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Europa will sich auf den Weg zum Mond machen

von Hans-Arthur Marsiske

Bremen - In Bremen traut man sich, das "verbotene Wort" auszusprechen. "Vom Mond durfte man in den letzten Jahren ja praktisch nicht reden", sagt Manfred Fuchs, Geschäftsführer der Bremer Raumfahrtfirma OHB-System AG. "Dennoch haben wir seit über einem Jahr an Studien zum Mond gearbeitet."

Auf einer Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt erörtern Fuchs und weitere Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft derzeit ihre Pläne für Raumfahrtmissionen zum Erdtrabanten.

Denn auf dem Mond seien in den nächsten Jahren sinnvolle Anwendungen realisierbar. "Der Mond ist mit Sicherheit ein lohnendes Ziel und der nächste logische Schritt", bestätigt der ehemalige Wissenschaftsastronaut Ernst Messerschmid, Professor für Astronautik und Raumstationen an der Universität Stuttgart. Im Unterschied zum Mars, bei dem für bemannte Missionen mit Zeitrahmen von 1000 Tagen gerechnet werden müßte, würden Missionen zum Mond lediglich 1000 Stunden erfordern.

Im Mittelpunkt der Szenarien steht die Errichtung eines Radioteleskops auf der Rückseite des Mondes zur Beobachtung des langwelligen Spektralbereichs. In diesem Bereich könnten auf dem Mond erhebliche Fortschritte erreicht werden, sagte Heino Falcke vom niederländischen Institut Astron. Falcke ist als Wissenschaftler an der Entwicklung des Radioteleskops Lofar (Low Frequency Array) beteiligt, das gegenwärtig in Deutschland und den Niederlanden entsteht. Dabei werden einzelne Antennen in einem Umkreis von mehreren hundert Kilometern verteilt und so miteinander verbunden, daß sie wie eine einzelne, riesige Empfangsantenne wirken.

Ein ähnliches Observatorium könnte auf dem Mond entstehen, wo die Beobachtungen ungestört von irdischen Radiosendern durchgeführt werden könnten. Zunächst würde es allerdings in einem kleineren Maßstab von einigen hundert Metern Durchmesser errichtet werden. In einem von EADS Space Transportation erarbeiteten Szenario ist außerdem vorgesehen, diesen ersten Prototypen nicht auf der Mondrückseite, sondern in einem Krater an einem der Pole zu plazieren. Dort wäre es von irdischen Radiosignalen abgeschirmt. Zugleich wäre der Bau und Betrieb leichter zu steuern, da vom Kraterrand eine direkte, wenn auch nicht permanente Funkverbindung zur Erde möglich wäre.

"Wir wollen nicht einfach die sechste Nation sein, die zum Mond geht", betonte Evert Dudok, Präsident der EADS Space Transportation. "Der Mond ist für uns Mittel zum Zweck. Es geht darum, die Spitzenstellung in der Astronomie auszubauen." Die für die Errichtung eines solchen Observatoriums erforderliche Technologie sei in Europa vorhanden. Es könnte mit einem einzigen Start der Trägerrakete Ariane 5 realisiert werden. Die Kosten für ein solches Projekt bezifferte Dudok mit etwa einer Milliarde Euro. "Wir hoffen, daß es Teil der Innovationskampagne werden kann."

Alle Teilnehmer der Bremer Konferenz sind sich einig, daß den Robotern bald Menschen folgen würden.

Astronaut Messerschmid betont jedoch, daß manches anders laufen müßte als bei der Internationalen Raumstation "ISS". "Wir müssen neue Modelle der interkulturellen Zusammenarbeit finden", sagte er. "Bei der "ISS" gibt es einen starken Partner, dem zwei Drittel gehören und der versucht, alles zu kontrollieren. Auf dem Mond werden wir nur erfolgreich sein, wenn wir voneinander abhängen."

Zunächst geht es aber darum, die europäischen Raumfahrtminister von den Plänen zu überzeugen. Am 5. und 6. Dezember treffen sie sich, um über das zukünftige Budget der europäischen Raumfahrtorganisation Esa zu entscheiden. Der Mond steht auf der Tagesordnung.

Artikel erschienen am Fr, 16. September 2005

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