Die Forscher sind im Marsfieber
Gibt es Leben auf dem Roten Planeten? Am 25. Dezember soll der Roboter Beagle 2 auf dem Mars landen und Proben sammeln.
Von Hans-Arthur Marsiske
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Sonde "Mars Express"
Foto:
AFP
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ibt es Leben auf dem Mars? Wenn ja, dann waren die Chancen, es zu finden, nie so gut wie jetzt. In der Nacht zum ersten Weihnachtstag soll Beagle 2, das erste europ”ische Landeger”t, auf dem Roten Planeten landen. Es ist wie kein anderes vor ihm daf¸r ausger¸stet, Lebensspuren nachzuweisen. Denn Beagle 2 kratzt nicht nur an der Oberfl”che, sondern schaut auch darunter.
Bis zu 2,60 Meter tief kann der nach dem Forschungsschiff Charles Darwins benannte Roboter graben und die Bodenproben mit Hilfe eines Massenspektrometers auf organische Bestandteile untersuchen. Das erm–glicht Mikroorganismen oder deren Ðberreste aufzusp¸ren.
Unter Wissenschaftlern hat sich eine erstaunliche Zuversicht ausgebreitet, dass die Suche nach auþerirdischem Leben diesmal von Erfolg gekr–nt werden k–nnte. "Warten Sie mal ab, was passiert, wenn Beagle 2 in den Marsboden bohrt und organische Materie findet", sagte Berndt Feuerbacher vom Institut f¸r Weltraumsimulation beim Deutschen Zentrum f¸r Luft- und Raumfahrt (DLR) schon vor einigen Wochen, als er auf die vermeintlich geringe Begeisterung in der Bev–lkerung f¸r die Raumfahrt angesprochen wurde.
Es ist gar nicht lange her, da war die Stimmung noch ganz anders. Seit Jahrhunderten haben die Menschen ¸ber m–gliche Bewohner unseres Nachbarplaneten spekuliert. Science-Fiction-Autoren wie Herbert George Wells hatten die Begegnung mit ihnen als Furcht erregendes Szenario entworfen (Krieg der Welten). Andere, wie der deutsche Kurd Lasswitz (Auf zwei Planeten), hofften eher auf einen f¸r beide Seiten fruchtbaren Austausch. Aber kaum jemand konnte oder mochte sich vorstellen, dass der Mars g”nzlich unbelebt sein k–nnte.
Umso ern¸chternder waren die Bilder und Daten, die in den sechziger Jahren die ersten Raumsonden ¸bermittelten. Die 21 Aufnahmen, die die erfolgreiche Marssonde "Mariner 4" im Juli 1965 zur Erde sendete, l–sten einen regelrechten Schock aus. Zu sehen war lediglich eine mit Kratern ¸bers”te, mond”hnliche Landschaft. Die Ergebnisse wurden durch die nachfolgenden Sonden "Mariner 6" und "Mariner 7" best”tigt. Zwar konnte "Mariner 9", die 1972 erstmals den gesamten Planeten fotografisch erfasste, das Bild etwas relativieren. G”nzlich tot war der Mars demnach nicht. Doch dann setzten "Viking 1" und "Viking 2" im Jahr 1976 erstmals auf der Marsoberfl”che auf. Die Roboter analysierten Bodenproben und ¸bermittelten eindrucksvolle Aufnahmen einer roten W¸ste. Aber es war eben eine W¸ste, karg und lebensfeindlich. Die biologischen Experimente konnten keinerlei Lebenszeichen nachweisen. F¸r die Mehrheit der Forscher war der Mars damit gestorben.
Erst in den vergangenen Jahren begann das Stimmungspendel in die andere Richtung zu schwingen: Inzwischen gilt der Mars bei der Suche nach auþerirdischem Leben innerhalb unseres Sonnensystems wieder als einer der aussichtsreichsten Kandidaten. Das hat verschiedene Gr¸nde. Zum einen scheint komplexe organische Materie bis hin zu Zuckern und Aminos”uren im Weltall weit verbreitet zu sein. Organische Molek¸le konnten sowohl in interstellaren Staubwolken als auch auf Kometen und Meteoriten nachgewiesen werden. Zum anderen wurden auf der Erde immer mehr Mikroorganismen entdeckt, die unter extremen Bedingungen existieren k–nnen. Die Extremophile zeigen, dass weder K”lte noch Hitze, Sauerstoff- oder Lichtmangel die Entstehung von Leben ausschlieþen m¸ssen.
Hinzu kommt, dass auf dem Mars offenbar gr–þere Mengen Wasser vorhanden sind. Die US-amerikanische Sonde "Odyssey", die den Planeten seit zwei Jahren umkreist, hat mit einem Gammastrahlen-Spektrometer vor allem in h–heren Breiten Hinweise auf beachtliche Wassereisvorr”te in Oberfl”chenn”he gefunden. Furchen und Rinnen in der Landschaft deuten darauf hin, dass dort vor geologisch relativ kurzer Zeit sogar fl¸ssiges Wasser geflossen sein k–nnte. Fl¸ssiges Wasser aber gilt als wesentliche Bedingung f¸r die Entstehung und Entwicklung von Leben.
Der Mars-Express-Orbiter soll die Ergebnisse der Odyssey-Sonde jetzt im w–rtlichen Sinne vertiefen. Daf¸r hat er ein Instrument an Bord, das geologische Schichtungen bis in eine Tiefe von mehreren Kilometern erkennen kann: das Mars Advanced Radar for Subsurface and Ionosphere Sounding (MARSIS). Das Ger”t, sagt Versuchsleiter Giovanni Picardi von der Universit”t Rom, ist ein Versuch, eine der schwierigsten Fragen ¸ber die Geschichte des Mars zu beantworten: Was ist mit all dem Wasser passiert, das einst Rinnen und Kan”le in die Oberfl”che des jungen Planeten gegraben hat?
Mit seiner 40 Meter langen Antenne soll MARSIS Radarwellen zur Planetenoberfl”che senden. Viele werden von der Oberfl”che reflektiert werden, erl”utert Picardi. Aber einige werden sie durchdringen und Echos zur¸cksenden, wenn sie auf Sedimentablagerungen, Eis oder fl¸ssiges Wasser treffen.
Am Boden wird unterdessen "Beagle 2", sofern er die riskante Landung ¸bersteht, seine Grabungst”tigkeit aufnehmen. Bis die ersten Analysen von Bodenproben vorliegen, wird es einige Wochen dauern.
Es ist also noch etwas Zeit, dar¸ber zu spekulieren, wie begr¸ndet die gegenw”rtige Zuversicht der Wissenschaftler ist, auf dem Mars Hinweise auf auþerirdisches Leben zu finden. Haben Sie sich vielleicht doch von ihren W¸nschen und Hoffnungen hinreiþen lassen, ”hnlich wie die Astronomen, die vor etwa hundert Jahren ¸berzeugt waren, auf unserem Nachbarplaneten ein Netz k¸nstlich angelegter Kan”le ausgemacht zu haben?
Vielleicht wird sich in einigen Wochen wieder Entt”uschung einstellen. Vielleicht wird sich aber auch unser Weltbild f¸r immer grundlegend ”ndern.
Weitere Informationen:
Rainer Eisfeld/Wolfgang Jeschke:
Marsfieber. Aufbruch zum Roten
Planeten? Droemer Verlag,
272 Seiten, 24,90 Euro
erschienen am 24. Dez 2003
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