Hamburger Abendblatt


Wissenschaft

Missionen mit hohem Risiko
Ðber die H”lfte aller Raumsonden scheiterten bei ihrem Mars-Projekt

Von Hans-Arthur Marsiske

Der Mars ist unser n”chster planetarer Nachbar. Aber auch nach 45 Jahren Raumfahrt ist es keine Kleinigkeit, zu ihm zu gelangen. Ðber die H”lfte aller Raumsonden, die den Roten Planeten erkunden sollten, sind gescheitert.

Die genaue Z”hlung h”ngt davon ab, was noch als erfolgreiche Mission gewertet wird. So gelang es der sowjetischen Sonde "Mars 3" am 3. Dezember 1971, ein Landeger”t aufzusetzen. Aber nach 20 Sekunden brach der Kontakt ab. Die wenigen Bilddaten zeigten keine Details.

Der Orbiter von "Mars 3" war zwar in eine Umlaufbahn eingetreten, ebenso wie der fast gleichzeitig gestartete "Mars 2". Aber wegen eines Staubsturms, der den Planeten einh¸llte und dem wahrscheinlich der Lander zum Opfer fiel, waren auf den Bildern auch keine Details zu erkennen. Da die Aufnahmesequenzen der Kameras vorprogrammiert waren, konnte man das Abflauen des Sturms nicht abwarten. So waren diese Missionen zwar erfolgreich bei der Navigation der Sonden, wissenschaftlich aber entt”uschend.

Die ersten Nahaufnahmen vom Mars lieferte die US-Sonde "Mariner 4" beim Vorbeiflug am 14. Juli 1965 mit 21 Fotos. Noch reichhaltiger war die Ausbeute von "Mariner 9", die den Mars vom 13. November 1971 bis 27. Oktober 1972 umkreiste. Die 7329 Fotos bildeten die Grundlage f¸r die erste Detail-Marskarte und revolutionierten das Bild vom Mars. Einige Details sahen aus, als seien sie durch fl¸ssiges Wasser geformt worden. Die Frage, ob der Mars fr¸her Leben beherbergt haben k–nnte, h”lt seitdem die Weltraumforscher auf Trab.

Kl”ren l”sst sich dies letztlich nur durch Untersuchungen vor Ort. Bisher ist es - bei 13 Versuchen - nur dreimal gelungen, Roboter so abzusetzen, dass sie Proben entnehmen und analysieren konnten. "Spirit" k–nnte, wenn es gelingt, den Rover in den n”chsten Tagen voll zu aktivieren, die vierte oder f¸nfte erfolgreiche Landung sein - je nachdem, ob der Kontakt zum europ”ischen "Beagle 2" hergestellt wird.

Die ersten erfolgreichen Marslandungen gelangen am 20. Juli und 3. September 1976 mit den "Viking"-Sonden 1 und 2. Sie waren selbst nicht beweglich. Der erste mobile Roboter war "Sojourner", der am 4. Juli 1997 aufsetzte. Er legte nur 104 Meter zur¸ck und entfernte sich bis zu zw–lf Meter von der Landestation, ¸ber die der Funkkontakt erfolgte. Seine Bewegungen wurden von der Erde aus gesteuert. "Spirit" ¸bermittelt Daten direkt und kann Hindernissen ausweichen. W”hrend seiner mindestens 90-t”gigen Betriebsdauer soll er etwa 1000 Meter zur¸cklegen.

erschienen am 5. Jan 2004 in Wissenschaft

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