[Hamburger Abendblatt] [Image] [Image] [Image] [Image] [Image] [Image] if Wissen Europas Endspurt zum Titan Scheidung im All: Nach einem erfolgreichen Trennungsmanöver von der US-Sonde "Cassini" ist die europäische Weltraummission "Huygens" in ihre Schlußphase eingetreten. Von Hans-Arthur Marsiske [Diese Zeichnung zeigt die europäische Raumsonde “Huygens³ beim Eintritt in die äußereAtmosphäre des Saturn-Mondes Titan. “Huygens³ hat sich am 25. Dezember von der Muttersonde “Cassini³ getrennt.] Diese Zeichnung zeigt die europäische Raumsonde “Huygens³ beim Eintritt in die äußere Atmosphäre des Saturn-Mondes Titan. “Huygens³ hat sich am 25. Dezember von der Muttersonde “Cassini³ getrennt. Foto: AFP if if der Nacht zum Ersten Weihnachtstag die letzte Runde für "Huygens" einläutete, war in der Leere des Alls nicht zu hören. Und doch löste er 1,2 Milliarden Kilometer entfernt in Europa Jubel aus. Völlig lautlos löste um genau 4.08 Uhr MEZ ein kleiner Sprengsatz die Federn, die die Raumsonde sanft von der Muttersonde "Cassini" abstießen und zur Stabilisierung der Flugbahn zugleich in eine Eigendrehung versetzten. Mit 30 Zentimetern pro Sekunde driften die beiden Flugkörper seitdem auseinander. "Cassini", die seit knapp fünf Monaten den Saturn umkreist, wird in der Nacht zum 28. Dezember eine Kurskorrektur durchführen, die sie wieder auf eine sichere Umlaufbahn um den Ringplaneten bringt. "Huygens" dagegen bleibt auf Kollisionskurs mit Titan, dem größten und geheimnisvollsten der Saturnmonde, und wird gut zwei Wochen später, am Morgen des 14. Januar, in dessen Atmosphäre eintauchen. Dann beginnt die aufregendste Phase dieser ehrgeizigen Weltraummission, die erstmals die Oberfläche eines Himmelskörpers im äußeren Sonnensystem erreichen und von dort Daten übermitteln soll. "Es war eine freundschaftliche Trennung nach sieben gemeinsam verbrachten Jahren", sagte Robert Southwood, Wissenschaftsdirektor bei der europäischen Weltraumorganisation ESA, über dieses letzte Manöver, das die Schlußetappe eingeleitet hat. "Wir danken unseren Partnern bei der NASA fürs Mitnehmen." Die europäische Raumsonde "Huygens", benannt nach dem Entdecker des Titan, Christiaan Huygens (1629-1695), ist quasi huckepack auf der US-Sonde "Cassini" mitgeflogen. Eine amerikanische Titan-4B/Centaur-Rakete hatte die beiden Weltraumroboter am 15. Oktober 1997 von Cape Canaveral aus auf den Weg gebracht. Nach der jetzt erfolgten Trennung werden sie am 14. Januar noch ein letztes Mal Kontakt aufnehmen. Denn "Huygens" ist nur mit einem schwachen Sender ausgestattet und braucht "Cassini" als Relaisstation für die Übermittlung der Beobachtungsdaten zur Erde. Daten, auf die viele Wissenschaftler ungeduldig warten: Auf Grund der dichten Atmosphäre läßt sich die Oberfläche Titans von der Erde aus nur schemenhaft erkennen. Selbst die Bilder, die "Cassini" beim Vorbeiflug am 26. Oktober aus nur 1200 Kilometer Entfernung aufnahm, mußten noch viele Fragen offen lassen, unter anderem die, ob es auf Titan, wie von vielen Forschern vermutet, Ozeane aus Methan gibt. Werden "Huygens'" Mikrofone während des zweieinhalbstündigen Abstiegs durch die Titan-Atmosphäre womöglich das Prasseln dicker Methantropfen übermitteln? Es wäre der erste Regenschauer, der außerhalb der Erde beobachtet würde. Was für Landschaften wird die Kamera zeigen, welche Stoffe werden die chemischen Sensoren finden? Viele Wissenschaftler glauben, daß die Lufthülle des Titan der frühen Erdatmosphäre ähnelt. Von den "Huygens"-Daten erhoffen sie sich daher unter anderem neue Erkenntnisse über die Entstehung des Lebens. Einige Forscher halten sogar die Existenz einfacher Lebensformen auf Titan für möglich. "Falls die Sonde den Aufschlag auf der Oberfläche übersteht, können wir bis zu zwei weitere Stunden wissenschaftlicher Messungen erwarten, bis die Batterien erschöpft sind", sagt Jean-Pierre Lebreton, Manager der "Huygens"-Mission. Bis dahin bleibt ihm und allen anderen Forschern nur, wie ein Kind vorm Weihnachtsfest die noch verbleibenden Tage zu zählen. Denn "Huygens" ist jetzt völlig sich selbst überlassen. Die letzten vier Millionen Kilometer legt die Sonde im Standby-Modus zurück, ohne eigenen Antrieb und unerreichbar für irdische Signale. Um Energie zu sparen, wird die Sonde erst kurz vor Erreichen des Titan am 14. Januar von einer bordeigenen Uhr wieder aktiviert. Und damit "Huygens" diesen entscheidenden Moment nicht verschläft, haben die ESA-Techniker vorgesorgt - auf gleiche Weise, wie es die meisten Menschen bei wichtigen Terminen tun: Sie haben drei unabhängig voneinander arbeitende Wecker gestellt. Sicher ist sicher. Die Mission im Internet: www.dlr.de/cassini-huygens www.esa.int/SPECIALS/Cassini-Huygens/index.html erschienen am 27. Dezember 2004 in Wissen [Image] zurück Links im WWW: www.dlr.de/cassini-huygens www.esa.int/SPECIALS/Cassini-Huygens/