In Übungen haben sich die Maschinen bewährt
Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 25.03.2011
Eigentlich ist die Entwicklung von
Rettungsrobotern nach dem schweren Erdbeben von 1995 in Kobe massiv
gefördert worden. Bei den jährlichen internationalen Robocup-Turnieren
gibt es seit 2001 auch einen Wettbewerb für Rettungsroboter, bei dem
die Suche nach Überlebenden in simulierten Katastrophenszenarien
erprobt wird. Und doch sind weder bei der Suche nach Überlebenden der
Erdbebenkatastrophe noch im Kernkraftwerk Fukushima Roboter bei der
Arbeit gesehen worden.
Solche Roboter, die etwa die Brände in den Reaktorgebäuden bekämpfen könnten, gibt es durchaus. Die Feuerwehr von Tokio habe einen großen, wasserwerfenden Roboter bei Großbränden bereits genutzt, berichtet Satoshi Tadokoro. Doch warum dieser Roboter nicht nach Fukushima gebracht wurde, ist auch für den international anerkannten japanischen Forscher von der Tohoku-Universität und Direktor des International Rescue Systems Institutes ein Rätsel. "Vielleicht war die Reichweite oder die Höhe, bis zu der das Wasser gespritzt werden kann, für dieses Kraftwerk nicht ausreichend, abgesehen vom Problem der Strahlung", vermutet er.
Es gibt aber wohl noch eine andere Schwierigkeit. Nach einem Störfall in der Urananreicherungsanlage von Tokaimura im Jahr 1999 ist zwar mit der Entwicklung von Robotern begonnen worden, doch diese Entwicklungen wurden bald wieder eingestellt. "Die Kraftwerksbetreiber meinten, sie bräuchten solche Roboter nicht, da es in ihren Kernkraftwerken keine Unfälle gäbe und sie sicher seien", so Tadokoro. Ein vom japanischen Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) entwickelter Roboter überwache jedoch gegenwärtig die Strahlung in Fukushima.
Für die Suche nach Überlebenden unmittelbar nach einem Erdbeben, wenn alles sehr schnell gehen muss, greifen die Rettungshelfer nach wie vor lieber auf bewährte Methoden wie Hunde und schlauchartige Kameras zurück, die ihnen einen Blick in die Trümmerberge bieten.
Dabei hatte Tadokoro nur wenige Tage vor dem Erdbeben gemeinsam mit Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks (THW) an der Jacobs-Universität in Bremen eine Übung durchgeführt, die recht ermutigend verlief. Bei der Suche nach einem Verschütteten kam zunächst ein Flugroboter zum Einsatz, der eine Übersichtskarte erstellte. Dann folgten Landroboter mit Kettenantrieben, die dreidimensionale Karten anfertigten und mit Wärmebildkameras Öffnungen absuchten. Wenn die empfangenen Signale auf einen Überlebenden hindeuteten, wurde ein von Tadokoro entwickelter schlangenähnlicher Roboter unter die Trümmer geschickt, um die Lage zu überprüfen.
Andreas Birk von der Jacobs-Universität sieht drei Faktoren, die dem Einsatz von Robotern in realen Katastrophen noch entgegenstehen. Zum einen sei ein einzelner Roboter selten genug. "Das Gesamtsystem muss die ganze Infrastruktur, also auch die Bedienerstation und den Stromgenerator, umfassen oder in bestehende Strukturen wie Lösch- oder Rettungszüge integriert sein", sagt Birk. Zum anderen müssten die Systeme gemeinsam mit den Nutzern in Feldtests geprüft worden sein. "Es muss klare, hart geprüfte Spezifikationen geben, was das System kann und was nicht."
Zu den Spezifikationen zählt die maximale Einsatzdauer. Die Vorstellung, mal eben einen Roboter mit einem Geigerzähler auszustatten und nach Fukushima zu schicken, hält Birk für naiv. Solche Aktionen wären kontraproduktiv, denn als dritten und vielleicht wichtigsten Faktor nennt der Forscher: "Die Systeme müssen in die bestehende Katastrophenplanung eingebunden sein. Die Rettungskräfte müssen geschult sein und klare Vorstellungen davon haben, was geht - und was nicht." In diesem Punkt sieht Birk derzeit die größten Schwierigkeiten.
Während Roboter im Kampf um Menschenleben also vorerst noch nicht die erste Wahl sind, wächst ihre Bedeutung, wenn es um die Aufarbeitung nach der Katastrophe geht. Bei der Sicherung und dem Wiederaufbau der Infrastruktur dürften insbesondere Unterwasserroboter zum Einsatz kommen.
