Wissenschaftler vermuten Eis an den Polen - verborgen im Dauerdunkel der Mondkrater.

Die Raumsonde LCROSS (Lunar Crater Observation and Sensing Satellite) soll am Mittwoch, 17. Juni, zum Mond aufbrechen. Von der Mission erhoffen sich die Nasa-Forscher Erkenntnisse über das Vorhandensein von Wassereis am Südpol des Mondes. Das würde bemannte Mondmissionen wahrscheinlicher machen.

Die Raumsonde LCROSS (Lunar Crater Observation and Sensing Satellite) soll am Mittwoch, 17. Juni, zum Mond aufbrechen. Von der Mission erhoffen sich die Nasa-Forscher Erkenntnisse über das Vorhandensein von Wassereis am Südpol des Mondes. Das würde bemannte Mondmissionen wahrscheinlicher machen.
Foto: NASA

Es ist eine Mission mit Knalleffekt. Bis zu zehn Kilometer hoch soll die Staubwolke aufwirbeln. Zahllose Teleskope werden auf den Mond gerichtet sein, Fernsehsender in aller Welt werden die Bilder vom spektakulären Absturz der Raketenoberstufe bringen, begleitet von der Frage: War es ein Schlag ins Wasser?

Mehr zum Thema

Die saloppe Formulierung beschreibt in diesem Fall keinen Misserfolg. Im Gegenteil, der Schlag ins Wasser ist das von vielen erhoffte Ergebnis der Mondmission mit der komplizierten Bezeichnung LRO/LCROSS, die die US-Weltraumbehörde Nasa am 17. Juni auf den Weg bringen will. Sie besteht aus zwei Sonden: Der "Lunar Reconaissance Orbiter" (LRO) soll den Mond mindestens ein Jahr umkreisen und Karten mit einer Auflösung bis zu einem Meter erstellen. Der "Lunar Crater Observation and Sensing Satellite" (LCROSS) dagegen soll für den Knaller sorgen.

Mit LRO/LCROSS startet die Nasa ihre erste Mission im Rahmen des Constellation-Programms, das Astronauten zum Mond bringen soll und die Errichtung ständig bemannter Forschungsstationen vorsieht. Aufgabe der Robotikmission ist die Erkundung von Standorten für Mondbasen, die Messung der Strahlenbelastung - und die Suche nach Wasser.

Denn der Transport lebenswichtiger Güter zum Mond erreicht schnell astronomische Dimensionen. Jedes Kilo Ausrüstung schlägt mit etwa 100 000 Euro zu Buche. Eine Mondbasis soll sich daher so weit wie möglich auf lokale Ressourcen stützen. Wasser spielt dabei eine Schlüsselrolle. Es löscht den Durst und lässt sich leicht in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegen. Damit lassen sich Raketen und Brennstoffzellen betreiben und die Atemluft anreichern.

Die besten Chancen auf nennenswerte Wasservorkommen gibt es bei den Monden, in Kratern, die permanent im Schatten liegen. Wassereis könnte sich über Jahrmillionen erhalten haben, während es sonst bei Sonneneinstrahlung rasch verdampft.

Mondmissionen haben Hinweise auf Pol-Eis gefunden, aber nicht eindeutig. So maß das Neutronenspektrometer der Sonde "Lunar Prospector" einen Anstieg langsamer Neutronen. Das deutet auf Wasserstoff, weil Neutronen, die durch kosmische Strahlung aus dem Boden geschleudert werden, durch Kollisionen mit Wasserstoffkernen auf spezifische Weise abgebremst werden. Ob der indirekt nachgewiesene Wasserstoff als Eis vorliegt oder als atomarer Wasserstoff vom Sonnenwind abgelagert wurde, ist unklar.

Die extreme Dunkelheit, die möglicherweise das Eis in Kratern vor dem Verdunsten geschützt hat, erschwert eine Klärung. Wo kein Licht ist, kann es auch nicht mit spektroskopischen Methoden untersucht werden. Das vom Southwest Research Institute in San Antonio, Texas, entwickelte Instrument an Bord von LRO soll nach der spektralen Signatur des Wasserstoffs im ultravioletten Bereich suchen. Da ultraviolette Strahlung im All von Wasserstoffatomen gestreut wird, gibt es ein indirektes Licht, das ausreichen könnte, Details zu erkennen.

Statt Licht ins Dunkel zu bringen, kann man auch versuchen, die im Dunkeln verborgene Materie hervorzuholen - das Ziel von LCROSS. In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober soll die Raumsonde zunächst die 2000 Kilo schwere Centaur-Oberstufe in einem dunklen Krater zum Absturz bringen. Mit ihren Instrumenten wird die Sonde den entstehenden Lichtblitz beobachten, wenige Minuten später durch die Staubwolke fliegen und selbst in den Krater einschlagen. Beide Abstürze werden von LRO, dem Hubble Space Telescope sowie Observatorien auf der Erde beobachtet. Die Blitze sollen mit Amateurteleskopen mit Spiegeldurchmessern von etwa 30 Zentimetern zu erkennen sein.

Für den medialen Knalleffekt ist also gesorgt. Wenn dann Signaturen von Wassereis gefunden werden, wäre das der größere Knaller. Die Errichtung einer Mondbasis wäre einen Schritt näher gerückt.