[DIE WELT online] [Image] Tschüss, "Galileo" Am Samstag wird die Forschungssonde "Galileo" in der Atmosphäre von Jupiter verglühen von Hans-Arthur Marsiske [Acht Jahre hat die Forschungssonde Galileo Aufnahmen vom Jupiter geliefert] Pasadena -  Acht Jahre hat die Forschungssonde Galileo Aufnahmen vom Jupiter geliefert Es Foto: dpa  endet so, wie es vor fast acht Jahren begann - mit einem selbstmörderischen Sturz ins Inferno. Bevor die amerikanisch-deutsche Forschungssonde "Galileo" am 7. Dezember 1995 nach sechsjährigem Flug den Jupiter und dessen Monde erreichte, schickte es erst einmal eine Sonde in die Atmosphäre des Riesenplaneten. Die übermittelte etwa eine Stunde lang Daten, ehe sie von dem dortigen gewaltigen Druck zerquetscht wurde. Am Sonntag wird das Mutterschiff nun den gleichen Weg in die Zerstörung gehen. Die Vernichtung ist ein vorsorglicher Akt zum Schutz außerirdischer Ökosysteme: Im Kühlwasser der atomar angetriebenen Raumsonde befinden sich Heerscharen irdischer Bakterien. Als "Galileo" 1989 seine Reise antrat, wurden Raumfahrzeuge noch nicht umfassend sterilisiert. Tatsächlich ist es denkbar, dass es auf dem Jupitertrabanten Europa Lebensformen gibt. Würden die Nasa-Techniker "Galileo" nicht gezielt auf dem lebensfeindlichen Gasplaneten Jupiter zerstören, bestünde das Risiko, dass die Sonde auf Europa zerschellt und dort möglicherweise existierendes primitives Leben "verfälscht". Es ist dies das spektakuläre Ende einer ungemein erfolgreichen Weltraummission. Frühere Sonden wie "Pioneer", "Voyager" und "Ulysses" hatten nur bei schnellen Vorbeiflügen Daten über den Gasriesen sammeln können. "Galileo" dagegen umkreiste insgesamt 35 Mal den Jupiter und vier Mal so lange wie ursprünglich vorgesehen. Sie ist damit die erste Sonde, die einen der äußeren Planeten über längere Zeit aus der Nähe beobachtete. "Von der wissenschaftlichen Bedeutung her ist ,Galileo" ohne weiteres mit den "Voyager"-Missionen zu vergleichen", sagt Harald Krüger vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg, Leiter des Staubexperiments auf "Galileo", bei dem es um die Untersuchung kleinster Staubteilchen geht. Anfangs sah es jedoch gar nicht nach einem so großen Erfolg aus. "Das begann damit", erinnert sich Krüger, "dass der für 1982 vorgesehene Start verschoben werden musste, weil es beim Bau der Raumfähre, die die Sonde ins All transportieren sollte, zu Verzögerungen kam." Die Explosion der Raumfähre "Challenger" im Jahr 1986 sorgte für eine weitere Verzögerung, so dass der Shuttle "Atlantis" "Galileo" erst am 18. Oktober 1989 mit sechsjähriger Verspätung auf den Weg brachte. Am 11. April 1991, eineinhalb Jahre nach dem Start, klemmte die mehr als fünf Meter durchmessende Hauptantenne und entfaltete sich nicht wie ein Regenschirm. Zwar konnte die Sonde mit ihren schwächeren Antennen trotzdem noch Daten zur Erde übermitteln, aber statt der vorgesehenen Datenrate von 134 Kilobit pro Sekunde, die ungefähr einem Fernsehbild pro Minute entsprochen hätte, mussten sich die Forscher jetzt mit einem knappen Hundertstel davon zufrieden geben. "Galileo" sollte alle Beobachtungen nun zunächst auf Magnetband aufzeichnen und später mit 1,2 Kilobit pro Sekunde an die Bodenstation senden. Das funktionierte zunächst ganz gut. Noch vor dem Eintreffen am Zielort bescherte die Jupitersonde den Forschern eine reichhaltige Ausbeute an Beobachtungsdaten: Dazu gehören die ersten Nahaufnahmen eines Asteroiden, die Entdeckung eines von einem kleinen Begleiter umkreisten Asteroiden sowie die spektakulären Bilder von den Einschlägen des Kometen Shoemaker-Levy-9 auf dem Jupiter im Juli 1994. Kurz vor dem Einschwenken in die Jupiter-Umlaufbahn, die mit Hilfe des vom deutschen Luft- und Raumfahrtkonzern Messerschmidt-Bölkow-Blohm (heute EADS) gebauten Antriebsmoduls problemlos gelang, fuhr dem "Galileo"-Team aber noch einmal ein Schreck in die Glieder: Der Datenrekorder meldete eine Fehlfunktion. Nach dem Zurückspulen des Bandes stoppte er nicht. Glücklicherweise gelang es, den Fehler zu beheben. Im Verlauf der folgenden acht Jahre blieb der Rekorder zwar temperamentvoll, konnte den Ausfall der Hauptantenne aber weiterhin kompensieren, so dass am Ende trotzdem 70 Prozent des ursprünglich vorgesehenen Programms absolviert werden konnten. Für den wissenschaftlichen Höhepunkt der "Galileo"-Mission hält Krüger die Entdeckung von Hinweisen auf einen Salzwasserozean unter der Eisdecke des Jupitermondes Europa. Dieser Himmelskörper ist seitdem neben dem Mars zum heißesten Kandidaten bei der Suche nach außerirdischem Leben im Sonnensystem geworden. Harald Krüger leitete seit 1996 ein Experiment zu den Staubpartikeln, die der vulkanisch aktive Jupiter-Mond Io hoch schleudert. Dabei konnte der Heidelberger Forscher nachweisen, dass dieser Staub mit Ios Magnetfeld elektromagnetisch wechselwirkt. "Diese zum Teil nur zehn Nanometer großen Teilchen werden im Magnetfeld des Jupiter auf bis zu 300 Kilometer pro Sekunde beschleunigt und aus dessen Schwerefeld geschleudert." Nicht nur Saturn besitzt Ringe, auch Jupiter. Im November 2002 flog "Galileo" durch den Gossamer-Ring und konnte erstmals ein direktes Dichteprofil bestimmen. Beim Sturzflug auf den Jupiter wird ein letztes Mal Ringforschung betrieben. Bis zum letzten Moment soll "Galileo" Daten funken. Krüger hofft, dabei noch einmal neue Erkenntnisse über die Staubringe des Jupiters zu erhalten. Artikel erschienen am 20. Sep 2003 Artikel drucken   © WELT.de 1995 - 2003