Wissenschaft
Roboter-Fußball ist Spitze
Robotik: Die Hamburger DogBots kamen bei der RoboCup-WM in Lissabon sogar bis ins Viertelfinale.

Von Hans-Arthur Marsiske
 

Ein Roboterhund eines japanischen Teams versucht bei den RoboCup-Weltmeisterschaften in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon den Ball ins Tor zu bugsieren. Foto: dpa Ausgeschieden im Viertelfinale? Davon will Birgit Koch nichts wissen. "Wir sind bis ins Viertelfinale gekommen", korrigiert die Teamleiterin der Hamburg DogBots die Wortwahl. "Das war mehr, als wir erwarten konnten." Schließlich gehörten die Hamburger bei den diesjährigen RoboCup-Weltmeisterschaften im Roboterfußball zu den wenigen Teams, die noch die alten, weniger leistungsfähigen Modelle der vierbeinigen Aibo-Roboter verwendet haben.
Der Erfolg der DogBots reiht sich ein in ein hervorragendes Abschneiden deutscher Teams. Noch nie gab es so viele erste und zweite Plätze bei dem Wettbewerb, der in diesem Jahr parallel zur Europameisterschaft der menschlichen Kicker in Lissabon ausgetragen wurde. Das Ziel des RoboCup ist die Entwicklung von Technologien der Künstlichen Intelligenz und Robotik durch die Formulierung einer allgemeinen, zunächst einfach klingenden Aufgabe: Das Runde muss ins Eckige. Das Fußballspiel dient hier als einheitliche Testumgebung, um die Tauglichkeit verschiedener Lösungsansätze miteinander vergleichen zu können. Es geht um die Konstruktion und Programmierung vollständig autonom agierender Roboter und Computerprogramme.
Sie müssen die Informationen ihrer verschiedenen Sensoren möglichst schnell zu einem Bild ihrer Umgebung integrieren, dürfen unter sich ständig ändernden Bedingungen nicht den Überblick verlieren und sollen einen Weg finden, den Ball ins gegnerische Tor zu befördern. Wer versucht, all das in einen funktionierenden Softwarecode umzusetzen, bekommt rasch neuen Respekt vor den Intelligenzleistungen menschlicher Fußballspieler.
Der Roboterwettbewerb wird in verschiedenen Spielklassen mit jeweils unterschiedlichen Anforderungen ausgetragen. Die Liga der vierbeinigen Roboter ist dabei für Informatiker besonders interessant, weil sie echte Roboter programmieren können, ohne an ihnen schrauben oder löten zu müssen. Denn mit dem Roboterhund Aibo von Sony verfügen alle Teams über die gleiche Hardware, wenn auch in unterschiedlichen Versionen.
Die alten Aibos vom Typ ERS-210A haben zwar ein ansprechenderes Design, waren aber ansonsten gegenüber dem Nachfolgemodell ERS-7 im Nachteil. Das verfügt über schnellere Prozessoren, stärkere Motoren und eine höher auflösende Kamera. Zwar bereitet die neue Kamera in anderer Hinsicht Probleme, etwa durch Farbverzerrungen am Rand, aber inzwischen hatten die meisten Teams mehrere Monate Gelegenheit, sich darauf einzustellen. Das Ergebnis: Von den unfreiwillig putzigen Kapriolen der Aibos ist kaum noch etwas übrig. Die Roboter finden sehr schnell den Ball, bewegen sich rasch und zielstrebig und verfügen über vielfältige und präzise Schusstechniken. Und das Entwicklungspotenzial scheint damit noch längst nicht ausgeschöpft.
So gab es in der Aibo-Liga ein packendes Finale zwischen dem Team UTS Unleashed! von der University of Technology Sydney und dem German Team, an dem die vier Universitäten Humboldt (Berlin), Bremen, Dortmund und TU Darmstadt beteiligt sind. Zunächst war das Spiel ausgeglichen, die Chancen gleichmäßig verteilt, zur Halbzeitpause stand es 2:2. Das 3:2 fürs German Team war etwas unglücklich, weil der australische Torwart gerade wegen Batteriewechsels kurz vom Platz genommen war. Aber zwei weitere Treffer beseitigten alle Unklarheiten. Am Ende war das German Team mit 5:3 eindeutig Weltmeister. Große Freude gab es auch bei anderen deutschen Teams. So wurden die FU Fighters aus Berlin in der Liga der kleinen Roboter (Small Size League) ebenfalls Weltmeister. Einen ersten Platz errang auch das Freiburger Team ResQ im Wettbewerb für Katastrophensimulationen. Hier geht es darum, RoboCup-Technologie auf andere Anwendungsbereiche zu übertragen, z. B. die Koordination von Rettungsmaßnahmen im Erdbebengebiet. Im Wettbewerb für Rettungsroboter schaffte das Team KURT3D vom Fraunhofer-Institut für Autonome Intelligente Systeme den zweiten Platz. Zwei weitere Vizeweltmeister gab es mit AT Humboldt (Humboldt-Uni Berlin) in der dreidimensionalen Fußballsimulation und mit den Brainstormers (Uni Osnabrück) in der zweidimensionalen. In der Liga der mittelgroßen Roboter (Middle Size League) erreichten die CoPS aus Stuttgart den dritten Platz.
Der Roboterfußball in Deutschland scheint also auf einem guten Weg zu sein. Auch die Hamburg DogBots fühlen sich beflügelt. "Mit dem Einzug ins Viertelfinale haben wir uns für die Weltmeisterschaft in Osaka qualifiziert", sagt Birgit Koch. "Demnächst kriegen wir auch neue Aibos." Dann wollen sie es ihren Gegnern zeigen.

erschienen am 6. Juli 2004 in Wissenschaft

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