[Hamburger Abendblatt] [Image] [Image] [Image] [Image] [Image] [Image] [Image] [Image] Wissenschaft [Image] Aufbruch zum Mars Faszination All - Wann fliegen wir zum Roten Planeten? In Bremen tagt zurzeit der bisher größte Raumfahrtkongress. Von Hans-Arthur Marsiske [Dr. Stefan Bosse von der Uni Bremen stellte auf dem Internationalen Raumfahrtkongress einen Laufroboter vor. ]Bremen Dr. Stefan Bosse von der Uni Bremen stellte auf dem Internationalen Raumfahrtkongress einen Laufroboter vor. ist Foto: ap in dieser Woche zwar nicht das Zentrum des Universums, aber immerhin doch derjenigen, die es erkunden wollen. 2500 Teilnehmer aus 38 Ländern treffen sich noch bis Freitag zur 54. Jahrestagung der International Astronautical Federation, dem größten Raumfahrtkongress der Welt. In über 1200 Vorträgen, Präsentationen und Diskussionsrunden wird über die nächsten Schritte ins All beraten. Jede wissenschaftliche Konferenz eröffnet einen Zugang zu einer anderen Welt. Aber dieser Kongress hat diese anderen Welten selbst zum Thema, die Grenzenlosigkeit des geistigen Universums trifft sich mit der Unendlichkeit des physischen. Das macht vielleicht die besondere Faszination aus. Hier kann man über Marssiedlungen und Kontakte mit außerirdischen Zivilisationen ebenso diskutieren wie über effizientere Raketenantriebe, Lagekontrollsysteme für Satelliten oder Möglichkeiten, im Weltraum Geld zu verdienen. Letzteres ist eines der vorrangigen Interessen von Forschungsministerin Edelgard Bulmahn, die den Kongress eröffnete. Die Weltraumtechnologie sei "immens wichtig für das Wachstumspotenzial und die Innovationskraft der gesamten Weltwirtschaft", sagte sie in ihrer Rede. Das große Projekt, das in den Sitzungen immer wieder angesprochen wird, erwähnt sie dagegen mit keinem Wort: die bemannte Mission zum Mars. Dabei ist Thema überall präsent: Wann werden die ersten Menschen zu unserem Nachbarplaneten fliegen? Wie bringen wir sie dorthin? Was werden sie während des Fluges erleben? "Sie werden die ersten sein, die die Erde aus dem Blickfeld verlieren", sagt Dietrich Manzey, Psychologe an der FH Lüneburg. "Über die seelischen Auswirkungen dieses Erlebnisses lässt sich nur spekulieren." Besser erforschen lassen sich die Effekte extremer Isolation und Enge über lange Zeiträume, mit denen die Marsastronauten konfrontiert sein werden. Einige Pioniere der 1998 gegründeten "Mars Society" haben bereits Forschungsstationen in Gegenden errichtet, die der Marsoberfläche ähnlich sind. Dort simulieren sie den Alltag zukünftiger Marsflieger. Die werden sich bis zu 500 Tage auf dem Roten Planeten aufhalten und ihre eigene pflanzliche Nahrung anbauen müssen. Bei einer dieser "Mars-Analog-Studien" hat sich Wladimir Pletser von der Europäischen Weltraumorganisation ESA insbesondere mit diesem Aspekt beschäftigt und beobachtet, dass sich in einer sonst leblosen Umgebung ein besonderer Respekt für Pflanzen zu entwickeln scheint. Viele Teilnehmer der Studie berichteten von einem Gefühl des Bedauerns bei der Ernte. Ob der Mars tatsächlich so leblos ist, muss sich allerdings erst noch zeigen. Mehrere Raumsonden sind deshalb momentan unterwegs. Und die Wissenschaftler sind erstaunlich zuversichtlich, dass die Suche nach Leben oder Spuren früheren Lebens erfolgreich sein wird. "Warten Sie mal ab, was passiert, wenn Beagle 2 im Marsboden organische Materie findet", sagt Berndt Feuerbacher vom Institut für Weltraumsimulation beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, als er auf die vermeintlich geringe Begeisterung in der Bevölkerung für die Raumfahrt angesprochen wird. Er scheint nicht daran zu zweifeln, dass der europäische Roboter den Beweis für außerirdisches Leben erbringen wird. Und was ist mit anderen intelligenten Lebewesen? Wann empfangen wir endlich eine Botschaft von ihnen? Seth Shostak vom SETI-Institut in Mountain View, Kalifornien, rechnet. Sein Ergebnis: Die Botschaft dürfte innerhalb der nächsten zwölf bis 24 Jahre eintreffen. Bis dahin bietet so ein Kongress immerhin die Möglichkeit, wenigstens vorübergehend der irdisch-deutschen Enge zu entkommen. Weitere Informationen: Publikumsvortrag "Leben im Universum": Gerda Horneck, Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin beim DLR, Freitag, 14.30 Uhr, Kongresszentrum Bremen erschienen am 2. Okt 2003 in Wissenschaft [Image] zurück