Hamburger Abendblatt


Wissenschaft

Bilder aus dem ALL - Blicke in unvorstellbare Weiten


Von Hans-Arthur Marsiske

Die Bilderflut, die die Astronomen seit einigen Jahren produzieren, hat ungeheure Ausmaße angenommen. Ständig produzieren extrem leistungsfähige Observatorien am Boden und im Weltraum neue Ansichten des Universums, liefern Raumsonden Nahaufnahmen verschiedener Objekte im Sonnensystem. Dabei dringen die Kameras nicht nur räumlich in unvorstellbare Weiten vor, sie erschließen auch Frequenzbereiche des elektromagnetischen Spektrums, die dem Auge normalerweise verborgen bleiben, mit immer höherer Auflösung.

Es ist eine Revolution der Weltraumforschung, die eigentlich nur mit dem Umbruch vergleichbar ist, den Galileo Galilei bewirkte, als er im Jahr 1609 erstmals ein Teleskop auf den Himmel richtete.

Glücklicherweise wuchsen praktisch gleichzeitig mit dieser Flut auch die Dämme, die sie in sinnvolle Bahnen lenken können: Ohne Computer und Internet wären die vielen neuen Daten kaum nutzbar. Die beiden US-Astronomen Robert J. Nemiroff und Jerry T. Bonnell erkannten die Möglichkeiten der neuen Medien schon recht früh. Im Juni 1995 richteten sie die Website "Astronomy Picture of the Day" ein, auf der sie jeden Tag ein anderes astronomisches Bild präsentierten, erläutert durch einen kurzen Text, der über einige Links mit weiterführenden Websites verknüpft ist.

Nach und nach entstand so nicht nur eine virtuelle astronomische Enzyklopädie, die dem Nutzer den reichhaltigen Wissensfundus des Internets erschließt, sondern vor allem eine stetig wachsende Galerie atemberaubender Ansichten. Die Beobachtungsinstrumente der Astronomen erschließen eine Welt unglaublich vielfältiger Formen und Farben. Es sind Bilder darunter, die an abstrakte Malerei erinnern, nur dass die Natur selbst in diesem Fall der Künstler ist. Der einzige Wermutstropfen war bislang das Ausgabemedium: Der Computermonitor auf dem Schreibtisch bietet nicht gerade die beste Umgebung, um diese ganze Pracht ihre Wirkung entfalten zu lassen. Deswegen war es höchste Zeit, dass Nemiroff und Bonnell die besten Bilder zu einem Buch zusammengestellt haben - 365 insgesamt, für jeden Tag des Jahres eins. Damit kann man gemütlich zurückziehen und ungestört vom Rauschen der Computerkühlung, vielleicht bei passender Musik, die Schönheit des Universums erleben.

Das Buch: Robert J. Nemiroff/Jerry T. Bonnell: Das Universum - Tag für Tag. Knesebeck Verlag, 744 S. 29,90 Euro. Die Internet-Seite:

http://antwrp.gsfc.nasa.gov/apod/

erschienen am 27. Mai 2003 in Wissenschaft

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