[DIE WELT.de] [Image] Intelligente Software könnte sich künftig selber reparieren New York -  "Nur wenige Menschen würdigen die Bedeutung von Software - bis sie zusammenbricht", schreibt Alfred Aho, Informatiker an der New Yorker Columbia University, heute in "Science". "Wenn wir davon ausgehen", so Aho, "dass fünf Millionen Programmierer pro Jahr jeweils 5000 Zeilen neue Software produzieren, dann ergibt eine Schätzung, dass die Welt mehrere Hundert Milliarden Zeilen Software nutzt." Ganz vorsichtig sind Experten beim Schätzen der Fehler, die darin versteckt sind: zehn bis 10 000 Defekte pro einer Million Zeilen. "Das würde bedeuten, dass fünf Millionen bis 50 Milliarden fehlerhafte Softwarebefehle darauf warten, aktiviert zu werden", mahnt Aho. Das kann dramatische Folgen haben wie beim Jungfernflug der europäischen Rakete Ariane 5 am 4. Juni 1996. Deren Navigationssoftware war vom Vorgängermodell Ariane 4 übernommen worden, obwohl die neue Rakete schneller flog, was wiederum bei einigen Variablen zu höheren Werten führte. Ein solcher Wert, der den gegebenen Rahmen überschritt, führte dazu, dass sich ein System abschaltete. Die Rakete musste gesprengt werden. Aber auch weniger spektakuläre Systemabstürze summieren sich zu Milliardenschäden. Es werden daher intensiv Methoden der Softwareentwicklung erforscht, die fehlerhafte Zeilen erkennen und korrigieren. Kriterien, die moderne Programmiersprachen erfüllen müssen, sind: Einfachheit, Robustheit, Übertragbarkeit auf unterschiedliche Hardware, Kompatibilität mit dem Internet und die Fähigkeit, mehrere Aufgaben parallel zu erledigen. Allerdings, so Aho, gebe es noch keine wissenschaftliche Grundlage für die Produktion zuverlässiger Software - im Unterschied zur Hardware, deren Zuverlässigkeit durch Redundanz erhöht wird, und zur Kommunikation über verrauschte Kanäle, für die Codes zur Fehlerkorrektur entwickelt wurden. Zwar gebe es viel versprechende Ansätze bis hin zu selbst korrigierenden Softwaresystemen. Doch es werde noch einige Zeit dauern, bis sie breite Anwendung finden. Wir werden also noch eine Weile mit holprigen Telefonverbindungen und launischen Computern leben müssen.  ham Artikel erschienen am 27. Feb 2004 Artikel drucken   © WELT.de 1995 - 2004