URL: http://www.welt.de/wissenschaft/article1620936/Navi_statt_im_Auto_kuenftig_im_Gehirn.html
Die Verbindung von Mensch und Maschine schreitet mit riesigen Schritten
voran: Die direkte Verbindung von Gehirn und Computer wird schon heute
praktiziert. Dabei geht die Einflussnahme in beiden Richtungen: Der
Computer kann mit Gedanken gesteuert und das Gehirn durch Impulse
beeinflusst werden.

Foto: arte
Mit Hilfe dieser Spezialbrille werden Daten an einen PC übertragen, ihr
blinder Träger gewinnt so einen Seheindruck. Allerdings ist dieser kaum
mit dem normalen Sehen vergleichbar. Szenenfoto aus der arte-Sendung
"Evolution Cyborg: Auf dem Weg zur Mensch-Maschine"
Obwohl Nick Stavrianos noch nie zuvor in Hongkong war, braucht er keinen
Stadtplan, um sich in der fremden Stadt zu orientieren. Im Jahr 2068 genügt
dem Privatdetektiv die entsprechende Navigationssoftware, die er sich direkt
ins Gehirn einspeist – schon kennt er jeden Winkel und bewegt sich in der
asiatischen Metropole, als wäre er dort aufgewachsen.
Ob sich das Zukunftsszenario, das der
australische Schriftsteller Greg Egan in dem Science-Fiction-Roman
„Quarantäne“ (1992) entwirft, so realisieren wird, steht in den Sternen.
Pure Fantasie ist es aber nicht.
Im Mittelpunkt der Forschungen
steht in der Regel die Hilfe für Behinderte. So können manche Patienten, die
an der fortschreitenden Muskellähmung ALS (Amyotrophe Lateralsklerose)
leiden, im Endstadium der Erkrankung nicht einmal mehr die Augen bewegen.
Die einzige Möglichkeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren, bietet dann nur
noch ein „Brain Computer Interface“ (BCI), das die Gehirnaktivität
aufzeichnet und Befehle zur Steuerung eines Computers extrahiert.
Der
Thought Translation Device (TTD) an der Universität Tübingen etwa misst mit
sechs Elektroden auf der Kopfhaut des Nutzers Spannungsänderungen, die im
Mikrovolt-Bereich liegen und Rückschlüsse auf die neuronale Aktivität
ermöglichen. Nach mehreren Monaten Training konnte der ALS-Patient
Hans-Peter Salzmann einen Computercursor auf dem Monitor nach oben oder
unten wandern lassen, indem er entweder „Druck im Gehirn“ erzeugte oder
„eine Art gedankliche Leere“ herstellte. Auf diese Weise konnte er mit zwei
Zeichen pro Minute einen Text verfassen. So stellte er sich zur Erzeugung
positiver Hirnpotenziale etwa „eine auf grün springende Ampel, einen
startenden Athleten oder einen von der Sehne schnellenden Pfeil“ vor.
Auch das „Berlin Brain Computer Interface“ (BBCI), ein Gemeinschaftsprojekt
des Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik und der
Berliner Universitätsklinik Charité, nutzt wie die Tübinger die etablierte
Technik des EEG (Elektroenzephalogramm) zur Aufzeichnung der Hirnaktivität.
Jedoch kommen hier bis zu 128 Elektroden zum Einsatz. Vor allem aber haben
die Berliner die Last des Lernens zum großen Teil auf den Computer
verlagert. Hier ist nur noch eine etwa 20-minütige Vorbereitungsphase
erforderlich, während der sich das System auf die spezifischen Hirnsignale
des jeweiligen Nutzers einstellt.
Versuchsperonen berichetn von aufwühlenden Erlebnissen
Danach fällt es den meisten Versuchspersonen relativ leicht, den Cursor zu
steuern. So stellte Klaus-Robert Müller, Leiter der Forschungsgruppe, einmal
während eines Interviews verblüfft fest, dass er nebenbei immer noch ein
Computerspiel spielte, das er zuvor demonstriert hatte. Wie man nach einer
Tasse Tee greifen kann, ohne die Zeitungslektüre zu unterbrechen, steuerte
er das System quasi automatisch. Die gedankliche Steuerung eines Computers
kann sehr aufwühlend sein. Müller selbst sagt, dass er danach noch
stundenlang von den Eindrücken zehrt und erst spät zur Ruhe kommt. Andere
Versuchspersonen berichten vom Gefühl, im Cursor gesteckt zu haben, oder
vergleichen das Erlebnis mit dem Heben eines Stocks, um auf etwas zu deuten.
Es ist, als würde der Computer Teil des Körpers.
Ein solcher Effekt kann durchaus erwünscht sein, etwa wenn es um die
Handhabung von Robotikprothesen geht. Allerdings stößt die mit EEG-Signalen
arbeitende BCI-Technologie hier an ihre Grenzen. Aus der Hirnaktivität
extrahiert das Berliner System lediglich den Befehl, den Arm zu bewegen. Die
gewünschte Richtung dieser Bewegung muss dagegen mithilfe von Kameras aus
der Blickrichtung des Nutzers abgeleitet werden.
