Hamburger Abendblatt


Wissenschaft

Studenten aus Hamburg wollen das All erobern


Von Hans-Arthur Marsiske

Roboter, die zu anderen Planeten geschickt werden, bewegen sich vornehmlich noch auf Rädern vorwärts. Diese Fortbewegungsart ist nach wie vor am zuverlässigsten und verbraucht am wenigsten Energie. Was aber, wenn die interessantesten Fundstücke in unebenem Gelände liegen? Jetzt müsste man Beine haben! Gesagt, getan, dachten sich sechs Studenten aus Hamburg und dem britischen Leicester und entwickelten das Konzept Toddler (The Observing Durable Dynamic Legged Exploration Robot). Mit ihm haben es der Hamburger Physikstudent Wolf Behrenhoff und seine Mitstreiter als einziges deutsches Team in das gestern und heute stattfindende Finale des Wettbewerbs "Students for Aurora" der europäischen Weltraumorganisation ESA geschafft.

Im Rahmen des Aurora-Programms der ESA, das der Entwicklung eines langfristigen Plans zur Erkundung des Sonnensystems dient, waren Studenten aus Europa und Kanada aufgerufen, Ideen für Weltraummissionen zu entwickeln. 39 Teams reichten die geforderte 20-seitige Ausarbeitung ein. Für einen solchen Wettbewerb sei das eine hohe Beteiligung, sagt Piero Messina vom Pariser ESA-Hauptquartier. Die Teilnahme sei ähnlich arbeitsaufwendig wie eine Examensarbeit.

Das Behrenhoff-Team schickte Toddler ins Rennen: Der Rover darf weiter auf Rädern fahren, hat aber einen oder mehrere spinnenartige Roboter an Bord. Die könnten bei Bedarf herauskrabbeln, an unzugänglichen Stellen Proben nehmen und zum Mutterfahrzeug bringen. Dort können die Spinnenroboter ihre Batterien für weitere Einsätze aufladen.

Die Studenten, alle im vierten Semester, haben im Finale in Barcelona 20 Minuten Zeit, um in einer mündlichen Präsentation das Fachpublikum von ihrem Konzept zu überzeugen. Allerdings können sie nur ein Bein ihres Roboters vorführen; den kompletten Roboter haben sie nicht mehr rechtzeitig fertig bekommen. Dass sie überhaupt die Möglichkeit haben, einen Prototyp zu bauen, verdanken sie der Unterstützung von Airbus. Das Unternehmen hilft bei der Beschaffung der Bauteile.

Das Toddler-Team muss sich gegen 16 Konkurrenten durchsetzen. Dabei könnte die Einbindung eines Sponsors Pluspunkte bringen. Wettbewerbsleiter Messina findet diesen Aspekt jedenfalls ebenso bemerkenswert wie die internationale Kooperation. Die kam zustande, weil der ebenso wie Behrenhoff aus Buxtehude stammende Daniel Brand an der University of Leicester studiert. Dort wurde er auf den Wettbewerb aufmerksam und erzählte seinen Freunden in Deutschland davon. "Hier hätten wir nichts davon erfahren", glaubt Behrenhoff. (Hans-Arthur Marsiske)

Informationen im Internet: www.hagenbeck.uni-hamburg.de/~wolf/physik/aurora/content_00_News_.php
www.esa.int/export/SPECIALS/Aurora/

erschienen am 9. Sep 2003 in Wissenschaft

 zurück

Links im WWW:

www.hagenbeck.uni-hamburg.de/~wolf/physik/aurora/content_00_News_.php

www.esa.int/export/SPECIALS/Aurora/