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28. Dezember 2007, 04:00 Uhr
Von Hans-arthur Marsiske
Gastkommentar: Brauchen wir einen eigenen Raumgleiter?
Europas Weg ins All
Das
neue Jahr beginnt, und "Columbus" ist immer noch am Boden. Ursprünglich
sollte das europäische Weltraumlabor bereits am 6. Dezember mit der
US-Raumfähre "Atlantis" zur "Internationalen Raumstation" (ISS)
transportiert werden. Ein technischer Fehler zwang die amerikanische
Weltraumbehörde Nasa jedoch, den Start zu verschieben. Ihre
europäischen Partner ließ sie damit das Fehlen eines eigenen bemannten
Transportsystems empfindlich spüren. Die europäische Trägerrakete
Ariane 5, die wenige Tage vor Weihnachten zu ihrem sechsten
erfolgreichen Flug in diesem Jahr aufbrach, mag vielen da wie ein
rettender Engel erschienen sein - zumal die Europäische
Weltraumorganisation (Esa) auf den im Februar bevorstehenden
Jungfernflug des "Automated Transfer Vehicle" (ATV) auf einer Ariane
hinweist. Der neue Raumtransporter "Jules Vernes" zur Versorgung der
ISS ist neben "Columbus" der zweite große Beitrag Europas zum
internationalen Forschungskomplex im Erdorbit.
Mit
dem ATV startet vom europäischen Weltraumhafen in Kourou erstmals ein
für den bemannten Betrieb ausgelegtes Raumfahrzeug. "Obwohl ,Jules
Verne' unbemannt fliegt", sagt der stellvertretende Projektmanager
Patrice Amadieu, "erfüllt es alle Sicherheitsanforderungen für den
bemannten Betrieb." Die Botschaft der Esa ist klar: Wir können ein
eigenes bemanntes System entwickeln, und wir wollen es auch.
Die
Entscheidung für oder gegen ein eigenes Raumschiff ist von
grundlegender Bedeutung für die Gestaltung des Aufbruchs der Menschheit
ins All. Bislang verfügen mit Russland, den USA und China drei Nationen
über eigene Transportsysteme, mit denen sie Astronauten in den erdnahen
Orbit befördern können. An neuen Systemen für Missionen zu ferneren
Zielen wie Mond oder Mars wird gearbeitet. Es könnte einen erneuten
Wettlauf ins All geben. Doch die Option, die Erkundung und Besiedlung
des Sonnensystems als kooperatives, nachhaltiges Menschheitsprojekt
durchzuführen, besteht weiterhin.
Mit
der Entscheidung für ein eigenes bemanntes Transportsystem würde Europa
zwar Unabhängigkeit signalisieren und zeigen, dass es eine
technologische Führungsrolle anstrebt. Der Verzicht auf ein eigenes
Raumschiff könnte aber ein viel stärkeres Signal in die Welt senden.
Mit dem bewussten Akzeptieren wechselseitiger Abhängigkeiten könnten
wir ein Zeichen setzen, dass wir es ernst meinen mit internationaler
Kooperation und Arbeitsteilung. Das würde uns möglicherweise nicht für
eine technologische Führungsrolle qualifizieren, wohl aber für die viel
wichtigere Funktion des geistigen Führers.
Der Autor schreibt über Raumfahrt, künstliche Intelligenz und Robotik
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