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Technik & Wirtschaft  

Roboter üben die Katastrophe

Umwelt: RoboCup-Wettbewerb fördert die Entwicklung autonomer Erkundungsgeräte

VDI nachrichten, 25.7.2003
Verheddert hat sich der Roboter. Ein 10 cm dickes Kunststoffrohr steckt zwischen seinen sechs Rädern, dass er weder vor noch zurück kann. Einige Male sieht es sogar so aus, als würde er bei seinen Versuchen, sich frei zu rütteln, umkippen. Doch dann überwindet er mit einem Rad das Hindernis, ruckt noch einmal zurück, ein weiteres Rad folgt. Schließlich ist er wieder frei und kann die Erkundung des Raums fortsetzen.

 Die Zuschauer applaudieren – mit Recht. Denn oft stehlen spektakuläre Fußballroboter und humanoide Roboter den Rettungsrobotern auf den RoboCup-Wettbewerben die Schau so auch in der zweiten Juliwoche in Padua (siehe VDI nachrichten 29/03, Seite 8). Aber gerade Rettungsroboter-Forschung, sei es als Simulation oder als realer „Rescue Robot“, sind der kommerziellen Anwendung am nächsten.
Besonders beeindruckend erscheint die Leistung, wenn man dem Bediener eines Roboters über die Schulter schaut. Er kann sich anhand der Bilder orientieren, die die mitgeführte Kamera per Funk überträgt. Ständig flackert das Bild. Mit einer Hand bewegt der Bediener die Antenne, mit der anderen kontrolliert er die Bewegungen des Roboters.
Gebaut haben die Maschine Studenten der Sharif University of Technology in Teheran. Sie kamen damit auf den 2. Platz durch ihre Leistung in der schwierigsten Umgebung beim diesjährigen RoboCup-Wettbewerb für Rettungsroboter, dem roten Raum. Eine Menge Schutt liegt hier verstreut: Kunststoffteile, Kabel, zertrümmerte Möbel auf mehreren Ebenen – und dazwischen Puppen, die menschliche Opfer darstellen. Die gilt es zu finden. Damit im Ernstfall rasch Helfer zu ihnen vordringen können, müssen möglichst genaue Karten erstellt werden.
Anders als in den Fußballwettbewerben des RoboCup dürfen die Roboter ferngelenkt werden. Das Ziel ist es jedoch, sie zukünftig mit mehr Autonomie auszustatten. „Es gibt einen sanften Druck in Richtung Autonomie, weil das bedeutet, dass umso mehr Roboter von einzelnen Bedienern eingesetzt werden können“, sagt Andreas Birk von der International University Bremen und Leiter des einzigen deutschen Teams im Wettbewerb.
„Was in einem typischen Katastrophengebiet in der Regel wenig vorhanden ist, sind Menschen. Idealerweise sollte ein Helfer alle Roboter gleichzeitig bedienen können. Dafür müssen sie aber über Autonomie verfügen.“
Der Bremer Roboter ist z.B. schon in der Lage, automatisch Karten zu erstellen. Dafür erhielt das Team einen „Wissenschaftspreis“ in Padua. Auch mit der Lokalisierung der Opfer mithilfe einer Thermokamera, die deren Körperwärme registriert, ist Birk recht zufrieden. Bei der mechanischen Konstruktion sind andere Teams, wie das von der Sharif University, weiter.
 Aufsehen erregte der Prototyp eines schlangenähnlichen Roboters, den das Team „Sinobi“, Tokio, vorstellte. Zwar drang das außerhalb des Wettbewerbs gestartete Forschungsgerät nur 1 m in den orangenen Raum vor (Schwierigkeitsklasse II von III), dennoch zeigte sich Teamleiter Tetsushi Kamegawa erfreut: „Es ist das erste Mal, dass wir diesen Roboter zum Einsatz gebracht haben.“ Wenn die Technik erst einmal ausgereift sei, sei es denkbar, dass solche Roboter lange Schläuche mit sich ziehen, über die Verschüttete sofort mit Wasser, Nahrung oder Medikamenten versorgt werden können. „Wir denken auch über autonome Wasserschläuche für die Feuerbekämpfung nach“, sagt Kamegawa H.-A. MARSISKE/KÄM
 www.robocup2003.org

 
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