Bessere Ergebnisse lassen sich erzielen, wenn die Gehirnaktivität nicht auf
der Kopfhaut, sondern direkt im Gehirn gemessen wird. So berichtete ein
US-Forscherteam vor gut einem Jahr von einem querschnittsgelähmten jungen
Mann, dem ein vier mal vier Millimeter großer Chip etwa einen Millimeter
tief ins Hirn implantiert worden war. 96 Elektroden maßen dort die neuronale
Aktivität und ermöglichten dem Patienten bereits nach einer Einweisung von
wenigen Minuten, einen Computercursor zu lenken, Emails zu öffnen und ein
Computerspiel zu spielen. Das Öffnen und Schließen einer Handprothese gelang
ihm, indem er sich vorstellte, die eigene Hand zu bewegen.
Allerdings ist die dauerhafte Implantation solcher Chips im Gehirn och nicht
möglich. Dem jungen Mann wurde er nach einem Jahr wieder entfernt. Zu diesem
Zeitpunkt funktionierten von den 96 Elektroden nur noch knapp 20. Außerdem
war der Patient über Kabel mit dem Computer verbunden, was für den Einsatz
im Alltag undenkbar ist. Bei der Firma Cyberkinetics, die den Chip
hergestellt hat, arbeitet man aber mit Hochdruck an einem Modell, das die
Daten vorverarbeiten und dann drahtlos übertragen kann. Thomas Stieglitz vom
Institut für Mikrosystemtechnik an der Uni Freiburg rechnet damit, dass im
Lauf des nächsten Jahres ein erster Prototyp präsentiert werden dürfte.
20.000 Menschen tragen einen Hirnschrittmacher
In kleineren Dimensionen, so Stieglitz, werde mit Gehirnimplantaten ja
bereits erfolgreich gearbeitet. „Weltweit nutzen mehr als 20.000 Menschen
einen Hirnschrittmacher“, sagt er. Damit werden jedoch keine externen Geräte
gedanklich gesteuert, sondern umgekehrt Prozesse im Gehirn gezielt
beeinflusst. Anwendung findet das Verfahren insbesondere bei
Parkinson-Patienten. Vier Elektroden werden implantiert, die tief gelegene
Hirnregionen stimulieren. Dadurch kann das synchrone Feuern der
Nervenzellen, Ursache des quälenden Muskelzitterns, unterbunden werden.
In den USA ist die Vagusnervstimulation seit knapp zwei Jahren auch zur
Behandlung von Depressionen zugelassen. Zwanghaftes Verhalten und
Angstneurosen, so die Meinung einiger Wissenschaftler, könnten mit solchen
Methoden ebenfalls therapiert werden. Für viele Menschen wird hier aber eine
Grenze überschritten. Die Behandlung seelischer Probleme durch direkte
Einflussnahme aufs Gehirn erscheint ihnen als unzulässiger Eingriff in die
Identität der Patienten.
Lars Klinnert von der Evangelischen Akademie
Iserlohn, wo kürzlich eine Tagung zum Thema „Technisierung des Menschen“
stattfand, gibt zu bedenken, dass die Identität durch diese Behandlung
womöglich erst wiederhergestellt werde. „Die Persönlichkeit eines Menschen
verändert sich ohnehin im Laufe des Lebens“, sagt er. „Um diese Eingriffe
ethisch einordnen zu können, brauchen wir eine Vorstellung von gelingendem
Leben.“
Das dürfte sich spätestens dann ändern, wenn die BCI-Technologien den
Bereich der klinischen Anwendungen verlassen und vermehrt darauf abzielen,
die Fähigkeiten gesunder Nutzer zu erweitern. Gerwin Schalk vom Wadsworth
Center in Albany, New York, der eine weltweit viel genutzte Standardsoftware
für BCI-Systeme entwickelt hat, rechnet damit in den kommenden Jahren. Er
geht davon aus, dass sich das Verhältnis von Mensch und Computer grundlegend
verändern wird. „Einem Link im Internet folgen wir dann vielleicht, indem
wir einfach unsere Aufmerksamkeit auf ihn richten“, spekuliert er.
- BAVLAV (Biotechnologische Applikation zur Verhinderung Latenter Asozialer Verhaltensmuster
- IKS (Informationsfluss Korrektur-System)
- ÖDAG (Ökologischer Denk-Anstoss-Generator)
- FIPUDEM (Filter für Inakzeptable Politisch Unverantwortliche Denkmuster)
- STS (Staats-Treue-Stimulator)
- F*CK (Freiheitsdrang-Unterbindungs-Computer-Komponente)
- GRÜN (Grünes Repressions- und Überwachungss-Netz)
- ISEAVD (Individuelles Staats-Ertragsorientierter Auswanderungsverhinderungs-Device) (das verhindert, dass gute Steuerzahler sich in die Schweiz absetzen)
Im Ernst: diese Devices benötigen wir dringend im Namen des ökologisch-sozial gerechten Fürsorgestaates. Wenn man bedenkt, was man sich dabei alles an überteuerten Erziehungsmaßnahmen sparen kann, wo - wie wir hier in "Die Welt Online" gelesen haben - wir ja alle sehen, dass die meisten Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder hoffnungslos überfordert sind - das ist eine sehr wünschenswerte Zukunft. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein aufrechter Bürger die o/g Maßnahmen (vielleicht in einer etwas geschickter benannten Ausprägung) ablehnen würde.