Letzter Marsflug der Saison
Raumfahrt: Nach dem Roboter "Spirit" hat gestern sein Bruder "Opportunity" auf dem Roten Planeten aufgesetzt. Weitere Fl¸ge sind in 26 Monaten m–glich.
Von Hans-Arthur Marsiske
|
|
NASA-Chef Sean OKeefe (l.) freut sich mit seinen Kollegen ¸ber die ersten Bilder vom Rover "Opportunity".
Foto:
ap
|
Am Sonntagmorgen gegen 6.05 Uhr mitteleurop”ischer Zeit setzte mit "Opportunity" (zu deutsch: Gelegenheit) der zweite Rover der amerikanischen Weltraumbeh–rde NASA erfolgreich auf dem Mars auf. Gebremst durch Fallschirme und Raketen und gesch¸tzt durch mehrere Airbags ging er im vorgesehenen Zielgebiet, der Ebene "Meridiani Planum" nieder und begann schon kurz darauf die ersten Bilder zu senden. Sie zeigen eine Umgebung, die dunkler ist als alle anderen bisherigen Landepl”tze irdischer Marsroboter.
"Opportunity ist in einer bizarren, fremdartigen Landschaft gelandet", sagte Steve Squyres von der Cornell University in Ithaca, New York, der die wissenschaftlichen Experimente auf den beiden Rovern leitet. Nur mit M¸he gelang es ihm, seine Begeisterung in Worte zu fassen: "Ich bin platt. Ich bin erstaunt. Ich bin wie weggeblasen."
Besonders erfreut waren die Wissenschaftler, als sie auf den Bildern einen Felsen erkannten, der aus dem Untergrund ragt und f¸r den Rover erreichbar erscheint. Er wurde sofort als Ziel f¸r die n”chsten Exkursionen ausgew”hlt. Es w”re das erste Mal, dass der felsige Untergrund auf dem Mars direkt untersucht werden kann.
Die erfolgreiche Landung ist die letzte dieser besonders gesch”ftigen "Mars-Saison". Auf Grund der Dynamik der Umlaufbahnen von Erde und Mars ergibt sich ungef”hr alle 26 Monate eine Konstellation beider Planeten, die es erm–glicht, Raumsonden zum roten Nachbarplaneten zu schicken. Das wurde diesmal so intensiv genutzt wie nie zuvor.
Neben den beiden NASA-Rovern waren auch die europ”ische Sonde "Mars Express" mit dem Landemodul "Beagle 2" sowie die japanische Sonde "Nozomi" unterwegs zum vierten Planeten des Sonnensystems. Es zeigte sich aber, dass der Flug zum Mars auch im f¸nften Jahrzehnt der Raumfahrt weiterhin ein sehr schwieriges und riskantes Unternehmen ist. So musste Nozomi, die zuvor schon mit Problemen zu k”mpfen gehabt hatte, wegen Schwierigkeiten mit der Elektronik kurz vor Erreichen des Ziels aufgegeben werden.
Von "Beagle 2", der in der Nacht zum ersten Weihnachtstag auf den Mars prallte, fehlt weiterhin jedes Lebenszeichen. Die letzte Hoffnung der Raumfahrttechniker besteht in einer l”ngeren Sendepause, die den Roboter veranlassen sollte, in einen Suchmodus zu schalten, bei dem er selbst kontinuierlich ein Signal ausstrahlt. Wenn ein solches Signal in den n”chsten Tagen nicht empfangen werden kann, muss er wohl endg¸ltig aufgegeben werden.
Das w”re schade, denn "Beagle 2" h”tte sich zwar, anders als die NASA-Rover, nicht auf der Marsoberfl”che bewegen k–nnen. Daf¸r w”re er aber der erste Roboter gewesen, der darunter geschaut h”tte. Mit seinem beim Deutschen Zentrum f¸r Luft- und Raumfahrt (DLR) in K–ln entwickelten Bohrger”t h”tte er Bodenproben aus einer Tiefe bis zu 2,60 Meter entnehmen k–nnen. Wissenschaftler hatten groþe Hoffnung, auf diese Weise organische Materie finden zu k–nnen, die nicht durch die starke ultraviolette Strahlung der Sonne zersetzt ist - als m–glicher Hinweis auf Leben.
Ein wenig unter die Oberfl”che schauen k–nnen auch die NASA-Rover. "Wir wollen gezielt Gr”ben erzeugen, indem wir alle R”der blockieren bis auf ein Vorderrad, das wir durchdrehen lassen", sagt Lutz Richter vom DLR, der das Bohrger”t f¸r "Beagle 2" gebaut hat und an Rover-Experimenten beteiligt ist. "Auf diese Weise k–nnen wir zehn bis 20 Zentimeter tief graben und diese Mulde sp”ter mit den Instrumenten des Rovers genauer untersuchen."
Unbegrenzt Zeit ist daf¸r allerdings nicht. Der in der Marsatmosph”re allgegenw”rtige Staub legt sich nach und nach auf die Solarzellen der Rover und mindert dadurch ihre Leistung. "Pro Marstag", so Richter, "gehen ungef”hr 0,3 Prozent der Fl”che verloren. Nach 100 Tagen sind das also schon 30 Prozent, was die Energieversorgung entsprechend vermindert." Bei der NASA geht man davon aus, dass die Rover mindestens 90 Marstage, die etwa 50 Minuten l”nger sind als ein Erdentag, arbeiten werden.
Der europ”ischen Sonde "Mars Express" der ESA, deren erste Bilder vor wenigen Tagen ver–ffentlicht wurden, steht mehr Zeit zur Verf¸gung. Sie wird mindestens 687 Erdtage lang den Roten Planeten umkreisen, das entspricht einem Marsjahr. In dieser Zeit soll sie ihn nicht nur umfassend und mit bislang nicht erreichter Bildaufl–sung fotografieren. Andere Instrumente messen die Verteilung chemischer Elemente und Verbindungen oder untersuchen die Atmosph”re. Ein Radarsensor kann sogar bis in eine Tiefe von mehreren Kilometern nach Anzeichen von Wasser und anderen geologischen Schichten suchen.
Die Saison der Marsfl¸ge ist nun beendet. Jetzt beginnt die Zeit der wissenschaftlichen Arbeit.
erschienen am 26. Jan 2004
in Wissenschaft
zur¸ck
|