

"Aus Sicherheitsgründen brechen wir ab", sagte Ferdinand Zollner, Geschäftsführer der Firma Base Ten Systems, dessen ferngesteuertes Fahrzeug "Gecko" gerade den Hindernisparcours im freien Gelände absolvierte. Durch das Gewitter war die Funkverbindung zum Satelliten, über den Gecko gesteuert wird, zu stark gestört. Eigentlich soll das Fahrzeug aus bis zu 1500 Kilometern Entfernung sicher gelenkt werden können.
Übermäßig enttäuscht wirkte Zollner aber nicht. Zum einen wurde seinem Team für den Nachmittag ein zweiter Versuch versprochen. Zum anderen ging es bei Elrob ja nicht um Platzierungen oder Preise, sondern darum, den Leistungsstand der europäischen Robotik für den militärischen Einsatz zu ermitteln. Und das ist, nach Aussage vieler Beteiligter, gelungen.
Viel Lob gab es für die Organisation und die Testbedingungen. In Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FGAN) hatte die Bundeswehr Hindernisstrecken eingerichtet, auf denen die Roboter mit Anforderungen konfrontiert wurden, die auch im realen Einsatz auftreten können. Beim Testlauf in urbaner Umgebung mussten sie etwa enge Durchgänge passieren, sich in schwach beleuchteten Räumen orientieren oder Treppen überwinden.
Bei der Mobilität zeigten viele Roboter gute Leistungen, kamen teilweise deutlich innerhalb der vorgegebenen Zeit von 30 Minuten an das 650 Meter entfernte Ziel. "Probleme gibt es bei der Sensorik und vor allem bei der Schnittstelle zum Nutzer", sagt Henrik I. Christensen, Professor für Informatik an der Königlich-technischen Hochschule Stockholm und Koordinator des europäischen Robotiknetzwerks Euron. Mehr Intelligenz auf Seiten der Roboter soll dem abhelfen.
Mehr zum ThemaDerzeit müssen die Bediener noch jedes Gelenk eines Roboterarms einzeln steuern, um einen Gegenstand zu greifen. So warf ein Roboter der britischen Firma QinetiQ fast den ganzen Schrank um, als er die Tür öffnen wollte. "Zukünftig soll der Operator dem Roboter nur noch das Ziel der Greifbewegung vorgeben", sagt Christensen. "Die dafür erforderlichen Gelenkwinkel errechnet der Roboter dann selbst."
Einige Roboter fuhren schon mit einer solchen teilweisen Autonomie. Der vierrädrige "RTS-Dora" der Universität Hannover etwa legte die Teilstrecken zwischen Zielpunkten, die der Bediener vorgab, selbstständig zurück. Für die Zuschauer wirkte das zunächst weniger attraktiv, weil der Roboter sich vergleichsweise langsam und stockend bewegte. Aber technologisch weist ein solches System in die richtige Richtung.
Eine einfache, intuitive Bedienung ist auch deswegen erforderlich, weil Soldaten im Einsatz unter besonderem psychologischem Stress stehen. Da möchte niemand komplizierte Befehle per Tastatur eingeben, sondern allenfalls einen Knopf drücken und den Roboter durch ein Fenster in das Gebäude werfen, das auf versteckte Sprengfallen untersucht werden soll.
Unter Stress standen wohl auch viele Teilnehmer dieser Leistungsschau. Da vergaß schon mal jemand, einen Bolzen zu befestigen, oder wollte, um Energie zu sparen, das Kabel für eine Kamera erst kurz vom Start einstecken - und erinnerte sich dann erst wieder daran, als der Roboter bereits unterwegs war und vom verzweifelten Operator mit stark eingeschränkter Sicht gesteuert werden musste.
Weitere Robotik-ThemenDas Aufdecken auch solcher Fehlerquellen und Schwachpunkte war der Sinn der Veranstaltung. Sie hat gezeigt, dass die derzeitigen Systeme von der Einsatzreife zumeist noch ein gutes Stück entfernt sind, hat aber auch wertvolle Hinweise für die weitere Entwicklung gegeben. Zollner zum Beispiel wird sich jetzt darum kümmern, Gecko gegen Gewitter unempfindlicher zu machen. "In einem halben Jahr passiert uns das nicht mehr", verspricht er.