Laufen im Jahr 2020 wieder Menschen über den Mond? Davon gehen die Planer der Raumfahrtorganisationen derzeit aus.

Reisanbau im Gewächshaus. "Ökologisches Bauen auf dem Mond", ein Vorschlag von Prof. Uwe E. Dorka, Uni Kassel.
Foto: Universität Kassel
Doch angesichts häufiger Verschiebungen bei Raumfahrtprojekten ist es fraglich, ob das gelingt.
Eines jedoch ist klar: Wenn wieder Menschen zum Mond fliegen, dann nicht noch mal im Apollo-Stil. Mit dem Aufstellen einer Fahne und Fotos von Fußabdrücken ist es nicht getan. Diesmal geht es darum zu bleiben. Die Pläne konzentrieren sich auf eine dauerhaft bemannte Mondbasis. Was bei deren Konstruktion zu beachten ist und welche Herausforderungen sich dabei stellen, war kürzlich Thema der wissenschaftlichen Konferenz "LunarBase - bauen für ein Leben auf dem Mond" an der Technischen Universität Kaiserslautern.
Hier ging es darum, Fachdisziplinen einzubeziehen, die sich sonst weniger für den Weltraum interessieren. Es gebe ein "völlig neues Interesse am Mond", sagte Helmut J. Schmidt, Präsident der TU Kaiserslautern. 40 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung sieht er "vielfältige interdisziplinäre Anknüpfungsmöglichkeiten". Beim LunarBase-Symposium verkörperten das insbesondere die zahlreich vertretenen Bauingenieure und Architekten.
Die beschäftigten sich mit der Frage, wie sich Mondstaub ("Regolith") zu Beton verarbeiten lässt. Das große Problem: das Wasser. Ob es welches auf dem Mond gibt, ist ungewiss.
Aber selbst wenn sich in Kratern am Südpol im Dauerschatten Wassereis abgelagert haben sollte, handelt es sich um relativ geringe Mengen, die wichtigeren Nutzungen wie der Lebenserhaltung der Astronauten vorbehalten bleiben sollten. Die Erzeugung von Beton mit alternativen Stoffen, etwa Kunstharzen, ist daher ein Thema, zu dem noch viel geforscht werden muss.
Ein widerstandsfähiger Baustoff wäre wünschenswert, denn das Leben auf dem Mond ist gefährlich.
So gibt es keine Lufthülle, die Mikrometeoriten abbremst und verdampfen lässt. Gibt es ein Material, das den Einschlag eines kosmischen Geschosses abwehren könnte? Um das herauszufinden, hat Manfred Keuser an der Hochschule der Bundeswehr München auf Betonwände schießen lassen. Mit 890 Meter pro Sekunde erreichten die Projektile des russischen Scharfschützengewehrs Dragunov zwar nur einen Bruchteil der Geschwindigkeiten, mit denen bei Meteoriten zu rechnen ist. Gleichwohl ergaben die Experimente wichtige Erkenntnisse zum Einfluss der Gesteinskörnung oder der Zugabe von Fasern auf die Widerstandsfähigkeit des Betons.
Die Bedrohung durch Meteoriten wird indessen als gering eingestuft. Belastbare Daten gibt es zwar nicht, doch die bisherigen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass mit ungefähr einem Einschlag in 100 Jahren zu rechnen ist. Der gefährlichen Strahlung von der Sonne und der kosmischen Strahlung ist eine Mondbasis dagegen permanent ausgesetzt. Wie ein Schutz aussehen könnte, ist offen.
Am sichersten könnte es sein, Mondstationen unter der Erde anzulegen. Einige Referenten schlugen vor, über den aus Beton oder anderen Materialien errichteten Stationen eine dicke Schicht Regolith zu häufen oder Behälter aus Faserverbundstoffen damit zu füllen und als eine Art Bausteine zu verwenden.
Wer aber würde gern in einem Klotz ohne Fenster leben? Architekten versuchen, der Enge durch raffinierte Lichtführung und flexible Räume entgegenzuwirken.
Eine Stadt unter einer transparenten Kuppel ist die ästhetisch überzeugendste Vision vom Leben auf dem Mond. Ein Konzept hat Uwe E. Dorka: "Ökologisches Bauen auf dem Mond". Zur Nahrungsversorgung der Astronauten werden da Reis und andere Pflanzen in kuppelförmigen Gewächshäusern angebaut. "Ein geeignetes Material zur Konstruktion transparenter Kuppeln, die vor der Strahlung schützen, gibt es noch nicht", musste Dorka einräumen. Er hofft aber, dass in zehn bis zwanzig Jahren Technologien entwickelt werden. So könnte die Strahlung durch starke Magnetfelder abgelenkt werden.
Ob 2020 oder später: Wenn erstmals seit den Apollo-Missionen wieder Menschen zum Mond fliegen, ist ein Europäer dabei. Das ist das Ziel von Bruno Gardini, dem Direktor für bemannte Raumfahrt bei der Europäischen Weltraumorganisation Esa. (ham)
























