Rettungsboot: Wie die Station geräumt wird

Eine Evakuierung der Raumstation wird nur im äußersten Notfall erfolgen. Hierfür ist stets eine russische Sojuskapsel an die ISS angedockt, die alle sechs Monate ausgewechselt werden muss, weil ansonsten die Treibstoffe des "Rettungsbootes im All" korrodieren können. Unbemannt kann die ISS aber nicht beliebig lange vom Boden aus kontrolliert werden. Auch ist es sehr schwierig, eine eingemottete Raumstation wieder in Betrieb zu nehmen. Als sowjetische Kosmonauten im Jahr 1985 die damalige Station Saljut 7 (Vorgänger der "Mir") wieder zum Leben erwecken wollten, wussten sie nicht einmal, ob dort noch Luft vorhanden war. Mit Taschenlampen tasteten sie sich voran und mussten sich alle paar Stunden zum Aufwärmen ins Raumschiff zurückziehen. Derzeit herrscht große Zuversicht, den Fehler finden zu können. Der gegenwärtig an die ISS angedockte Spaceshuttle "Atlantis", der die Lageregelung übernommen hat, gibt den Ingenieuren dafür mehrere Tage Zeit. Das ist relativ viel. Am 20. November 1998, als nach Platzierung des ersten Moduls der Bordcomputer nicht auf Kommandos reagierte, schaffte es der leitende Testingenieur in 90 Minuten, ein Computerprogramm zu schreiben, das den Fehler umging. Als Belohnung erhielt der Russe eine Medaille, einen Bonus und den seit vier Jahren ausstehenden Lohn.

ham

erschienen am 15. Juni 2007