Die Erfahrung mit Hurrikankatastrophen lehre, dass die Einschätzung der Schäden an Gebäuden der entscheidende Faktor sei, berichtet Robin Murphy aus Texas, die führende US-Expertin auf dem Gebiet der Rettungsroboter. Insbesondere unter Wasser seien solche Untersuchungen sehr schwierig und mit hohen Risiken für Taucher verbunden. Und die Einsturzgefährdung von Häusern ließe sich am sichersten mit Bodenrobotern überprüfen. Auf diese Weise könnten Roboter auch im japanischen Erdbebengebiet dann doch noch helfen, Menschenleben zu bewahren.
Solche Roboter, die etwa die Brände in den Reaktorgebäuden bekämpfen könnten, gibt es durchaus. Die Feuerwehr von Tokio habe einen großen, wasserwerfenden Roboter bei Großbränden bereits genutzt, berichtet Satoshi Tadokoro. Doch warum dieser Roboter nicht nach Fukushima gebracht wurde, ist auch für den international anerkannten japanischen Forscher von der Tohoku-Universität und Direktor des International Rescue Systems Institutes ein Rätsel. "Vielleicht war die Reichweite oder die Höhe, bis zu der das Wasser gespritzt werden kann, für dieses Kraftwerk nicht ausreichend, abgesehen vom Problem der Strahlung", vermutet er.
Es gibt aber wohl noch eine andere Schwierigkeit. Nach einem Störfall in der Urananreicherungsanlage von Tokaimura im Jahr 1999 ist zwar mit der Entwicklung von Robotern begonnen worden, doch diese Entwicklungen wurden bald wieder eingestellt. "Die Kraftwerksbetreiber meinten, sie bräuchten solche Roboter nicht, da es in ihren Kernkraftwerken keine Unfälle gäbe und sie sicher seien", so Tadokoro. Ein vom japanischen Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) entwickelter Roboter überwache jedoch gegenwärtig die Strahlung in Fukushima.
Für die Suche nach Überlebenden unmittelbar nach einem Erdbeben, wenn alles sehr schnell gehen muss, greifen die Rettungshelfer nach wie vor lieber auf bewährte Methoden wie Hunde und schlauchartige Kameras zurück, die ihnen einen Blick in die Trümmerberge bieten.
Dabei hatte Tadokoro nur wenige Tage vor dem Erdbeben gemeinsam mit Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks (THW) an der Jacobs-Universität in Bremen eine Übung durchgeführt, die recht ermutigend verlief. Bei der Suche nach einem Verschütteten kam zunächst ein Flugroboter zum Einsatz, der eine Übersichtskarte erstellte. Dann folgten Landroboter mit Kettenantrieben, die dreidimensionale Karten anfertigten und mit Wärmebildkameras Öffnungen absuchten. Wenn die empfangenen Signale auf einen Überlebenden hindeuteten, wurde ein von Tadokoro entwickelter schlangenähnlicher Roboter unter die Trümmer geschickt, um die Lage zu überprüfen.
Andreas Birk von der Jacobs-Universität sieht drei Faktoren, die dem Einsatz von Robotern in realen Katastrophen noch entgegenstehen. Zum einen sei ein einzelner Roboter selten genug. "Das Gesamtsystem muss die ganze Infrastruktur, also auch die Bedienerstation und den Stromgenerator, umfassen oder in bestehende Strukturen wie Lösch- oder Rettungszüge integriert sein", sagt Birk. Zum anderen müssten die Systeme gemeinsam mit den Nutzern in Feldtests geprüft worden sein. "Es muss klare, hart geprüfte Spezifikationen geben, was das System kann und was nicht."
Zu den Spezifikationen zählt die maximale Einsatzdauer. Die Vorstellung, mal eben einen Roboter mit einem Geigerzähler auszustatten und nach Fukushima zu schicken, hält Birk für naiv. Solche Aktionen wären kontraproduktiv, denn als dritten und vielleicht wichtigsten Faktor nennt der Forscher: "Die Systeme müssen in die bestehende Katastrophenplanung eingebunden sein. Die Rettungskräfte müssen geschult sein und klare Vorstellungen davon haben, was geht - und was nicht." In diesem Punkt sieht Birk derzeit die größten Schwierigkeiten.
Während Roboter im Kampf um Menschenleben also vorerst noch nicht die erste Wahl sind, wächst ihre Bedeutung, wenn es um die Aufarbeitung nach der Katastrophe geht. Bei der Sicherung und dem Wiederaufbau der Infrastruktur dürften insbesondere Unterwasserroboter zum Einsatz kommen.
Die Erfahrung mit Hurrikankatastrophen lehre, dass die Einschätzung der Schäden an Gebäuden der entscheidende Faktor sei, berichtet Robin Murphy aus Texas, die führende US-Expertin auf dem Gebiet der Rettungsroboter. Insbesondere unter Wasser seien solche Untersuchungen sehr schwierig und mit hohen Risiken für Taucher verbunden. Und die Einsturzgefährdung von Häusern ließe sich am sichersten mit Bodenrobotern überprüfen. Auf diese Weise könnten Roboter auch im japanischen Erdbebengebiet dann doch noch helfen, Menschenleben zu bewahren.
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