Leistungsschau der MilitärroboterFerngelenkte Gefechtshelfer müssen Hindernisparcours überwinden - Test bei Feuer, Schlamm und Dunkelheit Hammelburg -
Die ständig wummernden Mörser und Maschinengewehre im Hintergrund konnten die Roboter nicht beeindrucken. Aber als dann richtige Blitze und Donner vom Himmel hinzukamen, kam das ferngelenkte Panzerfahrzeug "Gecko" nicht mehr weiter. "Aus Sicherheitsgründen müssen wir hier abbrechen", so Ferdinand Zollner, Geschäftsführer der Firma Base Ten Systems. "Die Funkverbindung ist zu stark gestört."
Übermäßig enttäuscht wirkte Zollner jedoch nicht. Zum einen wurde seinem Team für den Nachmittag ein zweiter Versuch zugestanden. Zum anderen ging es bei dem ersten European Land-Robot Trial (Elrob), der vom 16. bis 18. Mai auf dem Bundeswehr-Übungsgelände bei Hammelburg stand, nicht um Plazierungen oder Preise. Die Organisatoren wurden nicht müde zu betonen, daß es sich um keinen Wettbewerb handelte, sondern um eine Leistungsschau. 22 Teams aus acht Ländern demonstrierten den Stand der europäischen Robotertechnik bei militärischen Anwendungen.
Von schwerbewaffneten Terminatoren war dabei allenfalls am Rande die Rede. "Wir stehen mit der Robotik noch ziemlich am Anfang", räumte Brigadegeneral Reinhard Kammerer vom Führungsstab des Heeres ein. Für die Zukunft wollte er die Entwicklung bewaffneter Roboter zwar nicht grundsätzlich ausschließen.
Vorerst ginge es jedoch darum, Soldaten mit Hilfe von Robotern aus kritischen Situationen herauszuhalten und ihre Handlungsmöglichkeiten zu erhöhen. Bei einem Roboter, der nicht nur aufklären oder Bomben entschärfen, sondern auch "Wirkung erzielen" soll, seien zudem die Anforderungen an die Zuverlässigkeit erheblich höher.
Um die Tauglichkeit für die militärische Aufklärung zu testen, mußten die Roboter in dem Dorf Bonnland, das von der Bundeswehr als Ortskampfanlage genutzt wird, verschiedene Hindernisstrecken bewältigen.
Es galt, etwa innerhalb einer halben Stunde eine 650 Meter lange Strecke abzufahren, auf der Steigungen überwunden, dunkle Räume inspiziert oder enge Durchgänge passiert werden mußten. Außerhalb des Dorfes war außerdem ein Parcours vorbereitet worden, auf dem die Maschinen ihre Geländetauglichkeit unter Beweis stellen sollten. Hier gab es ebenfalls steile Steigungen, einen Kartoffelacker, schlammige Pfützen, ein offenes Feuer und andere Schwierigkeiten.
Der Leiter der Jury Henrik I. Christensen, Professor für Informatik an der Königlich Technischen Hochschule Stockholm und Koordinator des europäischen Robotiknetzwerks Euron, zeigte sich mit dem Verlauf der Veranstaltung sehr zufrieden. Das Konzept habe sich bewährt, wenn auch die Leistungen der Roboter noch zu wünschen übrigließen. Defizite hätten sich insbesondere bei der Sensorik und bei der Schnittstelle zum menschlichen Bediener gezeigt. Um Soldaten, die im Gefechtseinsatz unter besonderem Streß stehen, zu entlasten, sei daher mehr Autonomie erforderlich.
"Gegenwärtig muß der Operator bei einem Roboterarm noch jedes Gelenk einzeln steuern", sagt Christensen. "Zukünftig sollte er dem Roboter nur noch zeigen müssen, was er greifen soll. Die dafür erforderlichen Gelenkstellungen berechnet der Roboter dann selbst." Elrob soll kein einmaliges Ereignis bleiben. Zukünftig soll die Leistungsschau jährlich abgehalten werden, wobei zwischen militärischen und zivilen Testszenarien gewechselt wird. Die nächste Veranstaltung ist für den September 2007 in der Schweiz geplant.
Artikel erschienen am Mo, 22. Mai 2006 |
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