
E. T., wo bist du?
Modernste Sonden wie der Satellit "Corot" sollen erdähnliche Planeten finden.
Von Hans-Arthur Marsiske
![]() |
Suche nach der zweiten Erde: Der französische Satellit „Corot“ in einer Computersimulation der Esa. Er soll Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufspüren. Foto: rtr |
Hamburg -
Auf der Kinoleinwand gehören Außerirdische schon lange zum Alltag. Sie attackieren die Erde ("Independence Day"), werden von den "Men in Black" gejagt oder leiden unter Heimweh ("E. T."). Alles nur pure Fantasie, erdacht von kreativen Drehbuchautoren in Hollywood?
"Nein!", sagt fast die Hälfte der Deutschen, "wir glauben an Aliens!" Das ergab eine Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag von "Reader's Digest".
Von den 1000 Befragten zeigten sich 40 Prozent von der Existenz intelligenter außerirdischer Lebewesen überzeugt. Frauen (35 Prozent) erwiesen sich dabei als deutlich skeptischer als Männer, von denen 47 Prozent an Aliens glauben. Auch von den über 60-Jährigen antworteten nur 28 Prozent mit "Ja". Dagegen beobachten die Meinungsforscher mit steigendem Bildungsgrad eine kontinuierlich zunehmende Bereitschaft, an die Existenz Außerirdischer zu glauben.
Gelten die Antworten ausschließlich für hoch entwickelte Lebewesen à la E. T., oder beziehen sie auch einfache Mikroorganismen ein? Im letzteren Fall wären die Alien-Gläubigen in guter Gesellschaft: Denn obwohl bislang kein einziges außerirdisches Lebewesen zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, neigen auch immer mehr Wissenschaftler dazu, Leben im Universum als den "Normalfall" anzusehen.
So haben Biologen in den vergangenen 30 Jahren auf der Erde mehr und mehr Mikroorganismen entdeckt, die unter extremen Bedingungen wie Kälte, Hitze, Dunkelheit oder fehlendem Sauerstoff prächtig gedeihen. Astronomen fanden auf Meteoriten, Kometen und in interstellaren Staubwolken komplexe organische Materie wie Zucker oder Aminosäuren - wichtige Bausteine des Lebens. Und schließlich zeigte sich mit dem Nachweis von mehr als 210 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, dass die Bildung von Planetensystemen offenbar eher die Regel als die Ausnahme ist.
Für die meisten Forscher ist es nur eine Frage der Zeit, bis dort draußen der erste erdähnliche Planet entdeckt wird. Das gerade erfolgreich gestartete französische Weltraumobservatorium "Corot" ist prinzipiell dazu in der Lage. Von seinem Beobachtungsposten in 900 Kilometer Höhe soll es während seiner zweieinhalbjährigen Betriebsdauer bei insgesamt 60 000 Sternen nach geringfügigen Helligkeitsschwankungen Ausschau halten, die durch vorbeiwandernde Planeten verursacht werden können.
Anne Baglin vom Observatoire de Paris-Lesia, wissenschaftliche Leiterin der Mission, rechnet damit, mit dieser "Transitmethode" zehn bis 100 Planeten von der Größe der Erde nachzuweisen. Es wäre allerdings ein Glücksfall, wenn ein echter Erdzwilling dabei wäre. Denn dazu würde gehören, dass der Exoplanet nicht nur hinsichtlich Masse und Durchmesser unserem Heimatplaneten ähnelt, sondern seinen Stern auch auf einer ähnlichen Umlaufbahn umkreist wie die Erde die Sonne. Doch dafür ist "Corot" nicht ausgelegt. "Die Transitmethode bevorzugt Planeten auf nahen Umlaufbahnen", erläutert Ruth Titz, Physikerin am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin. "Je kleiner der Radius, desto größer der Blickwinkel, aus dem ein Transit vor dem Zentralstern beobachtet werden kann."
An empfindlicheren Observatorien, mit denen die Atmosphären der fernen Welten spektroskopisch untersucht werden können, wird bereits gearbeitet. Finden sich gleichzeitig Substanzen wie Sauerstoff und Methan, die normalerweise miteinander reagieren, würde dies auf fremdes Leben hindeuten. Halogenkohlenwasserstoffe, die auf der Erde die Ozonschicht gefährden, könnten gar auf eine ferne technologische Zivilisation hinweisen, wenn auch nicht unbedingt auf Intelligenz . . .
erschienen am 29. Dezember 2006
