Unter dem Titel "Mission to Mars" hat heute an der Fachhochschule Heidelberg die 11. Eurobot-Weltmeisterschaft
begonnen. Bis Samstag werden 47 Teams aus 26 Ländern mit ihren selbst
konstruierten Robotern auf simulierten, stark vereinfachten
Planetenoberflächen nach Lebensspuren suchen. Wer in der vorgegebenen
Zeit am meisten findet, hat gewonnen. Heute ermitteln die deutschen
Teams, wer von ihnen um den Weltmeistertitel kämpfen darf. Das
eigentliche WM-Turnier beginnt dann morgen.
Viele Probleme, mit denen reale Marsroboter konfrontiert sind,
bleiben den Teilnehmern allerdings erspart. Während etwa beim
NASA-Roboter Phoenix
am kommenden Sonntag zunächst einmal die Landung in der nördlichen
Permafrostregion des roten Planeten gelingen muss, bei der die Sonde
innerhalb von sieben Minuten von 21.000 km/h auf 8 km/h abgebremst
wird, müssen die Teams bei Eurobot ihre Roboter lediglich per Hand in
einer farbig markierten Ecke des 2 × 3 Meter großen Spielfeldes
postieren. Und für die Suche nach Leben sind weder Bohrungen noch
chemische Untersuchungen erforderlich. Vielmehr geht es darum,
innerhalb von 90 Sekunden möglichst viele farbige Bälle einzusammeln
und in Containern abzulegen.
Eurobot ist offen für Teilnehmer unter 30 Jahren und startete im
Jahr 1994 zunächst als französischer Wettbewerb unter anderem Namen.
1998 wurde er als internationaler Wettbewerb etabliert und im Jahr 2004
mit der Gründung der Eurobot Association auch institutionell auf eigene
Füße gestellt. Deren gegenwärtiger Präsident Pierluigi Mormino konnte
bei der Eröffnungszeremonie nicht ohne Stolz darauf verweisen, dass
insgesamt 300 Teams an den Vorausscheidungen teilgenommen haben. In 12
Ländern seien nationale Qualifikationsturniere ausgetragen worden, da
jedes Land maximal drei Teams zur Weltmeisterschaft schicken darf.
Die große Mehrzahl der Teilnehmer sind Studierende der
Ingenieurwissenschaften, Informatik, Mathematik und Physik. Der
Wettbewerb ist aber auch offen für Amateure, die an keine Institution
angeschlossen sind. Teams aus nicht-europäischen Ländern können
ebenfalls teilnehmen. Die zu bewältigende Aufgabe wird jeweils etwa
acht Monate vor dem Turnier formuliert. In dieser Zeit müssen die Teams
geeignete Roboter konstruieren, programmieren und testen.
Während des Wettkampfes geht es dann sehr schnell: Es stehen drei
Minuten zur Verfügung, um die Roboter auf dem Spielfeld zu
positionieren und einzuschalten, die dann innerhalb von 90 Sekunden
völlig autonom farbige und weiße Plastikbälle einsammeln müssen. Für
die Ablage der Bälle gibt es zwei Optionen: einen "gekühlten Container"
und einen "Standardcontainer". Für Letzteren sind die weißen Bälle von
Bedeutung. Sie symbolisieren Eis, das zur Kühlung der Proben dient.
Wenn es den Robotern gelingt, farbige und weiße Bälle abwechselnd im
Standardcontainer abzulegen, sodass die im Ernstfall hoch empfindlichen
biologischen Proben gut konserviert sind, wirkt sich das in der
Punktewertung positiv aus.
Umrahmt wird die Veranstaltung von einer wissenschaftlichen Konferenz, einer Ausstellung, Vorführungen anderer Wettbewerbe wie First Lego League oder RoboCup
und einem Vortragsprogramm. Zur Eröffnung präsentierte Atsuo Takanishi
von der Waseda University in Tokio heute Morgen beeindruckende
Forschungen zu humanoiden Robotern, darunter den Roboter WF-4,
der Querflöte spielen kann. Dafür wurden die Lippen mit drei und die
Zunge mit einem Freiheitsgrad ausgestattet. Ein großes Problem, so
Takanishi, sei es gewesen, ein geeignetes Material für die Lippen zu
finden. Silikon habe sich als zu brüchig gezeigt. Mit dem Kunststoff
Septon ließen sich bessere Ergebnisse erzielen, sodass WF-4 den
"Hummelflug" von Rimsky-Korsakow spielen konnte und auch im Duett mit
einer menschlichen Flötistin einen Wohlklang erzeugte.
Beginnend mit Wabot-1 wird seit 1973 an der Waseda University zu
humanoiden Robotern geforscht, nicht nur zum zweibeinigen Gang, bei dem
die Forscher ein besonderes Augenmerk auf die Beweglichkeit der Hüfte
gelegt haben. Bemerkenswert ist auch der Roboterkopf EYE-Chan, dem zum
Ausdruck von Emotionen 59 Freiheitsgrade zur Verfügung stehen.
Takanishi gab zudem einige Einblicke in seine Forschungen zu Emotionen
als Wahrnehmungsfilter, die er mit Hilfe geeigneter Gleichungen als
dreidimensionale Vektoren abbildet.
Bei der Mimik bleibt Takanishi nicht stehen. In der WT Series sollen
Roboter das Sprechen lernen – mit Hilfe künstlicher Stimmbänder, Zungen
und Lippen. Auch hier stellt die Suche nach einem geeigneten weichen
Material ein großes Problem dar. Weitere Vorträge werden sich in den
kommenden Tagen vornehmlich mit dem Einsatz von Robotern zur
Planetenerkundung, aber auch mit Mensch-Maschine-Schnittstellen
befassen. (Hans-Arthur Marsiske) /
(anm/c't)