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